Windows auf dem Mac

20.04.2006
Apple stellt Software "BootCamp" als Beta-Version vor, mit der Windows XP und Mac OS X auf einem Intel-Mac laufen können - geteilte Meinungen ...

Als Apple die Pressemitteilung versandte glaubten viele an einen verspäteten Aprilscherz, doch das Unternehmen meinte es Ernst: Mit der neu vorgestellten Software "BootCamp" ist es jetzt möglich, Windows XP auf einem Intel-Mac zu installieren. Die Beta-Version des Programms, die später in die neue Mac OS X "Leopard"-Version integriert sein soll, zeigte sich in ersten Installationen überzeugend und bescherte Apple eine hohe Medienpräsenz sowie einen steil steigenden Aktienkurs. Doch auch Befürchtungen kamen auf, dass manch ein Softwareunternehmen nun Mac OS X nicht weiter unterstützen werde.

Die Vorgeschichte

Als Apple iTunes für Windows vor einigen Jahren ankündigte, glaubten viele Apple-Nutzer an das Ende des Unternehmens. Man habe sich verkauft, war die damalige Argumentation. Tatsächlich aber kaufte man die Windows-Nutzer und überzeugte nicht zuletzt eine stattliche Anzahl von einem Switch zur Apple-Hard- und -Software. Als Apple dann die Intel-Prozessoren vorstellte, sahen viele bereits den Software-Bereich des Mac als verloren an. Doch Apple dementierte: Man werde eine Windows-Installation zwar nicht verhindern, aber auch nicht fördern hieß es noch im Frühsommer 2005. Natürlich spornte diese Aussage einige Hacker erst recht an, nach der Veröffentlichung der ersten Intel-Rechner einen Wettbewerb zu starten, bei dem es darum ging, Windows XP auf den Intel-Maschinen lauffähig zu machen. Und auch umgedreht probierte man sein Glück und versuchte, Mac OS X auf Windows-Rechnern zu starten. Der Wettbewerb "Windows XP auf Intel-Macs" war rasch und durch einen Trick entschieden: Die Gewinner umgingen einfach das aktuelle EFI-Bios und starteten daraufhin das noch ein altmodisches BIOS benötigende Windows XP auf den Maschinen. Der Pferdefuß dieses Unterfangens war, dass kaum Treiber unter Windows dabei funktionierten.

Die große Ankündigung

Anfang April ließ Apple - wohlweislich nach dem 1. des Monats - die Bombe platzen: In einer Pressemitteilung hieß es: "Apple stellt Boot Camp vor - Public Beta-Software ermöglicht die Installation von Windows XP auf Intel-basierten Macs". Was einige anfangs als verspäteten Aprilscherz betrachteten entpuppte sich schnell als wahr. Mit der noch in der Beta-Version vorliegenden und kostenlos erhältlichen Software lässt sich Windows XP dank eines grafischen Assistenten einfach und problemlos parallel zu Mac OS X auf einem Intel-Mac installieren. "Anwender mit einer Microsoft Windows XP Installations-CD können mit Boot Camp Windows XP auf einem Intel-basierten Mac installieren und nach Abschluss der Installation entscheiden, ob sie nach einem Neustart ihres Computers Mac OS X oder Windows XP verwenden wollen. Boot Camp ist ein Feature von 'Leopard', der nächsten großen Version von Mac OS X, die auf der Worldwide Developer Conference (WWDC) im August erstmals gezeigt werden wird." heißt es dazu in der Pressemitteilung. Deshalb kann BootCamp derzeit nur zeitlich begrenzt genutzt werden und Apple bietet hierfür auch ausdrücklich keinen Support an. BootCamp funktioniert unter Mac OS X 10.4.6 auf einem Intel-basierten Mac mit mindestens 10 GB freiem Festplattenplatz und einer Installations-CD von Windows XP Home Edition oder Professional mit Service Pack 2 oder neuer.

Geklaut?

Nach der Ankündigung von BootCamp wurde schnell darüber spekuliert, was den Meinungsumschwung bei Apple veranlasste. Vice President Worldwide Product Marketing von Apple Phil Schiller kommentierte den Schritt mit den Worten: "Apple hat weder den Wunsch noch die Absicht, Windows zu verkaufen oder zu unterstützen. Da wir jetzt aber Intel-Prozessoren einsetzen haben viele Kunden ihr Interesse bekundet, Windows auf der überlegenen Hardware von Apple laufen zu lassen. Wir denken, dass Boot Camp es für Windows-Anwender noch verlockender machen wird, auf den Mac zu wechseln." Das große Interesse des Wettbewerbs scheint also Apple zum Umdenken bewegt zu haben. Viele sehen auch die dort veröffentlichten Ideen in BootCamp wieder aufgenommen. Alles also nur geklaut? Die Antwort lautet "vielleicht" und ist im Grunde auch ohne Relevanz, denn wichtig ist nur, dass Apple diesen Weg beschritten hat.

Medien-, Börsen- und Nutzerreaktion

Das sahen auch die Anleger so. Deshalb stieg die Apple-Aktie binnen zwei Tagen um beinahe 20 Prozent. Und die Medien berichteten wie nie zuvor über die neue Software. Selbst in der kleinsten Tageszeitung war über den "Coup von Apple" zu lesen. Und Apple wurde nicht müde zu betonen, dass damit nur Intel-Macs für Windows-Nutzer noch attraktiver gemacht werden sollten, da man vorhandene Windows-Applikationen nun weiterhin benutzen könne. Doch die eingefleischten Macianer sehen dies anders. Sie sehen das Ende von Mac OS X gekommen und in vielen Internetforen wird heiß darüber diskutiert, ob sich die Dritthersteller von Mac-Software nun noch die Mühe machen werden, Windows-Programme auf den Mac zu portieren. Besonders betrifft dies die Spielefraktion, deren Nischenmarkt auf dem Mac bislang kaum Unterstützung fand und nun noch weniger finden wird. Sie jammern: "Apple ist der dunklen Seite der Macht erlegen". Auch die Virenfrage ist heiß debattiert, kann doch ein Windows-Virus die gesamte Festplatte ohne Rücksicht auf andere Partitionen formatieren. Allerdings ist es auch mit BootCamp nicht möglich, einen Windows-Virus über diese Partition auf die Mac-Partition zu schleusen.

Performance und Probleme

Doch BootCamp macht auch anderweitig Probleme. So war unmittelbar nach der Veröffenltichung vielen Internetforen zu entnehmen, dass es bei der Installation zu Problemen kommen kann - nicht verwunderlich bei der Beta-Version einer Software, für deren Test zunächst immer ein Backup gemacht werden sollte. Darauf weist Apple - ohne dass dies jeder mitbekam - auch ausdrücklich hin. Den Berichten nach kann es vorkommen, dass nach der Installation von Windows XP das Mac OS nicht mehr zu starten ist. Hier hilft dann nur noch die Neuformatierung und Aufspielen des Backups. Meist aber läuft die Installation problemlos ab, wie andere Berichte zeigten, und erzielte in den ersten Tests überraschende Ergebnisse. So war Mac OS X zwar in iTunes und bei 3D-Programmen schneller, bei Spielen aber und auch bei dem noch nicht nativ auf Intel-Macs laufenden Photoshop gewann Windows den Performance-Test.

Nichts für professionelle Anwender

Doch trotz der Vorteile, die ein auf dem Mac-Rechner laufendes Windows XP bietet, sollten sich professionelle Anwender derzeit genau überlegen, ob sie ihren parallel zum Mac laufenden Windows-Rechner wirklich nicht mehr nutzen möchten. Denn für jeden Windows-Start muss der Intel-Mac zunächst neu gestartet werden, was in der täglichen Arbeit mitunter hinderlich sein kann. Um also eben mal das Aussehen einer HTML-Seite unter Windows zu testen oder ein nur unter Windows laufendes Bildprogramm zu nutzen, eignet sich die zweite Startpartition auf dem Mac eher weniger. Hier sollte noch immer auf einen parallel zum Mac laufenden Rechner zurückgegriffen werden, will man Zeitverluste im Grafikeralltag vermeiden.

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