Wie frei sind Freelancer wirklich?

08.03.2007
Eine Studie der Uni Hamburg zeigt auf, was die Gesundheit von Freiberuflern - besonders in Medienberufen - fördert oder gefährdet. Tipps zum gesund bleiben ...

Eine Studie der Uni Hamburg untersuchte im letzten Jahr die Arbeits- und Lebensbedingungen von Freelancern. Insbesondere Kleinstgewerbetreibende aus dem Medienbereich nahmen teil und wurden zu ihren Arbeitszeiten, Finanzen, Arbeitsorten, Gesundheit und Arbeitsbedingungen befragt. Das Ergebnis zeigt interessante Zusammenhänge zwischen den jeweiligen Arbeitsbedingungen und dem persönlichen Wohlbefinden. Gesundheitsgefährdende und gesundheitsförderliche Arbeitsmerkmale wurden ebenso zusammengestellt wie Tipps für Freelancer, die auf Dauer gesund bleiben möchten.

Mehr Freelancer, mehr Sorgen?

Durch die Veränderung unserer Gesellschaft, sei es technologischer, wirtschaftlicher oder sozialer Art, gehen viele Arbeitnehmer zunehmend den Weg in die Selbstständigkeit. Ob in Form einer Ich-AG oder als Kleinstgewerbetreibender, der sich dank eines kleinen Kundenkreises gerade so über Wasser halten kann - die Freiberuflichkeit lockt vor allem immateriell. Selbstbestimmt arbeiten und leben - und das möglichst sorgenfrei - so malt sich mancher Anfänger das Leben als Freelancer aus. Die Realität aber sieht meist anders aus, denn zum (finanziellen) Überleben muss man oft auf Wünsche eingehen, die man persönlich nicht gutheißt und Kunden gegenüber freundlich sein, die man eigentlich nicht mag. Zeitlich sieht es oft nicht besser aus: Abgabetermine, Fehlinformationen oder ungenügende Absprachen sorgen für Stress. Viele Freelancer merken sehr schnell auch gesundheitliche Folgen dieses Drucks.

Studie: Arbeits- und Lebensbedingungen von Freelancern

Ob gesundheitlichen Beeinträchtigungen wirklich von der Arbeit als Freiberufler herrühren oder andere Faktoren eine Rolle spielen, dem wollte im letzten Jahr eine Studie der Universität Hamburg, Arbeitsbereich Arbeits-, Betriebs- und Umweltpsychologie auf den Grund gehen. Dazu befragten Arbeitspsychologen online von Juli bis August 147 Freelancer, davon 40 % aus dem Bereich Web- und Grafikdesign und 15 % Fotografen.

Arbeitszeiten, Finanzen und Orte

Interessant waren die Ergebnisse vor allem hinsichtlich Arbeitszeiten, Finanzen und Arbeitsorten. Wenig verwunderlich: Nur 9 % der Befragten müssen beruflich hoch mobil sein, die meisten arbeiten vielmehr im eigenen Büro (80 %) und dann an Aufträgen von Kunden. Der Rest der Zeit wird für Kundenakquise (20 %), Verwaltung (15 %) und Kundenbetreuung (15 %) genutzt. Dabei arbeiten die meisten alleine (70 %) und sind damit echte Einzelkämpfer, die zwischen 45 und 65 Wochenstunden am Schreibtisch sitzen. Ganze 15 % der Männer gaben sogar an, mehr als 65 Stunden zu arbeiten. Und 21 % arbeiten dabei 7 Tage in der Woche mit wenig Urlaub: 25 % der Interviewpartner hatte sich in den letzten 12 Monaten höchstens drei Wochen lang erholt. Kein Wunder also, dass das Dasein als Freiberufler auf Kosten der Gesundheit geht. Besonders, weil auch die Finanzen schnell zum Risikofaktor von Freiberuflern werden können. Laut Studie verdient ein Großteil der Befragten im Jahr weniger als 15.000 Euro (47% der Frauen, 39% der Männer).

Gesundheit gefährdet?

Die Studie ergab zudem, dass gerade bei Freelancern viele Faktoren für eine Gesundheitsgefährdung gegeben sind. Nicht nur das geringe Einkommen und die große Einkommensunsicherheit sind hier ausschlaggebend und wurden als zwei von insgesamt acht negativen Faktoren identifiziert. Irritationen, also stressbedingte Symptome, sowie durch Stress verursachte psychosomatische Beschwerden treten vor allem dann auf, wenn unter hohem Zeitdruck gearbeitet werden muss und häufige Geschäftsreisen anstehen. Daneben sind Unsicherheiten bei Arbeitsaufträgen oder Entscheidungen der Auftraggeber und der Umgang mit "schwierigen" Kunden nervenaufreibend. Dabei spielt auch eine Rolle, dass Freelancer sich gegenüber solchen Kunden nicht authentisch verhalten können. Die Folgen können bis hin zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen gehen. Gesundheitlich schlechter stehen außerdem Freelancer da, deren Leistungen weder persönlich noch finanziell angemessen honoriert werden.

Gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen

Wer sich oft ausgebrannt und müde fühlt, sollte einmal in sich selbst hineinhorchen und darauf hören, was ihm oder ihr gut tut. Auch diese Faktoren untersuchte die Studie und kam zu dem Ergebnis, dass vor allem die soziale Unterstützung durch Partner, Familie oder Freunde, aber auch ein größerer Entscheidungsspielraum den Spaß an der Arbeit zurückbringen kann. Zeit ist hier ein ganz wichtiger Faktor, denn je mehr zeitlichen Spielraum man als Freiberufler hat, umso gelassener lässt es sich arbeiten. Die Studie empfiehlt deshalb eine realistische Zeitplanung mit den richtig gesetzten Prioritäten sowie eine sorgfältige Auftragsklärung im Vorfeld. Aber auch das positive Klima zum Auftraggeber ist ein wichtiges Erfolgskriterium, ebenso wie die präzise Planung der finanziellen Seite. Rücklagen, angemessene Honorare und ein gutes Jahreseinkommen sollten deshalb ein Hauptziel jedes Freelancers sein.

Kräfte auftanken nicht vergessen!

"Ganz grundsätzlich empfiehlt es sich," so die Arbeitspsychologen, "dafür zu sorgen, dass die Kräfte, die bei der Arbeit verbraucht werden (auch, wenn die Arbeit Spaß macht!), wieder aufgetankt werden können. Dies kann nicht nur durch ausreichend Schlaf, Pausen und Erholungstage geschehen, sondern grundsätzlich durch alle Aktivitäten, bei denen man sich wohl fühlt und abschalten kann (Sport, Lesen, Freunde treffen, Musik hören, spazieren gehen, ...)." Neben der Arbeit sollte man also auch Freunde, Familie und den Urlaub nicht zu kurz kommen lassen - egal, wie schön es ist, als Freelancer zu arbeiten. Sonst kann es schnell passieren, dass die freiberufliche Tätigkeit plötzlich gar keinen Spaß mehr macht und man sich wie der berühmte Hamster im Rad fühlt.

Das Gesamtergebnis der Studie lässt sich HIER im Detail nachlesen.

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