Wenn die Pixel weniger werden

22.02.2018
Jahreslang ging es immer nur rauf mit den Pixelzahlen, jetzt zeigen die neusten Panasonic-Kameras, dass das so pauschal nicht mehr gilt. Zumindest den Videos tut es gut.

Während sich die anderen Hersteller gerade etwas erholen, um für ihre Neuheiten erst später im Photokina-Jahr zu sorgen, hat Panasonic in den letzten Wochen angesichts des 100jährigen Firmenjubiläums gleich drei neue Kameras vorgestellt.

Es begann mit der Panasonic G9, der bisher professionellsten (Foto-) Kamera des Hauses, die den 20 Megapixel-Sensor durch Pixelshift in noch viel höhere Regionen wackelt. Dagegen hat die deutlich teurere GH5S nur 10 Megapixel. Huch. Und einen Bildstabilisator erst gar nicht eingebaut.

Den hat dagegen die putzige nagelneue GX9. Und kostet bei doppelt so vielen Pixeln nicht mal ein Drittel. Die Fotowelt kann ganz schön kompliziert sein – und zeigt uns hier den ganzen aktuellen Fotomarkt unter dem Brennglas.

Der Videospezialist

Die darf dann auch mal nass werden: Spritzwasserschutz macht die Panasonic GH5S allerdings nicht gerade günstiger. Quelle: Panasonic

Eigentlich ist das Kennzeichen moderner Digitalkameras, dass hier Foto- und Videofähigkeiten elegant verschmelzen. Das Spiel mit der selektiven Schärfe dank der relativ großen Sensoren hat längst den Filmschnitt erobert.

Im Schnitt werden die Bewegtbildfähigkeiten immer besser und in der Spitze funktioniert das dann doch nicht mehr. Dann braucht es plötzlich wieder spezielle Kameras. Mit zehn Megapixeln ist die neue GH5S auf dem Foto-Level von 2007, während sie im Videobereich wohl die beste Systemkamera aller Zeiten darstellt.

Lediglich wer noch weniger Tiefenschärfe braucht, wird noch Vorteile bei der Sony Alpha 7 S finden. Und warum mussten die Pixel für die Videoqualität halbiert werden, obwohl schon die „normale“ GH5 viel mehr Freunde im Video- als im Fotolager hat? Eben, damit sie größer werden und mehr Licht einfangen und weil so das Filmen auch im Schummerlicht flutscht.

Dazu kann der kleinere Sensor schneller ausgelesen werden. Ist die Kamera damit auch was für gelegentliche Filmer, die im Fotobereich nicht so große Abzüge machen wollen und gerne nachts mit der Kamera durch die Clubs ziehen? Cocktailspritzschutz hat sie ja schon mal...

Tja, trotzdem nicht so einfach. Da Panasonic sich hier den Bildstabilisator gespart hat, braucht es gerade beim Filmen ein Stativ oder ein Rigg. Womit dann auch wieder wurscht ist, dass die Kamera so schön klein ist. Ist wohl eher was für echte Filmfreaks mit dem entsprechenden Zubehör. Man kann es keinem wirklich recht machen.

Der Fotospezialist

Der Sensor der Panasonic G9 hat nur ein Viertel der Vollformatfläche, trotzdem ist die Kamera sogar größer als 24x36-Spiegellose. Quelle: Panasonic

Was tut man, wenn im Gegenteil dazu einfach nicht mehr Pixel auf den Sensor passen? Es gibt zwar Kameras mit immer noch viel kleineren Pixeln, aber die haben stets fest eingebaute Objektive, die sich nicht besonders weit abblenden lassen.

Durch die Beugung werden die vermeintlich schärferen Bilder bei Winzpixeln viel früher viel unschärfer. Im Vergleich zum Vollformat trifft den kleinen Micro-Four-Thirds-Sensor die Frage der ausgereizten Pixel deutlich eher.

Wenn die Kunden also immer noch größere Bilder von ihren Daten haben wollen, wo doch das iPhone angeblich schon so schöne Riesenplakate liefert, dann schütteln wir den Sensor doch einfach mal durch während der Aufnahme und setzen die Bilder anschließend wieder zusammen.

Panasonic führt dieses von Olympus, Pentax und Sony schon bekannte Verfahren – das lediglich bei unbewegten Motiven funktioniert – mit der neuen G9 erstmals ein. Offiziell werden aus den 20 Megapixeln dann 80, praktisch steigt die Auflösung real von 47 auf 80 Linienpaare pro mm und spielt damit in der Liga der besten Vollformatkameras.

Der handliche Kompromiss

Es geht ja auch kleiner. Unauffällig ist das Design der Panasonic GX9 sowieso. Quelle: Panasonic

Und wenn einem das alles egal ist, man einfach nur fotografieren und nicht zu viel schleppen will? Dann gibt es jetzt die neue Panasonic GX9.

Die kann nichts, was es vorher noch nicht gab, aber dafür kann man sie eben auch bezahlen und sich bei der Gelegenheit auch mal darüber wundern, was heute alles schon Standard im Fotobereich ist.

Der Bildstabilisator reduziert die Anzahl verwackelter Bilder, 4K-Video ist so hochauflösend, dass man sich bei den Großtanten auf der Familienfeier keine Freunde mehr macht, und mit Focus-Stacking können wir auch erst am Rechner entscheiden, wo das Blümchen denn scharf sein soll.

Letztlich offenbart sich damit aber ein großes aktuelles Problem der Kameraindustrie: Wie soll man die Kunden nächstes Jahr überzeugen, dass sie unbedingt schon wieder eine neue Kamera brauchen? Da tut sich die Telefonkonkurrenz leichter. Noch.

 

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