Weit weit Winkel

29.08.2019
Weitwinkelobjektive werden immer weitwinkliger. Und dank neuster Technik werden diese Speziallinsen jetzt endlich leichter statt schwerer und damit zu idealen Reisebegleitern.

Unsere Fotoahnen konnten davon nur träumen. Lange war das dezente 35er das einzige Weitwinkel in der Fototasche. Alles was kürzer war, wurde auch schlechter.

Später stieg die Leistung endlich an und die Winkel wurden immer weiter. Erst war 24 mm normal, irgendwann sogar 14 mm. Doch das führte in Spiegelreflexzeiten zu riesigen Objektiven, die man nur noch mitnehmen wollte, wenn es wirklich nötig war.

Im Zeitalter der spiegellosen Kameras entfallen die konstruktionsbedingten Hemmnisse und langsam scheinen sich die Hersteller auch zu trauen, leichte Superweitwinkel für die Reise zu bauen.

Moderne Weitwinkelobjektive werden dank neuster Technik endlich leichter und damit zu idealen Reisebegleitern.Quelle: Kesberger

Warum jetzt?

Es hat ein bisschen gedauert. Schließlich stehen die modernen Vollformatkameras ohne Spiegelkasten auch für hohe Auflösungen, die einen hohen Konstruktionsaufwand zur Beseitigung von Abbildungsfehlern erfordern.

Eigentlich könnte man ja ohne Spiegel näher – und damit kompakter – an den Sensor rücken, doch frühere Sensoren waren durchaus empfindlich für die damit zwangsläufig zu schräg eintreffenden Strahlen.

Diese Rücksichtnahme ist bei den neuen BSI-Sensoren nicht mehr im bisherigen Maße erforderlich. Also näher ran. Erst recht, wenn ein extragroßes Bajonett neue Linsenschnitte zulässt.

Gerade die neuen Mitspieler im DSLM-Vollformatmarkt wie Nikon und Canon scheinen da ein interessantes Potenzial zu wittern, das sich gerade im extremen Weitwinkelbereich von 21 mm und kürzer nutzen lässt.

Zum Fotografieren sind die historischen Straßenbahnen in Portugal eigentlich viel zu eng, mit 14 mm Weitwinkel ging es trotzdem.Quelle: Kesberger

Der Trick

Schon seit den ersten Balgen-Klapp-Kameras vor 100 Jahren gibt es den alten Trick, die Kamera im nicht einsatzfähigen Zustand zusammenzuschieben. Das macht etwa Nikon mit dem neuen 4,0/14-30 mm auch.

In der Parkstellung ist das Objektiv etwas kürzer. In der Zeit, die die Kamera braucht, um hochzufahren, dreht man dann kurz am Zoomring. Und fertig.

Knapp 500 Gramm bei 82 mm Filtergewinde und 8,5 cm Länge – das kann sich sehen und tragen lassen. Zum Vergleich: ein den Brennweiten-Daten nach ähnliches, zehn Jahre altes Olympus-Zoom für Spiegelreflexkameras ist 50 % länger und 60 % schwerer, obwohl es nur ein Viertel der Sensorfläche abdeckt.

High-ISO, Bildstabilisator und Superweitwinkel – eine praktische Kombination für Kircheninnenräume. Quelle: Kesberger

On the road und Reise

Das geringe Gewicht macht das Nikon-Super-Weitwinkelzoom zum idealen Reisebegleiter. Dank der Kamerafähigkeiten bei hohen ISO-Werten und des eingebauten Bildstabilisators reicht die Offenblende von 4,0 unterwegs vollkommen aus. Selbst im Schummerlicht dunkler Kirchen.

Mit selektiver Schärfe lässt sich in diesem Brennweitenbereich ohnehin kaum arbeiten. Wenn man die paar Millimeter weniger sowieso dabei hat, kommt man viel öfter in Versuchung, sie auch zu nutzen. Und die Urlaube jenseits des Strands sind voll von hohen Kirchen und weiten Brücken.

Wenn die Hotels und Airbnb-Vermieter solche Objektive schon genutzt haben, um winzige Zimmer online zu Festsälen zu machen, dann ist es nur fair, wenn wir unseren Urlaub den Daheimgebliebenen nur weiter, immer weiter erscheinen lassen.

Eigentlich sind es nur ein paar Meter durch das Wasser bis zum Turm von Belém, aber mit einem Superweitwinkel sieht auch ein Fluss nach Meer aus.Quelle: Kesberger

Tradition kompakt

Es gibt allerdings auch eine kompakte Superweitwinkel-Tradition – zwangsläufig ist auch die spiegellos wie bei der guten alten Leica-M Messsucherkamera. Dementsprechend kommen auch die kompaktesten Superweitwinkel für spiegellose Digitalkameras aus dieser Schule.

Voigtländer und Zeiss bieten beispielsweise manuell zu fokussierende Optiken, die ursprünglich für Sucherkameras gerechnet wurden und heute auf spiegellose Vollformatkameras angepasst wurden und zum Glück besonders kompakt ausfallen.

Für Video ist der nicht vorhandene Autofokus eher ein Vorteil und auch im Foto-Bereich lässt sich das angesichts der gigantischen Tiefenschärfe verschmerzen. Beim 5,6/10 Hyper Wide Heliar E muss man schon eher aufpassen, nicht die eigenen Füße und Hände mit zu fotografieren.

Die digitale Wasserwaage sollte in dem Bereich sowieso immer eingeschaltet sein, denn kleine Kipper werden sonst zu riesigen Verrenkungen. Doch als Belohnung gibt es Ansichten, die nicht jeder mit nach Hause bringt.

Anmerkung: Alle Beispielbilder dieses Artikels sind mit der Nikon Z7 und dem 4,0/14-30 Weitwinkelzoom in der 14 mm Extremstellung in Portugal entstanden.

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