Was kann Multiple Master

18.06.2009
Ein weniger bekanntes Schriftenformat ist Multiple Master. Die Variation des Postscript-Type1-Formats bietet je nach Font die Möglichkeit, eigene Schriftschnitte zu erzeugen.

Beinahe in der Versenkung verschwunden ist das Fontformat Multiple Master. Immer wieder begegnen den Kreativen jedoch Schriften mit dem „MM“ im Namen – ein Zeichen für die Variation des Postscript-Type1-Formats. Entwickelt wurde das Format ursprünglich von Adobe, das diesen Dateityp jedoch nicht weiter verfolgt.

Das Konzept

Normalerweise sind Fonts in einzelne Schriftschnitte aufgespalten – zum Beispiel bold, condensed oder italic. Multiple Master-Fonts lassen dagegen theoretisch beliebig viele neue Variationen zu: Hier kann der Anwender je nach Schrift die Schnitte selbst erzeugen. Dazu variiert er die Designachsen. Unter anderem lassen sich die Strichstärke, die Buchstabenweite oder sogar die Größe der Serifen nach Bedarf wählen. Oft kann der Anwender anhand von Reglern die Einstellungen stufenlos verschieben. Die so erzeugten Fonts lassen sich wie eine „feste“ Schrift nutzen.

Die Nomenklatur

Die Outlines des Formats – zwei oder mehr – werden „Master“ genannt. Sie beschreiben die verschiedenen Designachsen, die variiert werden können. Im Schriftnamen werden neben dem „MM“ für „MultipleMaster“ und dem Namen des Fonts auch die gewählten Parameter abgespeichert. „MyriaMM_800 BL 300 CN“ steht dann beispielsweise für die Schrift Myriad mit einer Strichstärke von 800 (black) und einer Laufweite von 300 (condensed). Weitere Abkürzungen bedeuten „light“ (lt), „regular“ (rg), „semi-bold“ (sb) oder „semi-extended“ (se).

Die Geschichte des Formats

Ursprünglich von Adobe konzipiert, konnte sich das Format nicht durchsetzen. Adobe selbst gab die Weiterentwicklung schließlich auf. Das Betriebssystem Mac OS X unterstützt Multiple Master immer noch. Allerdings lässt sich der eigentliche Vorteil des Formats nicht mehr nutzen: Die Erzeugung von neuen, beliebigen Schriftschnitten ist nicht mehr möglich. Eine variierbare Schrift, die kurz nach dem Aufkommen der Multiple Master-Technik entwickelt wurde, ist die Minion. Sie wurde eigens für Adobe konzipiert. Die erste Multiple-Master-Schrift war die bereits erwähnte Myriad.

Nützliches Zusatzprogramm

Verschiedene Instanzen von Multiple Master-Fonts lassen sich mit dem Zusatzprogramm Altsoft FTMaster erzeugen. Anschließend lassen sich die neu erstellten Schriftschnitte in verschiedenen Font-Formaten exportieren und in anderen Programmen verwenden. Die Veränderungen der einzelnen Parameter der Schrift werden direkt in einer Vorschau angezeigt. Die Software kostet 159 Euro.

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