Drucktechnik: Was ist eine Mater?

11.04.2019
Vielleicht haben Sie durch Zufall schon mal von einer „Mater“ gelesen, wenn es um Druck im Allgemeinen und die Stereotypie im Speziellen geht. Doch was hat es mit der wortwörtlich übersetzten „Mutter“ in der Stereotypie auf sich?

Die Definition der Mater

Die Mater ist eine Negativform im Hochdruck, also eine Gießform zur Herstellung einer Hochdruckform wie bspw. einer Druckplatte, die normalerweise aus Bleilettern (einzelnen Buchstaben) gesetzt wird.

Vielleicht ist der Begriff Matrize eher bekannt. Auch eine Matrize ist eine Negativform im Hochdruck, welche als Hilfsmittel verwendet wird, um die Einzelteile einer gesetzten Hochdruckplatte, also die Bleiletter oder Bleisatzteile, herzustellen.

Die Rolle der Mater in der Stereotypie

Stereotypie wird aus dem Griechischen abgeleitet und kann mit Adjektiven wie „fest“, „räumlich“ und „haltbar“ übersetzt werden. Und das umschreibt es recht gut: dieses spezielle Verfahren ermöglicht es, etwas fest, dreidimensional und haltbar zu machen.

Das Verfahren besteht aus mehreren Schritten. Dabei wird aus Hochdruckformen, wie zum Beispiel einer gesetzten Zeitungsseite, eine vertiefte Gussform, die Mater, produziert. Diese wird dann wiederum im Späteren für einen Abguss einer Druckplatte oder einer runden Druckform – auch „Rundstereos“ genannt – verwendet.

Aber warum eine Mater produzieren, wenn man doch bereits die komplett gesetzte Zeitungsseite als Hochdruckform mit Hilfe des Bleisatzes vorliegen hat?

Quelle: UK Ministry of Information Photo Division Photographer

Die Vorteile der Mater

Die Mater ist dafür da, um das, was man bereits schon einmal gesetzt hat, mit einfachen Mitteln und unter geringen Kosten im Späteren reproduzieren zu können. Und das, ohne dafür den Bleisatz und damit die gesetzte Seite vorliegen zu haben.

Die Stereotypie schafft damit hohe Auflagen ausgehend von einem einzigen Satz. Sie kann z.B. das Aufbewahren des Bleisatzes oder das erneute Setzen für einen Nachdruck ersparen. Auch für die Bleiletter ist es von Vorteil, weil sie so vom Druck nicht beschädigt werden können bzw. nur eine geringe Abnutzung vorliegt.

Durch die Möglichkeit mit Hilfe der Mater auch eine runde Druckform (Rundstereos) zu produzieren, konnte man im Druck v.a. im Zeitungswesen, die deutlich schnelleren Rotationspressen verwenden. Mit einem Bleisatz wäre dies nicht möglich gewesen.

Verschiedene Materialien einer Mater

Eine Mater kann aus unterschiedlichen Material bestehen, so zum Beispiel aus Gips, Pappe, Kunststoff, Blei oder auch aus Wachs.

Eine Stereotypie mit Papier fand ab 1829 ihren Einsatz, erfunden von C. Genoux in Lyon. Davor war vorwiegend Gips oder Blei als Material verwendet worden.

Was passiert genau?

Bei dem Papierstereotypieverfahren zum Beispiel wird mit Seiden- und Schreibpapier und einem Brei gearbeitet, der zwischen die Papierlagen verteilt wird. Dabei wird im ersten Schritt aus einzelnen Metallbuchstaben eine Negativform der bspw. späteren Zeitungsseite gesetzt.

Diese in Blei gesetzte Seite wurde daraufhin mit der feuchten breiartigen Papiermasse überzogen. Die Masse wurde dabei regelrecht in die Vertiefungen der Schrift eingearbeitet. Man bezeichnet das Vorgehen auch als „die Mater schlagen“.

Alternativ wurde das Ganze durch eine feststehende Walze geschoben. Zum Trocknen kam diese in eine Trockenpresse und nach etwa 6-8 Minuten hatte man einen stabilen Abdruck aus Karton, etwa zwei bis drei Millimeter dick, die sogenannte Mater. Aus dieser konnte man dann problemlos eine fünf bis sechs Zentimeter dicke, halbrunde Druckplatte herstellen.

Die Hochzeit der Mater im Zeitungswesen

Durch das leichte Gewicht beim Papierstereotypieverfahren war es eine sehr günstige Möglichkeit, diese per Boten oder Post verschicken zu lassen. Es gab sogenannte Materndienste, die Mantelteile für Zeitungen mit vorgearbeiteten Inhalten produzierten und diese an kleine Zeitungen verkauften.

Diese Mantelteile waren nicht nur für viele Heimatzeitungen eine Aufwertung sondern konnten aufgrund des Materials auch leicht angepasst werden: man schnitt einfach Teile aus der Mater heraus und setze andere ein, um diese am Ende mit einem speziellen Leim wieder miteinander zu verkleben.

Durch die geringen Kosten in der Herstellung einer Mater und Weiterverarbeitung dieser, wurden gerade in den 1920er Jahren innerhalb Deutschlands über ein Drittel der dort produzierten Zeitungen mit Hilfe von Matern oder mit ähnlichen Verfahren hergestellt.

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