Volleinsteiger: Der Photokina-Rückblick 2018

04.10.2018
Noch ist sie die weltweit größte Messe der Fototechnik – die Photokina. Und zumindest die Hersteller haben sich dieses Jahr sehr bemüht, diesen Nimbus zu erhalten.

Alle zwei Jahre ist Köln der Nabel der Fotowelt. Zumindest mit dem Rhythmus hat es jetzt ein Ende. Die nächste Auflage findet schon im Mai 2019 statt. Doch während die Fläche heuer weiter schrumpfte, trumpften die Hersteller dieses Jahr groß auf.

Was wörtlich zu verstehen ist, da die Objektive und Sensoren immer größer werden. Man balgt sich im Premium-Segment. Anderswo ist eh kein Geld mehr zu verdienen. Klein und scharf kann schließlich schon das Handy. Größer und noch viel schärfer nicht. Und was gab es jetzt zu sehen gegenüber vom Dom?

Kamera aus Japan, Bajonett aus Wetzlar.

Das Vollformat-Konsortium

Nikon und Canon nutzten schon die Wochen vor der Messe, um ihre ersten spiegellosen Vollformatkameras vorzustellen. Sie werden gewusst haben, warum. Solide, aber nicht bahnbrechend, waren sie und damit vor allem gedacht, um die eigene Klientel vor dem Markenwechsel abzuhalten.

Die Konkurrenz machte es spannender. Beim Marktführer – in diesem Segment – Sony, wird die gemeinsame Pressekonferenz am Tag vor der Messeeröffnung keine Schweißausbrüche ausgelöst haben.

Aber da Panasonic nicht nur zwei sehr durchdachte und ebenso video- wie fototaugliche Vollformatkameras vorgestellt hat, sondern auch noch Leica und Sigma mit ins Boot holte und sich mit beiden das Bajonett teilt, fängt das neue System nicht bei null an.

Da sind nicht nur optische Höchstleistungen zu erwarten. Allerdings auch keine kleinen Kameras.

Im Vergleich zu einer Kleinbildkamera ist die GFX50R relativ groß, für eine Mittelformatkamera ist sie dagegen sehr kompakt.

Das Mittelformat-Schnäppchen

Da kostet eine Kamera ohne Objektiv 4.500 Euro und alle sind begeistert, wie unglaublich günstig das ist. Ist es auch, schließlich reden wir hier vom kleineren 33x44 mm großen Mittelformat mit 50 Megapixeln – und das kostete bisher gleich ein paar Tausender mehr.

Fuji hat mit der GFX50R ein Gehäuse designt, das angenehm kompakt ist und sich an die hauseigene Mittelformat-Sucherkamera-Tradition anlehnt. Für alle, die die Landschafts- Reise- und Portraitfotografie etwas geruhsamer angehen möchten und auf riesige Vergrößerungen setzen.

Dem Objektiv-Absatz wird der Preis bestimmt förderlich sein und auch die Adaptionsmöglichkeiten vieler Linsen (und Kameras) machen das Schnäppchen-Konzept attraktiv. Erst recht, weil Phase One seine RAW-Software nun endlich auch für Fuji geöffnet hat.

Zeiss hat seiner Kamera gleich die komplette Lightroom Mobilversion spendiert. Entsprechend groß bist das Display.

Die Bedienrevoltion

Das muss man erst mal hinkriegen: An einer Messe nicht teilnehmen, erst am zweiten Abend eine Pressekonferenz abhalten und trotzdem eines der Gesprächsthemen der Veranstaltung zu werden. Zeiss hat es geschafft. Mit einer Kamera, die vieles anders macht und so nebenbei zeigt, wie sehr das Publikum nach Neuheiten lechzt.

Die ZX1 von Zeiss ist nicht nur die erste Digitalkamera aus Oberkochen, sie überrascht auch – trotz der vermeintlich langweiligen Grundwerte (fest eingebautes 2,0/35 mm Objektiv) – mit neuem Sensor, fest eingebautem 512 GB-Speicher, implementierter Lightroom-Software, höchstauflösendem Sucher und einem Bedienkonzept, dass den Verzicht auf einen Rechner durchaus denkbar macht – fast wie früher beim Film.

Am neue Sigma 1,4/40 sieht man deutlich das Wachstum. Im Vergleich dazu ist das hauseigene 1,4/35 deutlich kompakter, ohne dass sich bis jetzt jemand über die Abbildungsleistung beschwert hätte.

Am Wegesrand

Eine geschrumpfte Messe zeigt zwangsläufig weniger kleine Aha-Erlebnisse. So viele Firmen waren gar nicht da. Aber die, die da waren, konnten dafür erst gar nicht übersehen werden.

Eine Metallic-Baumwollpapier bei Hahnemühle, verbesserte Mittelformat-Scanner – ja, es gibt noch neue Scanner – neue Taschen und Koffer allüberall, haltbarere Fotopapiere – die Kameras überstrahlten eben nur fast alles.

In Sachen Aufmerksamkeit am ehesten mithalten konnten die neu vorgestellten Objektive. Einerseits steigen Abbildungsleistung und Wagemut beständig an, anderseits schwinden die letzten Vorbehalte vor zu wenig Tragemut.

Wer das alles schleppen soll, muss noch offen bleiben. Aber immerhin gab es auch ein sehr schmales Mittelformat-Pancake zu bestaunen. Früher wäre das ein Widerspruch in sich gewesen. Heute ist es nur noch eine ersehnte Ausnahme. Und bei der nächsten Photokina wird man die Linse dann auch anfassen dürfen. Ist ja nicht mehr lange hin.

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