Über kurz oder lang

26.06.2014
Als die Fraktur-Schrift aktuell war, gab es noch ein kurzes und ein langes „s“. Typografen haben die lange Variante nicht vergessen

Bis etwa ins 18. Jahrhundert hinein war hierzulande die Fraktur-Schrift gebräuchlich. Bei ihrer Ablösung durch die Antiqua ging jedoch auch ein Buchstabe verloren: das „lange“ s, eine Variante des Graphems „s“. Manche Typografen und Sprachwissenschaftler trauern dem Zeichen hinterher, diente es doch dem besseren Lesefluss und der Eindeutigkeit von Wörtern.

Die Varianten des Graphems

 Quelle: Stefan Klaffehn/ Pixelio.de


Quelle: Stefan Klaffehn/
Pixelio.de Ein „s“ ist nicht gleich ein „s“: In der Fraktur wurden das lange und das kurze, auch rund genannte „s“ unterschieden. Die kurze Variante steht am Silben- oder Wortende, die lange Version in allen anderen Fällen, mit wenigen Ausnahmen. Silbenanfänge und der Laut „sch“ sind klare Indizien für das lange „s“. In manchen Fällen waren diese Unterschiede wichtig für die Bedeutung der Wörter: „Wachtube“ meint die Wach-Stube, „Wachstube“ eine Wachs-Tube.

Das Eszett

Zwei lange „s“ dürfen nicht aufeinander folgen. Sie wurden am Wortende als „s“ gesetzt. Später wurde dafür das „Eszett“ verwendet, das mittlerweile teilweise als Doppel-s geschrieben wird. Vergleiche: „Fas“, „Faߓ und „Fass“. Würde man heute noch auf diese Rechtschreibung zurückgreifen, würde die Anhäufung von dreimal „s“ vermieden, beispielsweise im Wort „Nussschokolade“. Dies würde als „Nuschokolade“ geschrieben. Ungewöhnlich – aber mit etwas Übung besser für das Verständnis und den Lesefluss. Oder Flus?

Gründe gegen das lange „s“

Um Verwechslungen zu vermeiden, könnte der Gebrauch von langem und kurzem „s“ tatsächlich Abhilfe schaffen. Dennoch gibt es gute Gründe, wieso das Zeichen verschwunden ist: Aufgrund der Gestaltung kann es leicht mit dem „f“ verwechselt werden. Heutzutage kennen nur die Wenigsten die Unterscheidung und die Regeln, nach denen die beiden Varianten anzuwenden sind. Hinzu kommt, dass viele Computerprogramme mit dem Zeichen nicht umgehen können oder es nicht im Schriftsatz haben.

Besonderheiten

 Quelle: Michi1308/ Pixelio.de


Quelle: Michi1308/
Pixelio.de Mittlerweile wird nur noch bei der Verwendung von Fraktur-Schriften zwischen kurzem und langem „s“ unterschieden. Nutzt man beide Versionen, sollte man die Regeln gut beherrschen. Das lange „s“ wird beispielsweise nie in Versalform verwendet. Einige der wenigen Firmen, die in ihrem Namen noch das lange „s“ einsetzen, ist Jägermeister, oder vielmehr „Jägermeiter“. Andere haben das lange „s“ in ihrer Unternehmensbezeichnung gegen die runde Variante getauscht. Unter Microsoft Word und anderen Programmen können Windows-User das lange „s“ schreiben, indem sie die linke Alt-Taste gedrückt halten und auf dem Ziffernblock „383“ eintippen.

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