Die entspiegelte EOS

08.08.2019
Alle Aufmerksamkeit richtet sich in der Fototechnik gerade auf spiegellose Kameras mit Vollformatsensor. Jetzt tummelt sich da auch Canon. Wir haben die Canon EOS R getestet.

Der Trend in der Fotografie führt weg vom Spiegel. Gleichzeitig werden Vollformatkameras immer beliebter. Nicht zuletzt, weil sich so noch der Qualitätsabstand zur Smartphonefotografie halten lässt.

Lange hat sich der bisherige Marktführer Canon geziert, dem Klub beizutreten. Schließlich hat man mit Spiegelreflexkameras lange Jahre gutes Geld verdient und wollte den Nimbus der vermeintlich besseren, „richtigen“ Kameras nicht zerstören.

Entsprechend groß waren die Erwartungen, als mit der EOS R nun doch eine 24x36-Spiegellose im letzten Herbst eingeführt wurde.

Riesiges Objektiv, relativ kompakte Kamera: Die Canon EOS R mit dem extrem lichtstarken 1,2 / 50.Quelle: Canon

Die Erwartungen

Eigentlich konnten diese Erwartungen nur enttäuscht werden. Sony als Pionier in diesem Segment hat schließlich auch ein paar Gehäusegenerationen und neu konstruierte Objektive gebraucht, um die Kundschaft zu überzeugen.

Andererseits hat Canon in der Vergangenheit oft zwar etwas länger gebraucht, um sich neue Techniken anzueignen, aber dann stets auch völlig neue Ansätze gefunden, um die Marktführerschaft zu übernehmen – wie etwa den ersten lautlosen Ultraschall-Autofokus und die ersten wirklich bezahlbaren digitalen Spiegelreflexkameras.

Davon zeigt die EOS R wenig. Neu ist hier kaum etwas. Aber vielleicht spielt das für die Käufer auch keine Rolle?

Die HighISO-Fähigkeiten sind selbst bei 6400 schon sehr ordentlich. Da gelingen Nachtaufnahmen auch aus der Hand.

Das Gehäuse

Manchmal schlägt Erfahrung auch Innovation. Die Anfassqualität der Kamera ist hoch. Der Griff liegt gut in der Hand und der Autofokus arbeitet dank der Dual-Pixel-Technologie erfreulich fix.

Dazu ist das Klappdisplay einmalig in dieser Klasse, auch im Hochformat sinnvoll nutzbar und lässt sich zum Schutz sogar ganz wegklappen. Doch gerade dann nervt der fehlende Joy-Stick zum Einstellen des Autofokus-Messpunkts, da sich so das Antippen auf dem Display ja nicht mehr zum Scharfstellen aktivieren lässt.

Genauso schade ist der extrem schrumpfende Bildausschnitt im Video-Modus. Glücklicherweise schließt Canon wenigstens den Verschluss beim Objektivwechsel, so dass der Sensor nicht völlig offen und staubempfindlich blank bleibt wie bei der Konkurrenz.

Mit einer Blende von 1,2 lassen sich mit der Canon EOS-R auch neue Durchblicke finden.Quelle: Kesberger

Die Macken

Doch man merkt auch, dass sich Canon – trotz der Übungsphase mit den kleinformatigeren M-Kameras – im Markt der anspruchsvollen Spiegellosen noch relativ schwer tut.

Der lautlose elektronische Verschluss ist nicht in allen Kombinationen einsetzbar und verkürzt auch nicht die Zeiten.

Einen Bildstabilisator gibt es nicht im Gehäuse (nur teilweise im Objektiv) und die Fokusmöglichkeiten in Sachen Augen- und Gesichtserkennung werden nicht einmal annähernd ausgeschöpft. Das gibt es nur im Automodus ohne weitere Einstellmöglichkeiten.

Doch vielleicht ist auch deshalb das Menü viel aufgeräumter als bei den Sony-Kameras. Weniger ist nicht immer mehr, aber zumindest leichter zu finden.

Der Joker

Und doch liefert der Urahn der künftigen EOS-R-Serie auch Potenzial für die Zukunft. Der Bajonettdurchmesser ist so groß, dass da ganz andere Konstruktionen als bei Sony möglich sind.

Den Anfang macht das sehr lichtstarke Zoom 2,0/28-70 mm, aber auch das 1,2/50 stößt in neue optische Dimensionen vor. Und für die Stammkunden gibt es noch einen Adapter, mit dem sich die Spiegelreflexobjektive an der R mit Autofokus nutzen lassen.

Während die Canon-Ingenieure neue Linsen rechnen, finden sich vielleicht auch ein paar Kollegen, die den nächsten Sensor wieder auf die Höhe der Zeit bringen.

28 Megapixel reichen wahrlich zum Fotografieren, aber gerade beim Kontrastumfang ist die Konkurrenz schon sehr enteilt.

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