Tempo, Tempo!

04.01.2006
Ausstellung mit Bauhaus Fotomontagen von Marianne Brandt - aus dem Leben und Werk einer exzentrischen Künstlerin des Bauhaus ...

Noch bis 9. Januar 2006 findet im Bauhaus-Archiv Museum für Gestaltung in Berlin, Klingelhöferstr. 14, die Ausstellung "Tempo, Tempo!" mit Photomontagen von Marianne Brandt statt. Sie bieten dem Betrachter sowohl eine retrospektive Sicht auf die in der Weimarer Republik entstandenen Arbeiten der Künstlerin als auch Einblick in die Ideenkonstellationen, die für eine Interpretation unentbehrlich sind. Eine Aufforderung, die historische und theoretische Bedeutung der hochdetaillierten, geschickt komponierten und visuell dynamisierten Photomontagen, die Marianne Brandt im Kontext des Bauhauses schuf, zu erkunden.

Marianne Brandt (1893-1983)

Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aktive Künstlerin Marianne Brandt sagte sich von der traditionellen Kunst durch einen demonstrativen Akt der Zerstörung all ihrer Ölgemälde los und wandte sich dann der Arbeit mit Metall in abstrakten und reinen Formen zu. Bekanntheit erlangte sie durch ihre am Bauhaus entstandenen Metallarbeiten, wie das Tee-Extraktkännchen, das heute als Ikone des modernen Designs gilt.

Photomontagen Brandts

Ihre Photomontagen hingegen sind erst durch einige wenige Beispiele publik geworden. Die Bandbreite dieser Arbeiten, die alle aus Abbildungen von Zeitungen und Illustrierten gefertigt sind, reicht von vielschichtigen Kompositionen bis zu verknappten Entwürfen. Inhaltlich gesehen bilden sie ein kritisches Gegengewicht zu Brandts gleichzeitig - von der Mitte der 1920er bis Anfang der 1930er Jahre - entstandenen Metallarbeiten. Das Medium der Montage erlaubte Marianne Brandt einen analytischen Blick auf Gesellschaft und Politik ihrer Zeit zu werfen und die im Ersten Weltkrieg so offensichtlich gewordenen, gefährlichen Seiten der modernen Technik zu thematisieren. Wenngleich durch Theorien und Methoden des Bauhauses beeinflusst - insbesondere jene László Moholy-Nagys -, entwickelte Brandt doch eine eigenständige Herangehensweise an die Montage. So hinterfragt sie in ihren Werken auch geschlechtsspezifische Konventionen durch die Darstellung eines neuen Bilds der Frau in der Gesellschaft.

Ausstellung "Tempo!Tempo"

Tempo, Tempo! Bauhaus Photomontagen von Marianne Brandt ist die bislang erste Ausstellung, die ihr Werk im Medium der Photomontage vorstellt und einer Würdigung unterzieht. Sie thematisieren nicht nur Krieg und beginnende Emanzipation, sondern auch die Dynamik des Großstadtlebens, die Faszination des Films sowie die Militarisierung der Technik und die als Folge des verlorenen Krieges sich wandelnde Darstellung von Männlichkeit. In der Absicht, die Sinne über das Sehen hinaus anzusprechen, hinterfragen Marianne Brandts Photomontagen deshalb über verschiedene formale Annäherungen die Funktion des Bildes als Abbild und die potentiellen Bedeutungsebenen der Photographie als gestalterisches Material. Für viele Theoretiker des Bauhauses und der Moderne lag in einer solchen Herangehensweise der Schlüssel zur Erweiterung der künstlerischen Aussagekraft, die der dynamischen neuen Gesellschaft der 1920er Jahre entsprach. In der Ausstellung "Tempo!Tempo!" ist diese Aussagekraft noch bis 9. Januar 2006 täglich, außer Dienstag, von 10 Uhr bis 17 Uhr im Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, Klingelhöferstraße 14, Berlin (Eintritt 6,- EUR/ ermäßigt 3,- EUR), zu erkennen.

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