Wie Farben Raumtiefe schaffen

12.02.2020
Nicht nur Linien schaffen Perspektiven, auch Farben können Tiefe in Räumen schaffen. So setzen Sie Farben richtig ein.

Die Natur macht es uns vor und demonstriert uns jeden Tag aufs Neue, wie Farben Entfernungen entstehen lassen: Sind Dinge weiter weg, verblassen ihre Farben und werden kühler.

In der Nähe hingegen nehmen wir eher warme Töne wahr. Das alles geschieht beim Betrachter unbewusst, dennoch kann man es sich in der Gestaltung zunutze machen.

Raumwahrnehmung im Gehirn

Das menschliche Gehirn ist ein Meister der Interpretation. Dort wird alles, was wir sehen zu einem dreidimensionalen Bild zusammengesetzt – sogar zweidimensionale Bilder.

Das Gesehene wird außerdem mit unserer Erfahrung kombiniert und interpretiert. Insbesondere bei der räumlichen Wahrnehmung hilft uns das, etwa wenn Wichtiges als größer erkannt wird, wie Unwichtiges.

In der Kunst nennt man das Bedeutungsperspektive. Oder wenn nahe Objekte andere weiter hinten verdecken, wie bei der Staffelperspektive.

Wir wissen, dass nahe Objekte größer sind als weiter entfernte und dass etwas, das weit weg ist, blasser aussieht (Luftperspektive).

Sind Dinge weiter weg, verblassen die Farben und werden kühler; in der Nähe nehmen wir eher warme Töne wahr.Quelle: Pierre Bona / Wikimedia

So machen Farben Raum

Ist ein Gegenstand weiter weg, nehmen wir ihn oft auch als bläulich war. Kalte Farben, so haben wir dadurch gelernt, stehen für Abstand. Gleiches gilt für blasse, pastellige Töne.

Denn weit entfernte Dinge verlieren für unser Auge an Schwarz- und Grauanteil, an Deutlichkeit. Sie werden blass und unscharf. Klare abgegrenzte Gegenstände nehmen wir hingegen als nah wahr.

Das hat auch mit dem Aufbau unseres Auges zu tun, das die Farben in verschiedenen Winkeln bricht. Für die Wahrnehmung der Farbe Blau muss sich das Auge weniger anstrengen, um auf das Objekt scharf zu stellen, als für Rotes.

Je größer aber die Anstrengung beim Scharfstellen, um so näher erscheint uns das Wahrgenommene. Die Folge: Warme Rot- und Gelbtöne nehmen wir als näher wahr als Blautöne.

Tiefe erzeugen mit Farben

Diesen Effekt der Farbperspektive nutzen Künstler schon seit Jahrhunderten: Sie setzen blaue, blasse Töne für im Hintergrund stehende Objekte ein und rote, kräftige Farben für im Vordergrund stehendes.

Gleiches gilt für die Schärfe der Objekte: Weil dunkle, kontrastreiche Flächen deutlich näher als blassere, unscharfe wirken, grenzen Maler Flächen im Vordergrund stärker ab, als im Hintergrund stehende.

Manchmal widersetzen sich die Künstler absichtlich diesen Regeln, um beim Betrachter für Aufmerksamkeit zu sorgen, etwa wenn Vincent van Gogh in seinem Bild „Schuljunge“ den vermeintlich entfernten Hintergrund in ein knalliges Rot taucht, während der im Vordergrund sitzende Junge blass wirkt.

Raumtiefe: Weit entfernte Dinge verlieren für unser Auge an Schwarz- und Grauanteil, somit an Deutlichkeit.Quelle: Vincent van Gogh / FriedeWie / Wikimedia

Die Tricks der Farbgestaltung

Ähnliche „Tricksereien“ mit Farbe kann man in seine eigenen Gestaltungen einfließen lassen. Etwa, wenn in einem Landschaftsbild der Hintergrund blau und die Wiese im Vordergrund grün ist.

Geben Sie dann einfach noch einige rote Farbtupfer auf die Wiese, um noch mehr Tiefe zu erzeugen.

Selbst in abstrakten Darstellungen kann man durch dickere, schärfere Linien im Vordergrund und dünnere, weniger exakte Linien im Hintergrund gepaart mit den entsprechenden Farben die Objekte auf Abstand bringen.

So kann ein Raum entstehen, ohne dass andere Perspektivarten verwendet werden müssten.

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