Photokina-Nachbetrachtung: Kameras und Objektive

04.10.2012
Die Welt der Pixel hat sich in Köln getroffen.

Die Photokina in Köln hat gerade ihre Tore geschlossen. Welche Trends bleiben übrig von der Weltmesse des Bildes, die nur alle zwei Jahre stattfindet. Wir haben unseren Reporter hingeschickt und wagen uns nun an die Analyse. Im Teil eins geht es um neue Kameras und Objektive.

Vollformat

Die Truppen werden noch einmal gesammelt zum letzten Gefecht. Während spiegellose Systemkameras die Fachmärkte stürmen, zeigen die guten alten Spiegelreflexkameras was sie wirklich können und setzen dabei auf mehr Format. 24x36 mm ist wieder angesagt. Und das wie bei der Canon 6D zwar nicht gleich zum Schnäppchenpreis aber doch mit unter 2.000 – durchaus bezahlbar. Sony hat da weniger Hemmungen und zeigt mit der Alpa 99, dass die Firma am Spiegel nur die Autofokusmöglichkeiten interessieren. Für einen optischen Sucher hat er kein Licht übrig. Genau wie bei der Sony RX1, einer kleinen Kompaktkamera mit großem Kleinbildsensor und einer nicht wechselbaren Zeiss-Festbrennweite. Berücksichtigt man noch die Nikon D600 und die beiden Leicas M und M-E, dann wurde mit sechs Neuheiten das Vollformat erstmals so richtig für voll genommen.

Allübergreifend spiegellos

Doch die Massen bewegen sich längst in die andere Richtung: Mit Wechselobjektiven und ohne Spiegel. Während sich die DSLR-Marktführer Canon (mit der sowohl in Sachen Sucher als auch Objektivpalette noch sehr rudimentären EOS M) und Nikon (mit der bezüglich der Sensorgröße selbstkasteiten Nikon 1) hier nur tastend bewegen, voller Angst sich selbst die Spiegelreflexgewinne abzugraben, toben sich Fuji, Olympus, Panasonic, Samsung und Sony beim Systemausbau richtig aus. Dabei hat der Trend zu mehr optischer Qualität und Kompatibilität nach MFT nun auch Sony und Fuji erreicht. Während die deutsche Edelschmiede Schneider-Kreuznach HighEnd-Objektive für MicroFourThirds vorstellte, präsentierte Zeiss entsprechende Linsen für Fuji und Sony. Dem Bildergebnis tut das zweifellos gut, der Jackentasche allerdings nicht, denn da passen diese kleinen Kameras dann nicht mehr hinein.

Modern mit OldStyle

Aber es gibt Abhilfe. Dafür hat Olympus für knapp 80 – einfach eine Glaslinse in den Gehäusedeckel eingebaut. Das gibt es zwar schon ewig von Loreo, aber eben nicht mit Glas. Ansonsten schauten zumindest die Optikhersteller weniger auf das Gramm, sondern mehr auf die Leistung. Festbrennweiten und Lichtstärke allüberall. Scheinbar scheint sich die Kameraindustrie den iPhone-Fotorealitäten nur mit Trends zum qualitativ hochwertigen und vor allem bewussten Fotografieren erwehren zu können. Wie das aussieht, wenn man das auf die Spitze treibt, zeigt Zeiss mit dem Distagon 1,4/55. Jahrzehntelang haben alle Hersteller ihre Normalobjektive unangetastet gelassen. Nun geht man in Oberkochen mit einer völlig neuen Rechnung an den Start. Explodiert ist dabei die optische Leistung. Größe und Preis (über 3.000 €) sind es allerdings auch gleich mit.

Andere Märkte - andere Sitten

Während die Renaissance der Optik für alle Foto-Enthusiasten durchaus erfreulich ist, setzt ein anderer Foto-Dino alles daran, die Grabrotation des Firmengründers Victor Hasselblad zu erhöhen. Die neue Hasselblad Lunar setzt alles daran, die Gene einer Sony NEX so hässlich, prollig und teuer wie möglich zu verpacken. Die Operation ist durchaus gelungen. Trotzdem hat sich der Preis nur vervierfacht. Und noch nie haben Manager ähnlich selbstbewusst hinter gar nicht mehr vorgehaltener Hand erklärt, wie egal ihnen der europäische Markt ist. Das Geld sitzt längst woanders. Nur die nächste Photokina, die wird 2014 auch wieder in Europa sein.

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