Papierpreise gefährdet

09.06.2005
Ein Streik und Aussperrungen in den Papierwerken der großen finnischen Forstkonzerne könnte mitunter die Papierpreise gefährden ...

Ein seit Mitte Mai andauernder Streit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der großen finnischen Forstkonzerne UPM, M-Real und Stora Enso um die Verlängerung der Jahresarbeitszeit sorgt derzeit für Aufregung in der Papier- und Druckbranche. Nach gescheiterten Schlichtungsversuchen zwischen beiden Parteien meldete der Verband der Finnischen Forstindustrie (FFIF) und die Papiergewerkschaft Paperiliitto eine Ausdehnung von Aussperrungen bis zum 29. Juni an. Das könnte die derzeit noch relativ stabilen Papierpreise in Deutschland als einer der Hauptabnehmer gefährden.

Der Konflikt

Hauptstreitpunkt des Konflikts zwischen der finnischen Papiergewerkschaft und der Industrie ist die von der Papierindustrie geforderte Abschaffung der traditionellen Betriebskurzferien im Juni (Midsommer) und Dezember (Weihnachten). Zwar wären die Arbeiter dazu bereit, zu diesen Zeiten zu arbeiten, fordern jedoch einen entsprechenden Zeitausgleich. Bereits Mitte Mai begannen Verhandlungen zu diesem Thema, die jedoch bis heute scheiterten. Damit tobt in Finnland ein kostspieliger Arbeitskampf, denn neben den Streiks durch Arbeitnehmer droht die Forstindustrie selbst inzwischen mit einer Aussperrung der Arbeiter bis 29. Juni, sollten weitere Verhandlungen misslingen. Im Nachbarland Schweden unterstützt die Papiergewerkschaft mit Sympathiemaßnahmen den Streik der Kollegen mit Überstundenblockaden. Der bereits seit einem halben Jahr schwelende Konflikt eskalierte damit Mitte Mai vollends.

Die Schäden in Finnland

Für die finnischen Papierbetriebe und die Forstindustrie entstehen damit Schäden in Höhe von 40 Millionen Euro täglich, mit allein vier bis fünf Millionen Euro pro Tag rechnen die Papierwerke. Im Bereich Holz, Forst und Papier werden in Finnland rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet, der Anteil an Nettoexporteinnahmen in diesem Sektor beträgt über 30 Prozent. Ein Streik in dieser Größenordnung bedeutet deshalb enorme Exporteinnahmenseinbußen für Finnland. Zudem ist Finnland nach Kanada und vor Deutschland der größte Papier- und Kartonagenexporteur der Welt mit einem weltweiten Exportanteil von zehn Prozent. Im Bereich von Druck- und Feinpapieren liegt der Anteil sogar bei 20 Prozent.

Überkapazitäten vorhanden

Durch Überkapazitäten auf dem Weltmarkt, die durch einen Ausbau der Produktionskapazitäten während der Hochkonjunktur vor fünf Jahren resultieren, sind die Exportlieferungen bislang noch nicht gefährdet. Berichten zufolge haben die großen Konzerne Lager aufgebaut, durch welche die Aussperrung der etwa 27.000 Arbeiter und die Schließung der finnischen Papierwerke abgefangen werden kann. Doch diese Überkapazitäten reichen Expertenprognosen zufolge gerade einmal für vier Wochen Streik und Aussperrungen, die mittlerweile seit Beginn der Streiks vergangen sind. Damit könnten vor allem im Offsetpapier-Bereich und bei den besseren Zeitungspapieren ebenso wie bei Toilettenpapier Engpässe entstehen, die in Folge zu Preiserhöhungen führen könnten.

Bedeutung für deutsche Papierpreise

Mit einem Anteil von 41 Prozent der Zellstoff-Exporte und 20 Prozent der Papierexporte ist Deutschland der weltweit wichtigste Abnehmer finnischer Papierhersteller. Hierzulande würde sich deshalb die Papierknappheit auf dem Weltmarkt zuerst bemerkbar machen. Derzeit bleiben die erst kürzlich gesunkenen Preise allerdings stabil. Zu bedenken ist aber, dass die Katalogproduktion bald beginnt. Damit wird vor allem der Markt für Zeitschriftenpapier etwas enger, da er schon vor den Streiks kaum Kapazitäten aufwies. Für LASERLINE-Kunden im Bereich Offset- und Digitaldruck herrscht derzeit kein Grund zur Beunruhigung, eine Preiserhöhung wegen erhöhter Papierpreise ist nicht in Sicht. Dennoch könnte es in den kommenden Monaten, sollten die Konflikte der Papierindustrie, zu Lieferengpässen finnischer Hersteller kommen, die jedoch durch Kapazitäten aus Kanada wieder ausgeglichen werden sollten.

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