Normalomakro

30.08.2018
Im dritten und letzten Teil unserer Nahaufnahmeserie geht es um die Klassiker des guten Makrogeschmacks: Normal- und leichte Teleobjektive, die noch viel mehr können als nah dran sein.

Wenn Dein Foto nicht gut genug ist, dann warst Du nicht nah genug dran. Kriegsfotograf Robert Capa hat das bestimmt nicht auf unser heutiges Thema bezogen, denn dann könnten wir in der Makrofotografie ja nur gute Fotos machen. Doch zumindest den Versuch ist es wert.

Gerade mit den typischen Makroobjektiven, wie sie fast jeder Hersteller anbietet. Klassischerweise tummeln sich hier die Kleinbildbrennweiten von 50 bis 100 mm. Schön scharf, ordentlich lichtstark und für ganz viel zu gebrauchen.

Quelle: Kesberger

Reprostar – das 50er

50 mm – das ist im Kleinbild-Vollformat die Normalbrennweite. Das heißt, das Bild im Sucher ist nicht größer oder kleiner als das Auge es ohne Kamera auch sieht. Im ersten Moment könnte man auf die Idee kommen, dass das 50er die etwas größere Tiefenschärfe bietet, doch im Makrokosmos zählt hier nur der Abbildungsmaßstab.

Bei 1:1 ist die Brennweite schlicht wurscht. Wobei sich manche Konstruktionen auch auf 1:2 beschränken. Das kurze Makro lässt die kompaktere Bauweise zu, doch dafür ist der Abstand im Nahbereich von der Frontlinse zum Objekt ziemlich winzig, vor allem wenn der Konstrukteur auf eine Innenfokusierung verzichtet.

Blümchen ist das egal, aber Insekten fühlen sich da eher gestört und machen den Abflug. Doch das Normalobjektiv hat andere Vorteile: Es ist prädestiniert für Reproduktionen. A3-Scanner sind schließlich teurer als Makroobjektive und wer noch größere Vorlagen durch das Abfotografieren digitalisieren will, scheitert sonst oft an der Länge der Reprosäule.

Quelle: Kesberger

Der Abstandhalter – das 100er

Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Und mehr Pläsier hat das kleine Insekt, wenn der Fotograf auf Abstand bleibt. Da hilft ein 100er Makro.

Im Anflug hilft dann auch der Autofokus. Da Augensteuerung und Gesichtserkennung eher nicht bei Bienen funktionieren und es auf Grund der geringen Abstände nicht zu empfehlen ist, die Kamera nach dem Scharfstellen noch zu verschwenken, ist das Arbeiten mit unterschiedlichen Fokus-Messpunkten erste Fotografenpflicht.

Noch mehr Abstand lassen Tele-Makros mit 180 oder 200 mm, doch die sind in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Das erledigen dann wohl eher die Zooms in der Fototasche gleich mit.

Quelle: Kesberger

Und sonst?

Ganz nebenbei ist so ein 90er oder 100er auch die ideale Portraitbrennweite. Und da Makroobjektive sich bei Lichtstärken von 2,0 bis 2,8 tummeln, lässt sich die Blende schön weit aufmachen, damit der Hintergrund in der Unschärfe verschwimmt.

Manchmal stört allerdings bei dieser Anwendung, dass Makros sehr oft zu den schärfsten Linsen eines Systems gehören. Und jede nicht ganz so perfekte Pore möchte man ja auch nicht immer superscharf sehen.

Wer den Kompromiss zwischen Repro, Portrait und Makro sucht, ist wahrscheinlich mit 70 oder 75 mm gut bedient. So sind unsere Beispielaufnahmen (Lavendel mit Biene) auch mit einem 2,8/50 Makro von Zeiss erstellt, das durch den kleineren APS-C-Sensor wie ein 75er im Kleinbildformat wirkt.

Nebenjob als Scanner

Das Stichwort Scanner ist schon gefallen. Das gilt nicht nur für Aufsichtvorlagen. Auch einen Filmscanner kann man sich eigentlich sparen, wenn man ein Makro besitzt.

Im Vollformat bei 1:1 – im APS-C-Format reicht sogar ein 1:2-Makro – lässt sich ein Kleinbild-Dia logischerweise formatfüllend aufnehmen. Dann fehlt nur noch eine gleichmäßige Ausleuchtung, entweder von oben mit einer Leuchtplatte oder von hinten gegen eine Streuscheibe per Fernsteuerung geblitzt.

Clever sind auch gebraucht erworbene Farbmischköpfe aus alten Vergrößerungsgeräten. Doch egal wie beleuchtet: Abfotografieren geht sogar schneller als scannen, auch wenn die Nachbearbeitung etwas länger dauert.

 

Makroserie Teil 1: Noch viel näher dran – Lupenfotografie

Makroserie Teil 2: Superweitwinkelshiftmakro

Makroserie Teil 3: Normalomakro

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