Noch viel näher dran – Lupenfotografie

26.07.2018
Groß rauskommen will jeder. Doch wenn ganz kleine Dinge ganz groß rauskommen sollen, dann braucht es in der Fotografie ein Lupenobjektiv.

Lange Zeit haben die Hersteller den Makrobereich, der noch über 1:1 hinausgeht, sträflich vernachlässigt. Nur Canon hat seit Jahren ein solches Lupenobjektiv im Angebot. Doch nun eröffnet sich dieses Genre auch für die meisten anderen Kameras mit Wechselobjektiven. Der chinesische Anbieter Laowa hat ein 2,8/25 mm „Ultra-Macro“ für den Bereich von einer 2,5- bis 5-fachen Vergrößerung vorgestellt. Wir haben es ausprobiert: Teil 1 unserer kleinen Makroserie.

Die passende Kamera

Ausgelegt ist das neue Laowa explizit für Vollformatkameras mit den Anschlüssen Canon EOS, Nikon, Sony E und Pentax. Natürlich lässt es sich auch an kleineren Sensoren betreiben. Bei APS-C verdoppelt sich dann der Maßstab, bei MFT vervierfacht er sich gleich, zumindest auf das 24x36 mm große Kleinbildformat bezogen. Über Adapter finden auch die übrigen spiegellosen Systemkameras Anschluss. Da eh kein Autofokus vorhanden ist, kann der auch nicht unter dem Adapter leiden. Auch wenn die Spiegelreflexanschlüsse ab Werk vorherrschen, macht das Objektiv im LiveView-Modus deutlich mehr Sinn, da dann die Anzeige heller ist und die Scharfstellhilfen wie Focus-Peaking und die Lupe aktiviert werden können. Bei strahlendem Sonnenschein draußen hat zwangsläufig ein digitaler Sucher seine Vorteile, während es im Spiegelreflexsucher selbst dann eher duster wird.

Das Objektiv

Aber warum ist es so dunkel, wo doch Blende 2,8 auf dem Ring steht? Die Blende stimmt zwar, aber durch den langen Auszug schwindet eben auch das am Sensor ankommende Licht. Schon ein doppelter Auszug steht physikalisch für nur noch ein Viertel der ankommenden Lichtmenge. Und bei solchen Maßstäben fangen wir hier noch gar nicht an. Dank der Belichtungsautomatik braucht uns das wenig zu kümmern, zumindest dann, wenn wir mit Stativ arbeiten oder wenig Hemmungen haben, am ISO-Regler zu drehen. Wer lieber selbst beleuchtet hat zumindest den Vorteil, dass hier die Lichtquelle auch nicht allzuweit vom Motiv entfernt sein muss. Makrofreunden wird auch das andere Ende der Blendenskala mit 16 angesichts der Minimalsttiefenschärfe eher fraglich vorkommen. Doch dafür muss man vielmehr dankbar sein, da sonst eine Beugungsmatsche den ganzen Aufwand wieder ad absurdum führen würde.

Die Aufnahme

So ein Lupenobjektiv ist anders. Es fehlt nicht nur der Autofokus, es fehlt sogar – offiziell – die Möglichkeit, überhaupt scharfzustellen. Zwar gibt es einen wunderbar satt laufenden Schneckengang, aber hier stellt man den Abbildungsmaßstab ein. Von 2,5 bis 5 – stets bezogen auf das Vollformat. Wenn man bedenkt, dass man schon mit einem Miniprint in Postkartengröße eine kräftige Nachvergrößerung vorgenommen hat, wird einem schnell klar, dass wir hier nicht im Bereich der Lupen, sondern eher in dem der Mikroskope wildern. Da wird sichtbar, was dem menschlichen Auge sonst verborgen bleibt.

Die Praxis

Scharfgestellt wird natürlich auch. Nur dass man dazu eher zuerst den Abbildungsmaßstab festlegt und anschließend die Kamera vor und zurück bewegt. Wesentlich leichter geht das natürlich vom Stativ mit einem Einstellschlitten. Novoflex aus dem Allgäu bietet da ein passendes vielfältiges Sortiment. Dann bewährt sich auch die chinesische Stativschelle für das Ultra-Macro. Aber nur wenn sich das Objekt selbst nicht bewegt. Im extremen Nahbereich wird eine vermeintliche Windstille schnell zum gefühlten Orkan. Vom Wahnsinn, damit fliegenden Insekten nachzuspüren, erst gar nicht zu reden. Draußen braucht man entweder buddhistische Geduld oder man verlegt seine Aktivitäten gleich ins Wohnzimmerstudio. Da helfen keine Klämmerchen an der Blüte und für die ganz geduldigen auch eine Tiefenschärfesoftware wie Helicon Focus zum Zusammensetzen von vielen, vielen Einzelaufnahmen – auf zu neuen Welten.

 

Makroserie Teil 1: Noch viel näher dran – Lupenfotografie

Makroserie Teil 2: Superweitwinkelshiftmakro

Makroserie Teil 3: Normalomakro

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