Nase meets Display

21.09.2017
Warum sehen Kameras eigentlich aus wie sie aussehen? Warum stoße ich hier mit der Nase ans Display und dort ins Leere? Und wo war die Nase früher ohne Display?

Fuji hat letztes Jahr die erste Kamera mit dem neuen 24-Megapixel-X-Trans-Sensor vorgestellt. Seitdem ist mit der X-E3 nun schon die vierte Kamera mit dem gleichen Sensor vorgestellt worden. Und alle sehen sie anders aus. Aber warum? Gerade weil sich Fuji mit seinem Design sehr auf die Kameratraditionen der letzten 80 Jahre beruft, ist das eine wunderbare Gelegenheit zu untersuchen, wieso sich die Kameradesigner immer wieder für recht ähnliche Lösungen entscheiden.

Der Höcker

Sieht aus wie eine DSLR, ist aber gar keine – die Fuji X-T20 von hinten. Quelle: Fuji

Eigentlich hätte mit der Digitalisierung und spätestens mit den spiegellosen Systemkameras die große Gestaltungsfreiheit der Kameradesigner einsetzen müssen. Hat sie aber nicht. Der Sensor muss schon im Strahlengang des Objektivs sitzen, aber sonst?

Display und Sucher könnten theoretisch an jede beliebige Stelle, praktisch kauft sie der Kunde dann nicht. Also bleibt alles wie es ist oder mal war, seit 1936 die erste Kleinbildspiegelreflex der Welt aus Dresden kam. Wenn man mit einer Spiegelreflex von hinten durch den Sucher gucken will, dann braucht man ein Pentaprisma, dass den Strahlengang, der vom namensgebenden Spiegel nach oben gelenkt wird, nach hinten spiegelt, auf dass das Bild sogar seitenrichtig und aufrecht stehend ist.

Klingt selbstverständlich, war es aber die ersten 100 Jahre der Fotogeschichte keineswegs. Darum ist dieser Höcker über dem Objektivbajonett auch bei Kameras geblieben, die gar nicht wissen, was sie mit einem Spiegel sollen. Die Kunden kaufen es einfach gerne, denn der Hochbau steht immer noch für eine anspruchsvolle Kamera.

Wohin mit der Nase

So geht es auch: Bei der neuen Fuji X-E3 sitzt der Sucher links. Quelle: Fuji

Früher war der Sucher immer in der Mitte und auf der Kamerarückwand war höchstens ein Halter für die Filmverpackung, damit man auch nach 28 Fotos noch wusste, ob ein Schwarzweiß- oder Farbfilm in der Kamera war. Da war es egal, wo man sich die Nase platt drückte oder mit welchem Auge man durch den Sucher blickte.

Digital ist das anders. Bei mittigem Sucher bildet sich gerade im Sommer bald ein Fettfleck auf dem Display. Das war dann Ihre Nase. Noch lustiger ist es, wenn im Hochformat, die Nase genau auf der Okay-Taste landet und ständig die Fokusvergrößerung unbewusst einschaltet.

Dann legen wir den Suchereinblick doch lieber ganz nach links. Dann sieht man zumindest mit dem rechten Auge fettfrei. Und den Höcker kann man sich auch sparen. Sieht die Kamera eben wie eine Sucherkamera aus den 1930er Jahren aus.

Der Handgriff

Wenn die Kamera noch eine echte Spiegelreflex ist, dann braucht es wie hier bei der Nikon D500 ein Pentaprisma. Quelle: Nikon

Nase und Auge haben wir schon mal, aber da fehlt dann doch noch was zum Fotografieren: die Finger oder besser gleich die ganze Hand. Also einen Handgriff zum Zugreifen oder gerade keinen, damit die Kamera schön kompakt bleibt.

Dann braucht es wohl auch besser einen eingebauten Bildstabilisator, weil das mit dem stabilen Halten dann nicht mehr so gut klappt.

Darum haben viele Hersteller auch gleiche eine zusätzliche Einnahmequelle entdeckt und bieten den Handgriff separat an. Schlau ist die Kombi mit einer Schnellwechselplatte für das gängige Arca-Swiss-Schnellwechselsystem.

Der Boden

Ordentlich aufgeräumt – bei der Nikon D-500 sitzt das Stativgewinde in der Mitte mit genug Platz zum Akkufach. Allerdings machen es die Rundungen schwerer, eine Kameraplatte verdrehsicher anzuschlagen. Quelle: Nikon

Manchmal sind Kameradesigner müde. Und manchmal sieht man das dem Boden auch an. Kommt ja erst zum Schluss. Damit lassen sich keine Designpreise gewinnen. Aber zum Kunden-in-den-Wahnsinntreiben reicht es schon.

Wenn das Stativgewinde nicht mittig unter dem Objektiv in der optischen Achse sitze, ist es mit schnellen Panoramen ohne Spezialzubehör erst mal vorbei.

Dann sollte das Fach für den Akku auch dann noch leicht zugänglich sein, wenn man die Kamera auf das Stativ geschraubt hat. Und wenn das alles nicht klappt, dann gibt es ja noch Designer für das Zubehör.

 

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