Moiré – oh weh?

11.04.2013
Wenn Farben und Muster nicht so aussehen, wie sie sollen, spricht man vom Moiré-Effekt. Wir beschreiben, wie man beim Fotografieren damit umgehen kann.

Beim analogen Fotografieren war alles leichter. Das stimmt zwar selten, aber in diesem Fall schon. Denn die Analogfotografie – im Gegensatz zur analogen Drucktechnik – kennt keine Moirés. Dafür tritt das Silber einfach nicht genug in Reih und Glied an. Wobei sich diesem Bildfehler der regelmäßigen Unregelmäßigkeit auch manche Digitalkamera elegant entzieht.

Farbmoirés

 Quelle: Sigma


Die Sensoren von Digitalkameras sind von Hause aus farbenblind. Um ihnen aber trotzdem ein Farbbild zu entlocken, wird üblicherweise ein sogenannter Bayer-Filter vorgeschaltet. Diese roten, grünen und blauen Quadrate sorgen für die Farbinformationen. Da so jedes Pixel nur eine Farbinfo ermitteln kann, werden die Werte aller drei Grundfarben interpoliert. Das klappt meistens recht gut, geht aber davon aus, dass das Nachbarpixel eine ähnliche Farbinformation enthält. Bei starken Schwarzweiß-Kontrasten kann das auch schon mal schiefgehen. Ein klassisches Beispiel dafür sind Siemenssterne, die nur mit Farbsäumen wiedergegeben werden.

Tiefpassfilter

Es gibt zwei Wege, solche Farbstörungen zu verhindern: Einerseits softwareseitig und anderseits durch einen Tiefpassfilter. Dieser sorgt dafür, dass ein Lichtstrahl niemals nur auf ein Pixel trifft. Der Vorteil liegt auf der Hand – die Farbinfo ist leichter zu ermitteln, da immer mehrere Farbwerte vorliegen. Der Nachteil aber auch, da die Maximalschärfe des einzelnen Pixels nicht ausgenutzt werden kann. Darum versuchen immer mehr Hersteller darauf zu verzichten, entweder weil sie die Farbfilter anders anordnen wie bei Fuji oder mehr Vertrauen in die Nachbearbeitung setzen und dort auf erfahrene Fotografen hoffen wie Nikon mit der D800E.

Foveon-Sensor

Es gibt aber auch einen Sensor, der das alles gar nicht nötig hat, da er eben gerade nicht farbenblind ist. Der Foveon-Sensor, der von Sigma verwendet wird, besteht wie der klassische Farbfilm aus drei unterschiedlich farbempfindlichen Schichten übereinander. Er macht sich den Effekt zu Nutze, dass Licht abhängig von der Wellenlänge (= Farbe) unterschiedlich tief in Silizium eindringen kann. Das verhindert Moirés, macht den Tiefpassfilter überflüssig und ergibt wunderbare Dateien, die man sehr leicht hochrechnen kann. Allerdings bietet der Sensor diese reine Pixelschärfe und überragende Farbbrillanz meist nur bei ISO 100 bis 200. Darüber sind dann Sensoren mit Bayerfilter wieder deutlich erfolgreicher beim Lichteinfangen.

Das echte Moiré

 Quelle: Sigma


So ähnlich, wie schon früher in der Drucktechnik bekannte Moiré-Effekte beim Arbeiten mit Rastern, können auch neue, unerwünschte Muster in der Digitalfotografie entstehen, wenn sich zwei gleichartige regelmäßige Strukturen überlagern. Die eine Struktur ist der Sensor selbst, die zweite kann im Motiv auftreten. Das ist auch etwas für den Tiefpassfilter, eine leichte absichtliche Defokussierung oder die Nachbereitung in der Kamera oder im RAW-Konverter. Ein Klassiker sind hier Strukturen eines Stoffes in der Modefotografie oder die Testaufnahme vom Teesieb. Sollte das doch einmal auftreten, lässt es sich aber heute meistens im RAW-Konverter schnell beheben.

 

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