Microsoft will Maus abschaffen

24.08.2006
Microsoft stellt Technologie zur Bedienung des Rechners ohne Maus und Tastatur vor und erleidet bei der Vorführung von Vistas Sprachsteuerung ein Debakel ...

Ob Windows Vista kommt und wann ist ungewiss. Derweil verkürzt Microsoft seinen Anwendern das Warten mit einem Blick in die Zukunft und stellt den mit der Hand steuerbaren PC und die Befehligung per Sprachsteuerung vor. Doch was so visionär klingt existiert entweder schon oder funktioniert nicht. Denn die "Touchlight" genannte Technik, mit der sich ein PC ohne Maus und Tastatur bedienen lässt, gibt es bereits für diverse Spiele. Und mit der Demonstration von Vistas Spracherkennung vor Wall Street-Analysten sorgte das Unternehmen für einige Lacher - vor laufender Kamera. So sehen also Microsofts Zukunftspläne aus ...

Warten auf Windows Vista

Erst vor wenigen Wochen erklärte Bill Gates persönlich, dass selbst er nicht genau wisse, wann das neue Betriebssystem Windows Vista auf den Markt kommen werde. Erst die ausgewerteten Ergebnisse der Beta-Tests würden darüber entscheiden, ob und wann ein marktreifes Betriebssystem in Aussicht stünde. Warten ist also angesagt, wenn man die Neuheiten des vielleicht schon im Januar 2007 erhältlichen Betriebssystems sehen möchte.

Wartezeitverkürzung: Sprachsteuerung vorgestellt

Um diese Wartezeit zu verkürzen dachten sich die Entwickler, man könne doch zumindest einem ausgewählten Kreis ****an Zuschauern bereits die ersten funktionierenden Aspekte von Vista präsentieren. Die Sprachsteuerung war eines dieser Aspekte und sollte Ende Juli einem ausgewählten - und leider sehr großen - Kreis von Wall Street Analysten vorgeführt werden. Auch die Presse war - mit laufenden Kameras - anwesend; und sie zeichnete schonungslos die wenig professionelle Demonstration auf. Denn "einige Echos" schienen die Vorführung der Sprachsteuerung von Vista einen Strich durch die Rechnung zu machen. Heraus kam deshalb der folgende Mensch-Maschine-Dialog:

Techniker: "Dear mom komma"
Vista-Maschine: "Dear aunt,"
Techniker: "fix it"
Vista-Maschine: "let's set"
Techniker: "delete that. delete that. delete that. I think it's picking up a little bit echo here. select all."
Vista-Maschine: so double the killer delete select all.
*Lachen* (Den gesamten Film der Vorführung können Sie hier online sehen.)

Microsoft nahm die Panne nicht all zu Ernst und machte Geräuschprobleme im Raum für das Scheitern der Technik verantwortlich. Dass man diese allerdings im Vorfeld hätte erkennen und das System dahingehend trainieren können, das sah man bei Microsoft nicht. Zudem belegt die Videoaufzeichnung des US-Wirtschaftssender CNBC - pikanterweise ein Schwestersender des von Microsoft-geführten Nachrichtensenders MSNBC -, dass es keine Nebengeräusche gab.

Neue Technologie: Abschaffung der Maus

Doch das Unternehmen aus Redmond hat noch ein weiteres Ass im Ärmel: Den Tastatur- und Maus-freien PC! Diesen stellte man nach über einem Jahr Forschung ebenfalls Mitte Juli auf Microsofts Business of Innovation Konferenz zusammen mit dem Unternehmen Eon Reality mit weitaus größerem Erfolg vor. Die gezeigte Technologie namens "EON Touchlight" ermöglicht es dabei, den PC zukünftig ohne Maus und Tastatur einfach per Hand im dreidimensionalen Razm zu steuern (englischsprachige Videodemonstration). Hierzu wird die Bildschirmoberfläche auf eine ebene Fläche projiziert, die von drei Kameras überwacht wird. Jede nun stattfindende Handbewegung vor der Leinwand wird registriert und der Anwender kann hierdurch Objekte verschieben, Dokumente sortieren oder Befehle ausführen lassen. Was in Raumschiff Enterprise bereits seit beinahe 40 Jahren möglich ist, wollen die Forscher von Microsoft und EON Reality jetzt Realität werden lassen. Die ersten hierzu fähigen Bildschirme sind ebenfalls bereits beim Unternehmen Eon Reality in Arbeit und werden in "24 bis 36 Monaten erhältlich sein", so eine Pressemitteilung dazu. Mit ihnen sollen zukünftig nicht nur zweidimensionale Oberflächen steuerbar gemacht, sondern auch der dreidimensionale Raum erschaffen werden. Jede glatte Oberfläche kann dann zum Einstieg in die virtuelle Welt dienen.

Alte Zukunft

Was allerdings so visionär und fortschrittlich klingt ist zumindest in Teilen ein relativ alter Hut. Schon vor einigen Jahren kam nämlich das Spiel "Eye-Toy" auf den Markt, das über eine USB-Webcam die Bewegungen des Spielers aufnimmt und damit Gegenstände auf dem Bildschirm bewegen lässt. Zugegebenermaßen ist die Technologie von Eye-Toy nur zweidimensional angelegt und kann auf Grund nur einer Kamera auch nur wenig steuern, das Grundprinzip aber bleibt - und macht schon heute Spaß. Wie visionär deshalb die "EON Touchlight"-Technologie wirklich ist und ob sie vielleicht genauso "gut" funktioniert, wie die Spracherkennung von Vista, muss sich in Zukunft erst noch beweisen.

Apple amüsiert sich

Derweil kann Apple über die Bemühungen seitens Microsoft nur lächeln - und reißt gegenüber seinen Entwicklern über die "nicht vorhandenen Ähnlichkeiten" zwischen Windows Vista und Mac OS X Tiger Witze. Dies geschah mittels eines Videos zur Keynote auf der World Wide Developer Conference (WWDC) Mitte August, das an an die neuen Werbespost von Apple angelehnt war. Darin steht der "PC" ganz alleine vor dem Publikum und fordert alle Mac-Entwickler auf, Urlaub für den Rest des Jahres zu machen oder bei Vista zu helfen - denn da bräuchte man wirklich Hilfe. Die Mac-Programmierer sollten auch kein Programme mehr schreiben, die einfach nur Spaß machen. Besser wäre eine Beschäftigung mit den wirklich ernsten Dingen des Lebens. Vielleicht hat der PC ja gar nicht so unrecht - mit Hilfe der Mac-Programmierer könnte es Microsoft eventuell tatsächlich schaffen. Das Video in voller Länge kann hier eingesehen werden.

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