Linotype FontExplorer X

26.09.2005
Kostenlos und professionell schickt sich das neue Schriftverwaltungsprogramm schon in der Betaphase an, die Konkurrenz zu überholen.

Schon bald könnten FontAgent Pro oder Extensis Suitcase ernsthaft Konkurrenz bekommen. Der seit Mitte September in einer Betaversion und bislang nur für Mac OS 10.3.9 und höher erhältliche Linotype FontExplorer X schickt sich an, die Mitbewerber zu überholen. Denn das kostenlose Schriftenverwaltungsprogramm ist äussert professionell aufgebaut und bietet Zugriff auf einen Shop, aus dem fehlende Schriften blitzschnell nachgekauft werden können. Wie ein Plagiat von iTunes anmutend, könnte er sich schon bald zum beliebtesten Tool zur Schriftenverwaltung entwickeln - auch unter Windows.

Kostenlos und gut?

Am 14. September ging es durch die einschlägigen Medien: "Kostenloser Font-Manager lehrt Konkurrenz das Fürchten" gab es dort zu lesen und "Das Schriften-iTunes". Gemeint war die neue, kostenlos erhältliche Software mit dem Namen FontExplorer X aus dem Hause Linotype (hier herunterzuladen). Viele wurden skeptisch, weil ein Schriftenhaus eine Verwaltungssoftware anbietet und das auch noch kostenlos. Doch neben der Tatsache, dass man über den FontExplorer fehlende Schriften ganz einfach nachkaufen kann, ist das Programm eine Bündelung aller guten Eigenschaften von FontAgent Pro und Suitcase und bietet daneben noch einige zusätzliche Eigenschaften, auf die viele Grafiker schon lange gewartet hatten. Und das, obwohl sich das Programm derzeit noch in einer (wenn auch sehr stabilen) Betaphase für Mac OS X ab 10.3.9 befindet und die Windows-Version noch etwas auf sich warten lässt.

 

iTunes für Schriften

Das Markanteste am neuen Schriftenverwaltungsprogramm FontExplorer X ist wohl die Oberfläche. Nicht ganz zufällig fühlt man sich in iTunes hineinversetzt, denn auf Grund der verblüffenden Ähnlichkeit werden sich nicht nur Liebhaber dieses Musikverwaltungstools schon bald ein Grafikerleben ohne FontExplorer mehr vorstellen können. In einer linken Liste namens "Quelle" hat man Zugriff auf die gesamte Bibliothek der auf dem System installierten Schriften, kann in den Store wechseln oder sich die Schriften nach System-Fonts, Sammlungen oder anderen Kategorien zusammenstellen. Hierzu lassen sich entweder normale Gruppen oder intelligente Gruppen anwenden, in denen man dann nach bestimmten Begriffen die vorhandene Sammlung absuchen und erstellen kann. Das Hauptfenster zeigt dann auf der rechten Seite alle darin enthaltenen Schriften und darunter ein Schriftmuster des Fonts, dessen Beispielsatz sich beliebig auswählen lässt.

Schriftverwaltung

Wie andere Fontverwaltungsprogramme kann auch der FontExplorer die Schriften in seinem eigenen Ordnungssystem verwalten - allerdings liegt hierbei die Betonung auf können. Denn neben dieser Möglichkeit bietet einem das Programm bei der Installation auch an, die Fonts unangetastet zu lassen oder sie nur in den Ordner des Programms zu kopieren. Natürlich bleiben auch nach einer Kopie die in der Schriftensammlung von Apple angelegten Gruppen erhalten und werden im FontExplorer dargestellt. So kann man problemlos von seiner bisherigen Verwaltung der Fonts unter der Schriftensammlung auf den FontExplorer umsteigen. In einem extra Darstellungsfenster, das sich ein- und ausblenden lässt, können die einzelnen Schriftschnitte in frei wählbaren Mustertexten, Schriftgrößen und Schriftschnitten begutachtet werden. Daneben zeigt ein Informationsfenster alle zu diesem Schriftschnitt vorhandenen Informationen an. Wie aus Suitcase vielen Benutzern bekannt, können auch im FontExplorer mehrere markierte Schriften zusammen betrachtet werden und die Zeichen eines Fonts lassen sich auch im Unicode-Bereich ansehen. Besonders interessant und von den ersten Nutzern auch lobend hervorgehoben ist die Auto-Aktivierung. Mit ihr ist es möglich, in allen gängigen Layoutprogrammen wie InDesign, QuarkXPress oder Illustrator die im Dokument benötigten Schriften automatisch bei Bedarf zu aktivieren. Und das alles mit einer Geschwindigkeit (selbst bei großen Schriftsammlungen), über die man nur staunen kann.

 

Zusatzfunktionen

Verblüffend ist beim FontExplorer, bis in welche Tiefen man Dinge für die jeweiligen Schriftschnitte einstellen kann. Wie gesagt, diese Einstellungen sind möglich, müssen aber nicht durchgeführt werden. Dazu gehört unter anderem die Warnung bei einer Aktivierung von mehr als einer beliebig festzulegenden Zahl an Schriften, wann die Fonts aktiviert werden sollen, was passieren soll, wenn die Schriften aus dem FontExplorer gelöscht werden und vieles mehr. Darüber hinaus bietet die Funktion "Systemfonts-Ordner aufräumen" die Möglichkeit, die Systemordner von allen nicht zur ursprünglichen Betriebssystem-Installation gehörenden Fonts zu befreien. Auch die integrierte Löschfunktion des Font-Caches erspart viel Arbeit und beschleunigt das System.

Linotype-Shop

Wo soviel Gutes ist, muss auch etwas Schlechtes zu finden sein. Denken sich zumindest die meisten. Tatsächlich sehen viele Anwender den Pferdefuß im Shop des FontExplorers, der dem iTunes Music Store nicht unähnlich ist. Suchfunktion und Übersicht nach Kategorien sind darin ebenso zu finden wie die alphabetische Auflistung der bei Linotype erhältlichen Schriften. Denn nichts anderes ist der in FontExplorer integrierte Shop: Eine Möglichkeit, fehlende Schriften mal eben schnell nachzukaufen. Diese fehlenden Schriften meckert das System sogar automatisch auf Wunsch an und leitet sodann in den Shop weiter. Anders aber als die Vermutungen vieler Anwender einen glauben lassen, will Linotype mit dieser Funktionalität nicht überprüfen, ob sich unrechtmäßig erworbene Schriften auf einem Rechner befinden, sondern wie Apple mit iTunes verfolgt Linotype damit das Ziel, illegale Kopieraktionen von Schriften einzudämmen.

Keine Spyware

Bruno Steinert, Geschäftsführer der Linotype Library, nahm zu diesem Vorgehen wie folgt Stellung: "Es muss mehr Spass machen, einfacher und letztlich auch effizienter und billiger sein, einen Font zu kaufen als eine Raubkopie aufzutreiben." Und meint weiter: "Spyware einzuschleusen und damit die User-Akzeptanz zu gefährden wäre sträflich dumm." Scheinbar kann man dem Shop, in dem man Fonts mit einem Klick kaufen kann, also genauso trauen wie der gesamten Anwendung an sich. Umso erfreulicher ist es, dass es die Software kostenlos zum Herunterladen bei Linotype gibt und dass der FontExplorer auch bei tausenden von Schriften keine Einbußen im Bereich der Schnelligkeit hinnehmen muss.

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