Leseformen und Typografie

30.10.2008
Die Art, wie ein Dokument gelesen wird, sollte auch die typografische Gestaltung beeinflussen. Lesen Sie, welche fünf Lesearten unterschieden werden und was jeweils zu beachten ist.

Nicht jede Publikation verfolgt den gleichen Zweck. Es gibt Romane, Nachschlagewerke, wissenschaftliche Bücher und vieles mehr. Je nach Richtung werden diese Dokumente auch unterschiedlich gelesen. Darauf sollte in der Gestaltungsphase Rücksicht genommen werden – mit der jeweils passenden Typografie.

Das lineare Lesen

Romane, Erzählungen und Geschichten werden linear gelesen. Das bedeutet, der Leser liest Satz für Satz und erschließt sich so eine fortlaufende Handlung. Die Typografie sollte also in den Hintergrund treten. Entscheidend für das menschliche Auge ist der Grauwert: Er wird durch die Strichstärke, die Laufweite, den Wortabstand, die Zeilenlänge und den Zeilenabstand bestimmt. Alle Merkmale sollten so aufeinander abgestimmt werden, dass sich eine optimale Lesbarkeit ergibt. Eine Zeile sollte etwa 60 bis 70 Zeichen aufweisen.

Das informierende Lesen

Anders als bei Romanen werden Tageszeitungen oder Sachbücher oft nur überflogen. Der Leser nimmt die Überschrift, den Einleitungstext, Bildunterschriften und Zwischenüberschriften wahr und orientiert sich an ihnen. In Sachbüchern überfliegt er den Text oft, bis er die gewünschte Information findet. Die entsprechenden Publikationen sollten sich daher besonders durch eine klare Gliederung auszeichnen. Hervorhebungen bieten dem Auge des Lesers bei seiner Suche eine Orientierungsmöglichkeit. Dafür können auch fette Schriftschnitte verwendet werden. Der Grauwert ist dagegen nicht so wichtig.

Das konsultierende Lesen

Bei Nachschlagewerken oder Lexika kommt das konsultierende Lesen zum Einsatz. Der Betrachter sucht gezielt eine bestimmte Information und durchforstet dafür die alphabetischen Einträge. Um möglichst viele Fakten unterzubringen, wird die Schrift in diesen Büchern klein und eng gewählt. Dennoch sollte sie lesbar bleiben und auch ohne eine Lupe zu entziffern sein. Umso wichtiger ist es außerdem, dass die Stichwörter deutlich hervorgehoben werden, damit das Auge schnell an dem gewünschten Begriff hängen bleibt.

Das differenzierende Lesen

Schul- und Lehrbücher werden differenziert gelesen. Dabei wird der Inhalt sorgsam erarbeitet und nicht nur überflogen. Dieses wissenschaftliche Lesen umfasst meist stark strukturierte Texte. Diese Struktur sollte auch durch die entsprechenden typografischen Mittel wie gliedernde Überschriften unterstützt werden. Grundsätzlich können mehr Auszeichnungen verwendet werden als in anderen Texten. In der Regel werden außerdem Zeilenlängen von bis zu 80 Zeichen verwendet – sie können daher länger ausfallen als bei den anderen Lesearten.

Das inszenierende Lesen

Die Schrift wird zum Bild: Das versteht man unter inszenierendem Lesen. Diese Form wird beispielsweise in Magazinen eingesetzt, in denen der Textblock ein Motiv formt, das an den Textinhalt angelehnt ist. Der Gestalter sollte jedoch sorgfältig prüfen, ob diese Art der Visualisierung auch gelingt und die Textform ohne Probleme zu erkennen ist.

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