Lesbarkeit verbessern

17.05.2018
Wer gelesen werden will, sollte etwas zu sagen haben. Zumindest aus Sicht der Zielgruppe. Der Inhalt allein ist es aber nicht, der darüber entscheidet, ob man Leser gewinnt. Auch wie ein Text aussieht, spielt eine Rolle. Deswegen sollten Layoutprofis wissen, wie das menschliche Gehirn tickt.

Lesen funktioniert am besten, wenn wir verstehen, was in einem Artikel, einer Broschüre oder auf einem Plakat steht. Je weniger Mühe wir haben, desto bereitwilliger sind wir, dranzubleiben.

Das betrifft jeden Text, wird aber besonders im Internet deutlich. Wer hat nicht schon einmal schnell weggeklickt, weil ihn eine Überschrift, ein Vorspann, ein Abschnitt nicht erreicht hat?

Dem Menschen ist dabei meistens nicht bewusst, weswegen er nicht weiterliest. Muss ihm auch nicht. Der Journalist, PR-Profi, Layouter, Werbetexter, Grafiker jedoch sollte es wissen – und sich mit den Grundregeln des menschlichen Leseverhaltens auskennen. Nur dann bekommt der Inhalt die Chance, gelesen zu werden.

Wie der Mensch liest

Der Inhalt allein ist es nicht, der darüber entscheidet, ob man Leser gewinnt – auch wie ein Text aussieht ist entscheidend. Quelle: Tim Gouw / Unsplash

Geübte Leser setzen geschriebene Texte beim Lesen nicht aus einzelnen Buchstaben zusammen, sondern erkennen an den Wortbildern, um welches Wort es sich handelt. Aus diesem Grund können wir Wörter erkennen, deren Buchstaben durcheinander geraten sind. Nur der erste und letzte müssen stimmen sowie die Anzahl.

Dass das so funktioniert, liegt an drei Phasen, in die sich der Lesefluss aufteilt: an der Sakkade, Regression und Fixation. Bei einer Sakkade und einer Regression handelt es sich um eine sehr schnelle Bewegungen des Auges. Man springt von einem Fixationspunkt zum nächsten. Bei der Sakkade vor, der Regression zurück. Inhalte werden noch nicht verarbeitet. Das geschieht nur während der Fixation.

Während der Fixation gerät das Auge in eine Art kurze Ruheposition und verschafft dem Gehirn die Zeit, aus den Einzelteilen ein Gesamtbild mit Sinn zu erzeugen. Laboruntersuchungen zeigten, dass die Fixation bis zu 90 Prozent und damit den größten Teil der Lesezeit einnimmt.

Der Leser benötigt bei schwierigen Texten mehr Sakkaden und Regressionen, als wenn ein leicht verständlicher und leicht zu erfassender Text vorliegt. Die Gesamtlesezeit verlängert sich. Das ermüdet und die Gefahr steigt, sich anderen Dingen zuzuwenden.

Will man daher einen Leser in den gedruckten Text hineinziehen und sein Interesse halten, sollte man nicht nur verständlich schreiben, sondern auch verständlich layouten. Gut lesbar sind vor allem Texte mit einem harmonischen Schriftbild, einem ausgewogenen Grauwert und gut erkennbaren Wortbildern.

Dank Harmonie erfolgreich lesen

Wer einen gut zu lesenden Text setzen will, muss auf ein harmonisches Schriftbild achten. Mit entscheidend dafür sind drei Abstände: der von Zeichen zu Zeichen (Laufweite), der zwischen zwei Worten und von Zeile zu Zeile (Durchschuss).

Ist einer der drei unausgewogen – also zu eng oder zu weit –, erschwert das das Lesen. Ist ein Abstand zu klein, verschmelzen die Buchstaben und Worte miteinander.

Bei zu großen Abständen muss das Auge suchen, um den Zusammenhalt zu erfassen. Wann welcher Abstand optimal ist, hängt unter anderem von der Schrift selbst, der Größe und des Grauwertes ab.

Laufweite

Dank Desktop Publishing muss man sich zu Hause mit diesen Anforderungen nicht herumschlagen. Vor allem, was die Laufweite angeht, kann man sich meistens auf die angebotenen Schriftschnitte verlassen. Die zur Verfügung stehenden Condensed-Schnitte laufen schmaler als normal, die Extended breiter.

Der Profi jedoch, der Typografie bewusst einsetzt, um Aufmerksamkeit zu erzielen, muss abhängig vom zu gestaltenden Produkt wissen, was an Abstand zwischen den Buchstaben gerade noch geht. Das gilt sowohl für das Designen von Plakaten als auch das Setzen von Fließtexten.

Wortabstand

Wenn man die vom Typografen vorgegebene Laufweite erhöht, muss man auch die Abstände zwischen zwei Worten erhöhen, damit der Unterschied noch groß genug ist, um einzelne Worte zu erfassen. Der optimale Wortzwischenraum entspricht meistens dem Drittelgeviert (normale Schriftschnitte) beziehungsweise der Punzenbreite (schmale Schriftschnitte).

Unter dem Begriff Geviert versteht man ein Quadrat, dessen Seitenlänge der Höhe eines Schriftkegels entspricht. Dieses Maß entstammt dem Bleisatz. Durch das Anlegen des Quadrats über einen Buchstaben entsteht der Mindestabstand, wobei viel Raum einnehmende Buchstaben wie das M auf einem ganzen Geviert liegen, schmalere Zeichen hingegen Teile davon nutzen.

Vom Geviert lassen sich die breiten Halbgeviert, Drittelgeviert et cetera ableiten. Die Punze bezeichnet den Innenraum eines Buchstabens. Als Standardmaß richtet sich die Punzenbreite am Innenraum des kleinen „n“ des jeweiligen Schriftschnittes aus.

Zeilenabstand

Der Zeilenabstand wird von Schriftlinie zu Schriftlinie gemessen. Bei Punktgrößen von 9 bis 12 gilt dabei die grobe Regel von 120 Prozent der Schriftgröße. Große Schriften vertragen hingegen mitunter sogar einen negativen Zeilenabstand.

Wichtig ist, dass der Grauwert eines Textes darunter nicht leidet. Er ist quasi das Gesamtbild eines Textblocks und auch er sollte harmonisch wirken. Unterbrechungen wie durch Unterstreichungen einzelner Wörter oder fette Auszeichnungen unterbrechen den Grauwert ebenso, wie eng aneinander sitzende Zeilen, die den Block dunkler erscheinen lassen.

Nur gleichmäßig verteilte Abstände und Weißräume schaffen hingegen einen gleichmäßigen Grauwert und erleichtern das Lesen.

Zeilenlänge und Flattersatz

Gut ist, wenn man Textgröße und Fonts selbst einstellen kann - ansonsten sollte man einige Grundregeln zu Lesbarkeit der Texte beachten. Quelle: Creative Commons / Pixabay

Neben den Abständen sind es die Zeilenlänge und die typografische Satzart, die darüber entscheiden, wie wir einen Text aufnehmen und verarbeiten. Durch die Unterteilung während des Lesens in Sakkaden schaffen wir maximal sieben bis zwölf Sakkaden pro Zeile.

Muss das Auge öfter springen, ermüdet es und verliert die Zeile. Optimal sind deswegen Zeilen mit 40 bis 60 Zeichen (inkl. Leerräumen). Kürzer sollten Zeilen nicht sein. Bei weniger als 35 Zeichen wird das Auge auch überanstrengt – das Auffassungsvermögen sinkt.

Ein weiterer und oft strittiger Punkt ist die Ausrichtung einer Zeile. Wählt man Blocksatz oder Flattersatz? Der Flattersatz sichert in der Regel ein ruhigeres Lesen. Das liegt daran, dass im Flattersatz der Wortabstand immer gleich ist.

Im Blocksatz werden die Wörter auseinandergerissen, was im Extremfall riesige Lücken erzeugt. Das Gegenteil, aber genauso schlimm, sind besonders lange Wörter, die aufgrund des Blocksatzes eine Zeile ausfüllen müssen. Die Buchstaben werden dann auseinander gezogen; man spricht auch von gesperrt.

Andere Ausrichtungen, wie rechtsbündig oder mittig, widersprechen unseren Lesegewohnheiten und strengen das Auge an. Sie sollten nur zum Einsatz kommen, wenn es ausdrücklich erwünscht ist, den Text auf diese Art und Weise hervorzuheben. Rechtsbündige Flattersätze können sinnvoll sein, wenn die Zuordnung zu Bildern damit erleichtert wird.

Und eines sollte der Autor nicht vergessen: Wenn der Inhalt schlecht geschrieben ist – die Sätze zu lang und zu verschachtelt sind, zu viele Fremdwörter und Anglizismen enthalten sowie die Zeichensetzung und Rechtschreibung fehlerhaft ist –, dann nutzt auch die beste Optik nichts. Der beste Inhalt hat dann keine Chance, gelesen und verstanden zu werden. Aber vielleicht hilft dann ein Textanalyse-Tool weiter, um die Lesbarkeit zu überprüfen.

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