Leonardo vor dem Aus

09.08.2007
Der Mannheimer Hersteller Hermstedt, der vor allem für seine Leonardo ISDN-Karten bekannt wurde, musste Insolvenz anmelden.

"Leonardo" ist seit den späten 1980er-Jahren ein Schlagwort im Desktop-Publishing und in der Datenübertragung. Der Mannheimer Hersteller Hermstedt brachte unter diesem Namen eine Serie von ISDN-Karten zur schnelleren Datenübertragung auf den Markt. Mit der modernen Internet-Technik konnte das Unternehmen jedoch nicht mithalten. Hermstedt musste Insolvenz anmelden - die englische Firma Pro2Col wird den IT-Bereich übernehmen.

Ein neues Unternehmen entsteht

Es ist eine knappe Pressemitteilung, die die Hermstedt-Kunden in diesen Tagen über das Schicksal des Unternehmens informiert. Wer die Internetseite Internetseite anklickt, findet dort neben dem üblichen Produktüberblick eine Meldung der englischen Firma Pro2Col Pro2Col, die bislang als Distributionspartner für Hermstedt fungierte. Sie wird den IT-Bereich des insolventen Herstellers übernehmen. Dazu hat Pro2Col ein Unternehmen in Deutschland gegründet, das die Entwicklung, den Vertrieb und den Support der Hermstedt-Produkte übernehmen soll. Gleichzeitig werden die Kunden gebeten, Verbesserungsvorschläge für den Datenserver Stingray einzureichen, der überarbeitet und verbessert werden soll. Von den Leonardo-Karten, die einst den Erfolg von Hermstedt begründeten, ist keine Rede mehr.

Der Erfolg von Leonardo

Das war vor einigen Jahren noch anders: Damals war Leonardo in aller Munde - eine Technik, die in fast allen DTP-Büros, Werbeagenturen und Druckereien zu Hause war. Leonardo-Karten ermöglichten den schnellen Datentransfer per Computer und ISDN-Leitung. Sie wurden ergänzt durch die Marco-ISDN-Karte für den mobilen Einsatz und den Adapter Angelo, der Wireless-Basisstationen ISDN-fähig machte. Doch die Technik der Datenübertragung per ISDN wurde schließlich beinahe überflüssig - heute können auch größere Datenmengen per Internet-Breitbandverbindung schnell, einfach und kostengünstig übermittelt werden.

Stingray sollte es retten

Hermstedt reagierte und brachte den Datentransfer-Server Stingray auf den Markt. Der "intelligente Briefkasten", wie er auf den Unternehmensseiten im Internet beworben wird, verschickt und empfängt Daten selbstständig. Dazu kann er ISDN, DSL oder eine Standleitung nutzen. Die Idee: Verschiedene ISDN-Karten sollten durch einen einzigen Server ersetzt werden, der zudem noch interne Daten sicher verwahren sollte. Stingray sollte so zum Leonardo-Nachfolger werden. Doch die Rechnung scheint nicht aufgegangen zu sein - wie auch die Suche nach Verbesserungstipps in der Pressemitteilung von Pro2Col vermuten lässt.

Von ISDN zur Musik - und zur Pleite

Auch eines der jüngsten Hermstedt-Produkte, das "Hifidelio Wireless Music Center" konnte das Unternehmen letztendlich nicht retten. Der Ausflug Hermstedts in die Audiowelt brachte der Firma zwar gute Kritiken ein, brachte sie anscheinend aber nicht in die Gewinnzone. Hifidelio dient als Multimedia-Server, der CDs brennen und auf Festplatte archivieren sowie drahtloses Streaming und Internetradio nutzen kann. Die hoch gelobten Funktionen und das neue Gerät nutzten Hermstedt leider nichts: Das Insolvenzverfahren ist eröffnet, der Insolvenzverwalter hat die Masseunzulänglichkeit angezeigt. Das bedeutet, dass offenen Verbindlichkeiten nicht mehr vollständig nachgekommen werden kann. Im September dieses Jahres soll entschieden werden, ob das Verfahren nicht sogar eingestellt wird. Sicher ist: Mit der Hermstedt-Pleite nimmt eine Legende des Desktop Publishing ein trauriges Ende.

Werden Sie ein Teil unserer Welt!

Bestellen Sie unseren Newsletter und erhalten Sie Drucktipps, Angebote sowie Neuigkeiten aus der Druckbranche direkt per E-Mail.
Zusätzlich schenken wir Ihnen einen 5 EUR Gutschein für Ihre erste Bestellung.