Geistergeschichten und Rituale - die Kontroverse

28.11.2011 09:00:00
oder: Warum der School for Life-Kalender 2012 schon im Vorfeld Kontroversen auslöste

Jedes Jahr - das erste Mal 2004 - gibt die School for Life in Chiang Mai / Thailand einen Kalender heraus. Er wird vom Berliner Druckzentrum LASERLINE pro bono gedruckt, so dass 90 Prozent des Reinerlöses der School for Life zugute kommen. LASERLINE und Rita Haberkorn, die dieses Projekt erfunden und mit Beharrlichkeit über die Jahre verwirklicht haben, möchte ich sehr herzlich danken.


Quelle: Prof. em. Dr. Jürgen Zimmer Zweimal im Laufe dieser Jahre sind wir von der Praxis, mit Fotos das Leben und Lernen der Kinder zu zeigen, abgewichen. Das eine Mal, 2008, mit dem von dem französischen Fotografen Romain Philippon durchgeführten Projekt "Mother Earth - a muddy photographic workshop by the children of School for Life": Das waren zwölf beeindruckende Fotos von Kindern, die sich ihre Gesichter mit Schlamm bemalt hatten, und deren Vergnügen dabei nicht zu übersehen war. Schon dieser Kalender provozierte unterschiedliche Reaktionen - von "das ist der bisher beste Kalender" bis "ich kann doch nicht zwölf Monate lang Schlammgesichter angucken".

Die Kontroverse im Vorfeld des Kalenders 2012 über "Geistergeschichten und Rituale" ist heftiger und, wie ich finde, interessanter. Die Kommentare reichen diesmal von "ganz besonders schön" bis "entsetzlich". Die Redaktion der katholischen Kindergarten-Zeitschrift "Welt des Kindes", die in einem Werkstattbericht die junge Fotografin Anna Simone Wallinger (FAZ: "Kein Zweifel, den Namen Wallinger kam man sich schon mal merken.") zu Wort kommen lassen und Fotos aus dem Kalender vorab veröffentlichen wollte, zog ihr Angebot nach Beratung in der Redaktion mit dem Hinweis zurück, dass man der Leserschaft Geistergeschichten, in denen auch Exorzismus vorkomme, nicht zumuten wolle.

Je nun. Mir fielen, als ich dies erfuhr, die vielen Geistergeschichten ein, die in meinem katholischen Heimatdorf Wasserburg am Bodensee bis heute herumspuken. Mir fiel ein ZEIT-Artikel über "Magie im Allgäu" ein, den ich 1965 geschrieben hatte: Vier Wochen Undercover-Tätigkeit als Assistent beim Heilpraktiker Alfons in Leutkirch hatten genügt, um im ländlichen Umfeld jede Menge Hexen, Dämonen, Teufel und Engel aufzuspüren, die - nach Meinung der Patienten - direkt in ihr Leben eingriffen. Da spielen "Strahlen" genau so eine Rolle wie der "Magnetismus" eines Hilfsarbeiters, der Menschen die Hand auflegte und kranken Kühen Brot mit eingebackenen Zettelchen ins Maul stopfte. In den Weihern quakten keine Frösche, vielmehr jammerten Verstorbene unter der Last ihrer Sünden. Ist das heute, im Jahr 2011, ganz anders? Doch wohl nicht.

Quelle: School for Life

Was ist in Chiang Mai geschehen? Anna Simone Wallinger hat in der School for Life Geistergeschichten und Rituale ins Bild gesetzt. Es sind Geschichten, deren Storyboards wie im Film von Kindern und Jugendlichen entworfen wurden. Deren Glaube an Geister und Rituale wird von den meisten erwachsenen Thais auf der Farm (und anderswo) geteilt. In der School for Life hat sich eine multilinguale, multiethnische und multireligiöse Gemeinschaft versammelt.

Es leben Buddhisten, Christen und Kinder bei uns, die den Ahnenglauben der Bergvölker mitbringen, und viele Kinder verbinden weltreligiöse Spuren mit Elementen traditionellen Volksglaubens. Jedes Kind hat das Recht auf Unterweisung in seiner Religion und auf deren Ausübung. Zugleich aber liegt es nahe, den Begriff Ökumene zu erweitern, Respekt vor dem Glauben der anderen zu entwickeln und im kleinen globalen Dorf Brücken des Friedens und der gemeinsamen Grundwerte zu schaffen. Uns so kommt es, dass unsere Kinder nicht nur mit buddhistischen Mönchen meditieren, sondern auch das christliche Weihnachten feiern oder das Haus der Seelen der Vorfahren einweihen.

Eine kleine Geschichte aus dem Jahresbericht 2008: "Als eines frühen Abends Kinder im Wipfel eines dunklen Baumes die Gestalt eines Teufels zu entdecken glaubten, holten sie Joy, die Mitbegründerin der School for Life, um mit einem buddhistischen Gebet die Gestalt verschwinden zu lassen. Als das Gebet gesprochen worden war, baten die Kinder auch noch um ein christliches Gebet, denn sie meinten, Buddha und der liebe Gott seien zusammen stärker. Der Teufel war danach nicht mehr zu sehen, und alle waren's zufrieden."

Die Geister sind für die Kinder und Erwachsenen sehr präsent. Wenn nachts Hunde wie Wölfe heulen und sich das über zwei, drei Nächte wiederholt, lautet die Übersetzung: Es gibt ruhelose Seelen auf dem Gelände. Dann kommen die Mönche, komplimentieren die Seelen vom Campus und machen ihnen die Reise schmackhaft, in dem sie an den Grenzen des Grundstücks auf Tabletts reichhaltige Mahlzeiten hinstellen. Und so, wie sie die unruhigen Geister freundlich vertreiben, laden sie die guten Geister und Ahnen ein, sich in den liebevoll geschmückten Geisterhäuschen niederzulassen.

Diesen Kalender, auch wenn er von Kindern und Jugendlichen wesentlich mitgestaltet wurde, werden sich kunstinteressierte, säkularisierte oder agnostische Thais vielleicht, geistergläubige Landsleute aber gewiss nicht, an die Wand hängen. Denn - so ein Thai: "I don't want to put spirits and ghosts in my house." Es könnte ja sein, dass sie aus den Bildern herauskommen und den Frieden stören. Sie sind überall. Und daran können Buddha, Allah und die Redaktion von "Welt des Kindes" nichts ändern.

Neugierig geworden? Dann erwerben Sie den Kalender zu wirklich guten Zwecken! "Ich bin ganz begeistert, meinte Barbara Hunz von der Personalmanagement GmbH in Köln. Ich auch.

Prof. em. Dr. Jürgen Zimmer

Wir helfen Ihnen weiter!
SIE BENÖTIGEN HILFE BEI DER DRUCKDATENERSTELLUNG?
Wir helfen Ihnen gerne bei der Erstellung Ihrer Druckvorlagen.
Auf unserer Serviceseite haben wir viele nützliche Hinweise dazu zusammengefasst.
SIE HABEN IHR WUNSCHPRODUKT NICHT GEFUNDEN?
Sollten Sie spezielle Anforderungen an ein Produkt haben, richten Sie bitte eine Anfrage an unser Service-Team. Gemeinsam finden wir die richtige Lösung für Sie!