Bombenstimmung

16.08.2012 09:00:00
Kann man in Berlin noch in Ruhe an einer Bombe vorbeijoggen? Man kann.

Vor 25 Jahren hätte man wahrscheinlich so nah an der Mauer an Sabotage vom Klassenfeind gedacht. Aber der Klassenfeind hat sich längst verabschiedet und staatsgefährdende Untergrundumtriebe sind hier in der Nähe des BND-Neubaus auch nicht bekannt. Da bleibt wohl nur der Zufall, und der zeigt sich erstaunlich kreativ.

Quelle: LASERLINE /Isbrecht

Dass es im Hochsommer bei LASERLINE spannend werden würde, war allen Beteiligten von Anfang an klar. Wenn der komplette Offsetbereich einer großen Druckerei verlegt wird, neue Maschinen im Wert von 8 Millionen Euro an einem neuen Standort aufgebaut werden und aus einer hochmodernen Druckhalle gleich zwei werden, dann funktioniert meistens erst mal nichts. Aber hier war es ganz anders. Die neuen, gerade erst auf der Drupa vorgestellten Druckmaschinen wurden in Höchstgeschwindigkeit im Zweischichtbetrieb von Heidelberg aufgebaut. Als alles reibungslos lief, erfolgte der Abbau der restlichen Maschinen am alten und der Wiederaufbau am neuen Standort. Das ist ein bisserl komplizierter als zu Hause den Drucker abzustöpseln und ins nächste Zimmer zu tragen, aber hier ging das erstaunlich geräuschlos vonstatten. Und die Monteure bemühten sich sogar, den Ausfall in der Kantine durch die weggezogenen Drucker zu kompensieren.

So jagte im neuen Drucksaal schon wieder die Farbe auf die FSC-Papiere und auf Kundenseite hätte vermutlich niemand die großen Verschiebungen im Hintergrund bemerkt, wenn bei den Nacharbeiten nicht ein Handwerker die Wasserleitung durchgeflext hätte. Eigentlich nicht so schlimm. Allerdings sehr unangenehm, wenn daraufhin der ganze Stromkasten mit Wasser voll läuft. Da merkt man erst einmal wie abhängig man ist. Kein Telefon, kein Rechner, kein gar nix. Selbst die Fensterlosigkeit der Toilette macht sich da extrem unangenehm bemerkbar. Aber nach knapp sechs Stunden war der Strom und damit der Betrieb wieder hergestellt.

Eigentlich eine ganz normale Geschichte, wenn aus web 2.0 durch böse Einflüsse kurzzeitig 0.0 wird. Doch gerade als die letzten Serverleiden im Nachgang kuriert waren, drohte schon wieder Ungemach. Letzten Donnerstag, morgens um 8.00 Uhr hing ein kleines, namenloses Paket festgeklebt an unserem Firmenzaun. Jetzt haben wir uns Partisan und Taliban ja immer etwas anders vorgestellt, und das Umfeld ist mit Kita, Grundschule und Park durchaus kindergeburtstagsaffin, aber da keine bunte Blümchen dran klebten, wurden wir doch etwas misstrauisch. Für solche Fälle gibt es ein Bürgertelefon, an dem der besorgte Bürger seine Sorgen mitteilen kann. Gesagt, gerufen. Und schon stand der Streifenwagen vor der Tür.

„Also, ick mach det jetzt ab!“ sagte der jüngere Beamte. Hmh. Sein älterer Kollege war da eher anderer Meinung. Wenn es doch ne Bombe ist? Man explodiert ja immer gleich mit. Und wofür gibt es Experten? Also her mit der Verstärkung. Und schon nahm das Unheilverhinderungsmanagement seinen Lauf. Gefühlt rückte die Armee an, ganz praktisch waren es einige Streifenwagen mit Blaulicht, die die Kreuzung weiträumig, freundlich und souverän absperrten. Nicht auszudenken, was die Kollegen in London daraus gemacht hätten.

Als dann alles frei war und nur noch ein einsamer Polizist die Kreuzung verteidigte, während sich die Kollegen zur Bewachung der zehn Zubringerstraßen zurückgezogen hatten, kam die große Stunde des kleinen Roboters der Berliner Polizei. Ferngesteuert rückte er der Bombe zuleibe. Ihn kann niemand aufhalten. Außer vielleicht zwei Jogger. Während in Stuttgart selbst die Punks nachts um 3.00 Uhr an einer roten Fußgängerampel warten, hat der Berliner an sich ja eher ein gestörtes Verhältnis zu Symbolen der Obrigkeit. Dazu gehört für ihn alles was seine Freiheit vermeintlich einengt wie rote Ampeln und Absperrbänder. Die gelten höchstens für Autos. Oder halt die Anderen. So trabte der erste Jogger über die Absperrbänder hinweg und bis der Wachhabende sich umgedreht hatte, schnaufte er 50 cm an der Bombe vorbei. Die war jedoch scheinbar nicht schweißaktiv geschaltet.

Diese Blöße wollte sich die Polizei nicht noch einmal geben. Das bekam die zweite Joggerin, die mit zwei riesigen grünen Kopfhörern bestückt war, zu spüren. Denn da half kein Rufen und kein Flehen, sie joggte einfach weiter auf Bombe und Roboter zu. Der Kollege in Uniform rannte ihr hinterher und zog sie kräftig an der Schulter. Die grünen Kopfhörer waren nun stark infarktgefährdet, aber laufen ist offenbar gut für die Konstitution. Sie hat es überlebt.

Daraufhin konnte der Kollege von R2D2 endlich loslegen. Wer nun gedacht hat, dass da ein filigranes Herantasten an das mysteriöse Paketobjekt erfolgt, sah sich allerdings um seine Kino-Illusionen betrogen. In Hollywood folgt dann die Großaufnahme auf Tom Cruise am Schalthebel, ein letzter Zupfer am Kabel, die schweißnasse Hand am Regler und weit aufgerissene Augen und musiklose Stille und - nöö, nüscht: Robbitobbi hat das Ding einfach runtergehauen und wenn es nicht explodiert, dann ist es eben keine Bombe. Es war keine Bombe.

Puuuuh. Und sie wissen jetzt endlich, warum der Newsletter letzte Woche etwas später kam.

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