Kein PDF in Office 2007

22.06.2006
Microsoft will PDF-Unterstützung in das neue Office 2007 integrieren - Adobe fürchtet Microsoft-Monopol und schätzt doch den Wettbewerb ...

Wussten Sie, dass Microsoft im neuen Office 2007 den unkomplizierten PDF-Export anbieten möchte? Nun drohte Adobe deshalb dem Unternehmen mit einer Kartellklage - aus Angst vor einem neuen Monopol Microsofts. Adobe forderte hierzu Microsoft auf, die PDF-Export-Funktion als kostenpflichtiges Zusatzprodukt anzubieten. Doch Microsoft will diese Möglichkeit seinen Kunden kostenlos zur Verfügung stellen. Nachdem nun alle Verhandlungen gescheitert sind, nahm auch Adobe öffentlich Stellung und begründete seine Bedenken. Allerdings strebt man kein Verfahren an, weil Innovation und Wettkampf begrüßt werden.

Verhandlungen hinter den Kulissen

Am 2. Juni wurde durch einen Artikel des Wall Street Journal publik, dass die beiden Unternehmen Adobe und Microsoft seit vier Monaten hinter den Kulissen bereits darüber diskutieren, wie eine PDF-Exportfunktion in das neue Office 2007-Paket eingebunden werden könnte. Bereits im letzten Jahr kündigte allerdings Microsofts Office-Programm-Manager Brian Jones in seinem Blog an, dass die neue Office-Version (Codename "Office 12") Adobes PDF-Format nativ unterstützen solle. Microsoft wollte damit der Forderung nachkommen, dass die in Office erstellten Dokumente plattformunabhängig auch über längere Zeit durch einen PDF-Export gesichert werden können. Adobe forderte jedoch nach Bekanntwerden dieser Tatsache, dass Microsoft den PDF-Export aus dem Office-Paket ausbauen und nur kostenpflichtig anbieten solle. Adobes Geschäftsführer, so eine Sprecherin, sei nämlich der Ansicht, dass Microsoft nur wieder einmal sein Monopol in der Softwarebranche missbrauchen wolle.

Verhandlungen gescheitert: Kartellklage?

Nachdem nun kein Übereinkommen auszuhandeln war, richtete sich Microsoft an die Presse. Dem Wall Street Journal gegenüber erklärte Chefjustiziar Brad Smith: "Adobe droht mit einer Wettbewerbsklage, falls Microsoft nicht einer Preiserhöhung für die Software zustimmt, die es Microsoft Office-Anwendern erlaubt, Dokumente im Adobe PDF-Format zu speichern." Man sei aber nicht gewillt, ein eigentlich in jedem Programm frei verfügbares Tool kostenpflichtig anzubieten. Denn Adobe stellt die PDF-Spezifikation allen anderen Software-Entwicklern zur freien Verfügung, so dass diese die Formatunterstützung mit in ihre Programme einbauen können. Adobe hingegen sieht sich nicht in der Rolle des Anklägers, sondern des Opfers: "Wir haben unsere Sorgen in der Sache offen dargelegt, sowohl gegenüber Microsoft, als auch gegenüber einer Anzahl von Wettbewerbsbehörden rund um die Welt", sagte Holly Campbell von Adobe. Diese Sorgen betreffen vor allem den Markt für Acrobat, um den sich Adobe bei einer Integration in Office zu ängstigen scheint.

Adobe zu aggressiv?

Doch diese Sorgen scheinen vielen Beobachtern überzogen. Schließlich ist in Corels Word Perfect Office X3 bereits ein PDF-Export ebenso integriert wie in OpenOffice. Corels Anwendung ist sogar in der Lage, PDFs zu importieren, so dass diese im Anschluss weiterbearbeitet werden können. Gegen diese Integration von PDF aber wurde von Seiten Adobes bislang nicht vorgegangen. So scheint es denn eher eine private Fehde zwischen dem Geschäftsführer von Adobe und Microsoft zu sein, wenn es darum geht, den PDF-Export in Office zu unterbinden. Umso erstaunlicher aber ist auch das Entgegenkommen und die öffentliche Bekanntmachung desselben seitens Microsoft. Schließlich gab das Unternehmen zumindest bei der Ausgliederung der Funktion in ein extra zu erhaltenes Softwaretool klein bei und wird den PDF-Export nicht in Office 12 integrieren. Stattdessen bietet Microsoft die PDF-Ausgabe nur als Plug-In zum Nachrüsten an - das aber kostenlos. Und Entwickler Brian Jones versicherte in seinem Blog, dass Office 2007 damit absolut dem Standard entsprechende PDF-Dateien erstellen könne.

Adobe widerspricht Gerüchten

Nachdem der Bericht des Wall Street Journal derart hohe Wellen schlug, äusserte sich nun auch Adobe ganz offiziell zu seinem Vorgehen gegen Microsoft und gab MacWorld UK ein Interview, "um weitere Hintergründe und Klarheiten darzulegen". Denn, so Adobe weiter, "der wahre Diskussionsgrund ist der Schutz eines offenen Standards." Denn nur weil Adobe den PDF-Standard öffentlich zur Verfügung stellte, konnte er sich tatsächlich als Standard etablieren. "Dieser Standard aber darf nicht unterwandert werden". Und gerade das Unterwandern von "Cross Plattform Technologien" habe Microsoft in den vergangenen Jahren mit seiner Monopolstellung des öfteren unter Beweis gestellt. Deshalb warnt Adobe: "Microsofts Ansinnen ist es, nicht von Microsoft kommende Standards zu etwas eigenem zu machen und zu erweitern." Deshalb befürchtet Adobe, dass Microsoft etwas ähnliches auch mit dem PDF-Standard vor habe und damit seine Monopolstellung ausnutze. Dennoch will Adobe, so das offizielle Statement, keine rechtlichen Schritte einleiten gegen Microsoft: "Adobe heißt Innovation und Wettbewerb willkommen. Wir sind uns sicher in unseren Fähigkeiten, Innovation voranzutreiben und den Konkurrenzkampf erfolgreich durchzuführen."

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