Je neuer desto hält es: Das Altern von Fotos

28.03.2019
Der Mensch wird immer älter. Die Fotos jetzt auch. Zumindest wenn man die richtigen Verfahren nutzt und sie ordentlich archiviert. Ganz gleich ob analog oder digital.

Diese Entwicklung geschieht mehr im Verborgenen. Letztlich halten sich die Hersteller erstaunlich zurück, wenn es darum geht, Fortschritte bei der Haltbarkeit von Fotografien zu promoten.

Erstens sind die Tests und Berechnungen kompliziert und entsprechend schwierig auf plakative Jahreszahlen in Sachen Haltbarkeit herunterzubrechen.

Und zweitens will die Industrie ja nicht, dass wir das Vertrauen in die Haltbarkeit generell verlieren. Dabei war die Lebenserwartung von Farbfotos noch nie so hoch wie heute.

Der C-Print legt zu

Wie lange hält denn nun ein Foto gerahmt an der Wand, wenn ich es aus dem Labor abhole? Zwei Jahrzehnte hat sich kaum etwas getan.

Das chromogene Farbpapier, das von seinem Wesen her ganz klassisch analog arbeitet, belichtet und in der Chemie entwickelt werden muss und heutzutage doch zum überwiegenden Teil von digitalen Daten per Ausbelichter gefüttert wird, hat seit Ende der 1990 Jahre bei Fuji eine Haltbarkeit von 40 Jahren unter „Galeriebedingungen“.

Das ist viel besser als früher, besser als Kodak sowieso, doch schlechter als bei Inkjetpigmentprints. Und langsam kommen die ersten teuer verkauften Abzüge in ihr kritisches Alter. Schade.

Doch nun hat Fuji den Kunstmarkt auch technisch entdeckt und ein neues Papier mit dem Fujicolor Crystal Archive Professional Paper Maxima herausgebracht, das über eine höhere Maximaldichte und eine deutlich verbesserte Haltbarkeit verfügt. Nur wie?

Irgendwie simple, irgendwie clever: Fuji hat den Schichtaufbau schlicht verdoppelt. Mehr Farbschichten sind dichtere Farben, sind haltbarere Farben. Und dicker ist das Papier auch noch. Es lohnt sich also beim Dienstleist genauer nachzufragen, mit welchem Material er arbeitet.

Quelle: fotopioniere.com

Was die Zahlen sagen

Fuji spricht von einer um 40 % verbesserten Haltbarkeit und hält sich doch mit Jahreszahlen zurück. Denn die Tests der Japaner sind zwar wissenschaftlich korrekt und beweisen die Verbesserung, doch gleichzeitig sind die Jahreszahlen nicht so hoch, wie die der bisherigen Papiere beim bekanntesten Testinstitut Wilhelm Research. Hmh, wie das?

Grundsätzlich beruhen all die Haltbarkeitstests auf einer hyperintensiven Beleuchtung, die nach einer gewissen Zeit zu ausgebleichten Farben und Farbstichen (weil die einzelnen Farbstoffe und Pigmente unterschiedlich altern) führen.

Anschließend kann man die Dauer bis zu einer merklichen Verschlechterung in normales Betrachtungslicht von zwölf Stunden täglich bei – ordentlich hellen - 450 lux umrechnen („Galeriebedingungen“). Wobei es auch das Klima im Raum zu berücksichtigen gilt. Und die Rahmung sowieso.

Ganz exakt wird niemand diese Bedingungen zu Hause haben und doch lässt sich so die Größenordnung der Haltbarkeit gut einschätzen. Außerdem kann man im direkten Vergleich das haltbarste Verfahren ermitteln.

Dummerweise zeigen allerdings auch unterschiedliche Testlampen unterschiedliche Werte und eine verbindliche ISO-Norm zu derartigen Tests lässt schon über 20 Jahre auf sich warten. So kommen unterschiedliche Institute immer wieder zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Quelle: fotopioniere.com

Das Haltbarere ist des haltbaren Feind

Wenn der C-Print immer besser wird, dann schwinden die Vorteile des Inkjet-Fotos dahin. Das sollte man meinen, doch auch Entwickler bei Epson und HP machen da offensichtlich einen guten Job.

So hat Epson mit der letzten SureColor-Generation die eigenen Werte deutlich verbessert. Mit den meisten Papieren schaffen die neuen Tinten nach neusten Tests aus dem Februar 2019 nun in Farbe über 100 Jahre unter Galeriebedingungen.

In Schwarzweiß halten die Erbstücke dann sogar mehr als doppelt so lang. Offensichtlich wurden da die Schwachstellen – etwa beim Gelbigment – erfolgreich beseitigt und die verbesserte Maximaldichte hat konservatorisch praktische Kolateralschäden.

Noch besser schneiden übrigen die HP Pigment-Printer ab, doch die beschränken sich auf Rollenformate ab 61 cm. So ein Möbelstück ist für das heimische Wohnzimmer eher uninteressant.

Quelle: fotopioniere.com

Alles besser? Fast alles!

Nicht ganz so eindeutig ist die Lage beim Fotoweltmarktführer Canon. Dort hat man bei den bei Fotografen so beliebten DIN-A2-Pigmentprintern in den letzten Jahren erfolgreich den Marktführer Epson attackiert.

Doch der Canon Pro 1000 zeigt widersprüchliche Haltbarkeitswerte. Bei Wilhelm Research sind die Werte schlechter geworden und nun im Gegensatz zu früher hinter Epson zurückgefallen, während bei dem Schweizer Institut Aardenburg der Canon meistens besser abschneidet.

Was müssen Haltbarkeitsfragen auch immer so kompliziert sein? Zumindest sind auch die schlechteren der hier aufgeführten Werte immer noch so gut, dass das nicht mehr unser Thema, sondern das unserer Erben ist.

Falls wir bei Rahmen und Archivboxen ordentlich vorsorgen und Säuren und Lösungsmitteln außen vor lassen, aber das ist eine andere Geschichte.

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