Haltbarkeit von Fotografien - Teil 2

12.05.2016
Nach der Haltbarkeit von Prints im ersten Teil geht es nun um die Haltbarkeit der Ausgangsmaterialien. Welches Leben haben Filme und Datensätze noch vor sich?

Auch wenn die Umsätze bei den Bildagenturen nicht gerade steil nach oben ragen, kann die Sicherheit des eigenen Archivs für viele Fotografen durchaus eine existenzielle Frage werden. Nur was noch da ist, lässt sich auch vermarkten. Das gilt für Negative genauso wie für Tiffs. Doch die analoge und digitale Fotografie kämpfen da mit unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen. Manchmal kann das Negativ sogar die Lösung für das Tiff sein – und umgekehrt.

Die Tests

Ein Farbdia im Querschnitt unter dem Mikroskop. Da die drei Schichten unterschiedlich altern, entsteht im Laufe der Zeit ein Farbstich. Quelle: Kesberger

Während bei Prints für die Wand in Galerie, Museum und Wohnzimmer meist die Frage im Zentrum steht, wie sie gegen Ausbleichen geschützt sind, geht es bei den Filmen und Negativen stets um die Dunkellagerung. Das Licht spielt außer bei Dias für die Projektion keine Rolle. Auch moderne ISO-Normen greifen da gerne auf das Prinzip der Arrhenius-Gleichung zurück. Da man ja nicht 500 Jahre warten kann, bis der Polyesterfilm zerfällt, altert man ihn bei verschieden hohen Temperaturen und verlängert dann anschließend die Gerade der Messwerte in Richtung Zimmertemperatur. Das lässt sich für DVDs genauso nutzen wie für Dias.

Die besten Filme

Negative müssen zum Glück nicht dauernd umkopiert werden. Es braucht allerdings Archivmaterialien mit Photographic Activity Test. Quelle: Kesberger

Das älteste Material, das wir kennen, der gute alte Schwarzweißfilm, ist hier auch gleich das beste. Allerdings nur, wenn wir auch auf die sehr seltenen Materialien mit Polyesterträger zurückgreifen, der nur bei Planfilmen für Plattenkameras selbstverständlich geworden ist. Die lange Zeit besten Farbmaterialien sind dagegen vom Markt verschwunden. Der Ilford Micrographic Farbmikrofilm kam auf ähnliche Werte, wurde aber Insolvenzopfer des schweizer Ilford-Inkjetwerks. Während der Micrographic nur zum Kopieren verwendet wurde, kann man mit dem zweitplatzierten Diafilm auch ganz normal fotografieren. Doch dem legendären Kodachrome wurde der Absatzrückgang und der aufwändige Entwicklungsprozess zum Verhängnis. In Alterungstests kam er auf 206 Jahre, während ein noch erhältlicher Fuji Velvia sich mit 65 Jahren zufrieden geben muss.

Das digital-analoge Hin und Her

Gerade das Schwarzweißergebnis macht das Filmmaterial besonders interessant. Manche Dienstleister bieten im Farbauszugsverfahren auch die Archivierung von Farbbildern an. Sogar digitale Daten können so archivsicher aufbewahrt werden. Auch Printverfahren, die vorrangig zum Ziel haben, einen klassischen, nasschemischen Barytabzug von der Graustufenbilddatei zu erstellen, bieten als Nebeneffekt eine besonders haltbare Negativvorlage.

Die Frage des Trägers

Für Ottonormalfotograf und die Bestände unserer Eltern und Großeltern ist die Frage des Trägers dagegen von besonderer Bedeutung. Das Bildsilber selbst hat ein sehr großes Potenzial. Durch Goldtonungen oder Selentonungen lässt sich das noch steigern. Doch das nützt alles nichts, wenn sich die Unterlage auflöst. Die weit verbreiteten Zellulosetriacetat-Träger können im Laufe der Zeit Essigsäure abspalten und sich so selbst zerstören. Da ist unser kulturelles Erbe durchaus in Gefahr. So sehr, dass auch hier der hybride Weg eine Lösung sein kann. Wer seine Filme scannt und die Originalnegative sicher archiviert, kann der Zukunft relativ entspannt entgegensehen.

Die digitale Zukunft

Auch CDs halten länger, wenn sie richtig archiviert werden. Quelle: monochrom

In den Alterungstests schneiden verschiedene DVD- und Blue-Ray-Formate hervorragend ab, während die Durchschnitts-CD mit drei bis 20 Jahre keine Begeisterungsstürme erzeugt. Doch auch für Spezialprodukte wie die M-Disc oder die JVC-Archiv-DVD gilt, dass in 50 Jahren dann auch noch ein entsprechendes Abspielgerät vorhanden sein muss. Das digitale Archiv erfordert immer Aufwand. Rechtzeitig umkopiert sind digitale Datensätze theoretisch unendlich haltbar, doch wer die Warnleuchten an seinem RAID-Laufwerk dauerhaft übersieht, dem nutzen auch die höheren Ausgaben für's eigene Archiv nichts mehr. Datensätze nur auf einer einzigen Festplatte zu lagern, ist angesichts einer durchschnittlichen Lebensdauer von fünf bis zehn Jahren schon sehr optimistisch.

 

Zum Teil 1: Die Haltbarkeit von Prints

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