H. Zapf feiert 90. Geburtstag

11.12.2008
Einer der bekanntesten und prägendsten Typografen hat in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag gefeiert. Gelegenheit, um auf das Schaffen und Wirken von Herrmann Zapf zurückzublicken.

Typograf, Kalligraf, Autor, Lehrer und Professor: Hermann Zapf hat viele Berufe und Berufungen. Bekannt ist er vor allem für seine Schriftkreationen. Mehr als 200 Fonts hat der Gestalter bis heute entworfen. Federführend war er auch bei der Verarbeitung von Schriften am Computer. Am 8. November 2008 konnte er seinen 90. Geburtstag feiern.

Erste Stationen

Der 1918 in Nürnberg geborene Hermann Zapf hatte zunächst den Wunsch, Elektroingenieur zu werden. Diesem Traum machte jedoch das nationalsozialistische Regime einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen absolvierte er eine Lehre als Retuscheur und ließ sich 20-jährig in Frankfurt am Main als selbstständiger Schriftgrafiker und Kalligraf nieder. Bereits 1938 entwarf er mit der „Gilgenart“ auch seine erste Schrift. Während des zweiten Weltkriegs zeichnete Hermann Zapf Karten und geriet in französische Gefangenschaft. Aufgrund seines angeschlagenen Gesundheitszustands durfte er jedoch vier Wochen vor Kriegsende nach Hause.

Bei der D. Stempel AG

Nach dem Krieg erhielt Hermann Zapf ein Stellenangebot der D. Stempel AG. Zwischen 1947 und 1956 war er der künstlerische Leiter des Unternehmens, das später in der Linotype-Gruppe aufging. In den Jahren 1948 bis 1950 arbeitete er darüber hinaus als Dozent für Typografie an der heutigen Hochschule für Gestaltung Offenbach. Des Weiteren war der Gestalter als Grafiker im Buchdesign für verschiedene Verlagshäuser tätig. In dieser Zeit entstanden weitere Schriften, darunter die Fonts Palatino, Aldus und Optima.

Zurück in die Selbstständigkeit

Ab 1956 war Hermann Zapf wieder selbstständig. 1960 arbeitete er als Kalligraf beispielsweise an der Präambel der Charta der Vereinten Nationen für die Pierpont Morgan Library in New York.

Schriften am Computer

Früh interessierte sich der Gestalter auch für die Verarbeitung von Fonts am Computer. Zunächst wurde er für seine Weitsicht noch belächelt; schon bald wurde ihm eine Professur in den USA angeboten, die er jedoch ablehnte. Zwischen 1972 und 1981 war er als Dozent an der Technischen Universität Darmstadt beschäftigt. 1976 nahm er zusätzlich eine Professur am Rochester Institute of Technology für computergestützte Typografie an – es war der erste Lehrstuhl dieser Art.

Die eigene Firma

1977 gründete Hermann Zapf gemeinsam mit Aaron Burns und Herb Lubalin die Firma Design Processing International. Sie sollte Typografie-Programme entwickeln. 1987 entstand daraus die Firma Zapf, Burns & Company. Nach dem Tod von Aaron Burns 1991 wurde die Firma geschlossen. Zapf blieb der Typografie am Computer jedoch treu und entwickelte gemeinsam mit URW Software & Type ein Programm, dessen Algorithmen in Adobe InDesign Verwendung gefunden haben.

Schriften

In den vergangenen Jahren baute der Typograf seine erfolgreichsten Schriften nach und nach aus. Dazu gehören die Optima Nova, die 2002 entstand, die Palatino Nova aus dem Jahr 2005 sowie die Zapfino Extra von 2003. Zu den weiteren erfolgreichen und bekannten Fonts des Gestalters zählen die ITC Zapf Chancery, Aurelia, Kompakt und Orion. Bis heute ist Hermann Zapf als Schriftgestalter für Linotype tätig. Gemeinsam mit seiner Frau Gudrun Zapf-von-Hesse, die dieses Jahr ebenfalls 90 wurde, lebt er in Darmstadt. Die Schriften Palatino, Optima und Melior bezeichnet er selbst als seine „Favoriten“.

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