Grenzgänger

07.12.2005
Das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité zeigt künstlerische und kreative Arbeiten psychiatrieerfahrener Menschen.

Noch bis 2. April 2006 zeigt die Ausstellung "Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie" im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité Gemälde und Grafiken von fünf Künstlern, die an psychischen Störungen litten. Ihre Arbeiten gewähren einen Einblick in die Vielfalt und Originalität kreativer Schöpfungen, die als Ausdruck existentieller Lebenskrisen entstanden sind.

Buch "Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie"

Welche Bedeutung hat eine psychiatrische Erkrankung des Künstlers für die Beurteilung seiner Werke? Dieser Thematik widmete sich der Kölner Nervenarzt und Psychoanalytiker Dr. Hartmut Kraft mit seinem Buch "Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie" (erschienen im Deutschen Ärzte-Verlag, Köln 2005), das einen Überblick über Entwicklung und aktuellen Stand der interdisziplinären Diskussion gibt. Anhand von Fallstudien zeigt der Autor detailliert die Zusammenhänge zwischen Lebens- und Krankheitsgeschichte und dem bildnerischen Werk eines Künstlers. Zeitgleich sammelte er Werke psychiatrieerfahrener Künstler, die Kunst im Kontext von Biografie, Krankheit und Gesellschaft deutlich aufzeigen.

Ausstellung "Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie"

Die derzeit im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité gezeigten Werke der gleichnamigen Ausstellung stammen aus der Sammlung von Dr. Hartmut Kraft. Sie sollen dabei helfen, die Kunst psychiatrieerfahrener Patienten zu verstehen. Dabei greift der Sammler die Ideen der "Bildnerei der Geisteskranken" von Hans Prinzhorn (1922) auf und führt sie bis in die aktuelle Diskussion fort. Denn die Konzepte des Mediziners und Kunsthistorikers Hans Prinzhorn (1886-1933) und die von Jean Dubuffet (1901-1985) geschaffene Begrifflichkeit der "Art Brut" rückte bereits Anfang des 20 Jahrhunderts das künstlerische Schaffen psychisch Kranker und anderer gesellschaftlicher Außenseiter/innen in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Gezeigte Künstler

Gezeigt werden die Werke von Friedrich Schröder-Sonnenstern, Blalla W. Hallmann, Gustav Mesmer, Karl Junker und Theo. Sie alle hielten sich zeitweise oder auch längerfristig zur Behandlung in psychiatrischen Kliniken auf oder führten - wie im Fall Karl Junkers (1850-1912) - ein selbst gewähltes isoliertes Leben. Junker machte sich den Bau und die Innenausstattung seines Wohnhauses in Lemgo zur Lebensaufgabe. Je weiter das Projekt voranschritt, desto mehr verschloss er sich gesellschaftlicher Kontakte. Gustav Mesmer (1903-1994) und Theo (1918-1998) begannen während langjähriger Klinikaufenthalte, sich intensiv künstlerisch zu betätigen. Unbeirrbar suchte Gustav Mesmer seinen Traum vom Fliegen zu verwirklichen, Theo favorisierte buntfarbige Darstellungen von Märchen, biblischen Szenen und historischen Persönlichkeiten. Als Friedrich Schröder-Sonnenstern (1892-1982) in den fünfziger Jahren seine unverwechselbare erotisch-groteske Bildsprache entwickelte, knüpfte er an zeichnerische Erstversuche in der Landes-Heil- und Pflegeanstalt Neustadt in Holstein an. Blalla Hallmann (1941-1997), wie Karl Junker ausgebildeter Künstler, zeichnete während den akuten Phasen seiner Psychose. Er machte die Erkrankung mehrfach zum Bildgegenstand, am eindringlichsten in seinem Lebensrückblick, der 150 Blatt umfassenden Linolschnittfolge "Curriculum Vitae" (1995).

Ausstellungsorte

Noch bis 6. April 2006 wird die Ausstellung "Grenzgänger zwischen Kunst und Psychiatrie" im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité auf dem Campus Charité Mitte, Schumannstr. 20/21, gezeigt. Geöffnet ist die Ausstellung Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 17 Uhr, Mittwoch von 10 bis 19 Uhr und Samstag und Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Montag und an Feiertagen ist geschlossen. Der Eintritt kostet 4 EUR für Erwachsene, ermäßigt 2 EUR.

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