Fusion verzögert sich

03.08.2005
Eigentlich für Juni vorgesehen verzögert sich die Übernahme Macromedias durch Adobe wegen Problemen mit der US-Justizbehörde ...

Die für Juni vorgesehene Übernahme Macromedias durch Adobe verzögert sich bis Ende September. Durch die Fusion entstehe ein Software-Gigant, der vor allem im Bereich Web und Grafik ein Quasi-Monopol inne habe, meinte das US-Justizministerium und stellte nun zur Klärung eine zweite Anfrage an die Unternehmen. Mit der Frist von 30 Tagen zur Beantwortung verlängert sich auch die Fortsetzung der Übernahme. Allerdings gehen Industriekreise davon aus, dass man dieser erst zustimmt, wenn Macromedias FreeHand ausgegliedert wurde.

Fusions-Prüfung dauert an

Bereits im März ging ein Raunen durch die Reihen der Kreativbranche, denn Adobe kündigte an, die Firma Macromedia für rund 3,4 Milliarden US-Dollar im Rahmen eines Aktientauschs zu übernehmen. "PDF heiratet Flash" hießen damals die Schlagzeilen und viele wunderten sich schon damals, dass Adobe den Vollzug der Fusion zwar erst für Herbst planten, als einzigen potentiellen Hinderungsgrund allerdings die Zustimmung der Aktionäre beider Firmen sahen. Die Aufsichtsbehörden müssten schließlich nur prüfen, ob es kartellrechtliche Bedenken gegen den Zusammenschluss gäbe, was Adobe als nicht gegeben sah. Inzwischen aber forderte das U.S.- Justizministerium zum zweiten Mal Adobe und Macromedia auf, weitere Informationen zur Übernahme zur Verfügung zu stellen. Speziell die Web- und Grafik-Bereiche beider Firmen nehmen die Wettbewerbshüter besonders unter die Lupe. Ursprünglich sollte der Bericht des Kartellamts bereits Ende Juni vorliegen, doch mit jeder erneuten Anfrage wird die Frist zum Abschluss der Prüfung um weitere 30 Tage verlängert. Die Fusions-Prüfung dauert also weiter an.

Wird FreeHand ausgegliedert?

Marktbeobachter meinen indes, dass die Zustimmung der Übernahme nur dann durch das US-Justizministerium erfolgen werde, wenn aus dem Zusammenschluss das Grafikprogramm FreeHand ausgegliedert werde. Denn neben FreeHand gäbe es auf dem Markt Bereich der vektorbasierten Bildbearbeitung nur ein ernst zu nehmendes Konkurrenzprodukt: Adobes Illustrator. Mit beiden Tools im Programm würde Adobe eine absolute Monopol-Stellung in diesem Markt einnehmen. Eine Tatsache, die das Kartellamt nicht akzeptieren wird. Anders sieht dies im Bereich Web-Authoring aus; hier gäbe es ausreichend Alternativen. Aus diesem Grund stellten die Wettbewerbshüter der USA eine weitere Anfrage und forderten weitergehende Informationen bei den Unternehmen an, die der Öffentlichkeit darauf hin mitteilten, dass "die Bereiche Web-Authoring- und Grafik-Software dabei im Mittelpunkt" stünden und dass dieser Vorgang absolut normal sei.

Verzögerung mit Gewinn

Mit jeder erneuten Anfrage der Behörden verlängert sich die Frist zum Abschluss der Prüfung um 30 Tage, wodurch sich die Fortsetzung der Fusion ebenfalls entsprechend verzögert. Doch scheint es, dass zumindest Macromedia von dieser Entwicklung profitiert. Denn obwohl oder gerade weil die Übernahme mit einem finanziellen Volumen von 3,4 Milliarden US-Dollar weiterhin im Herbst vollständig abgeschlossen sein soll, kann Macromedia erstmals wieder auf schwarze Zahlen verweisen. Kurz vor der bevorstehenden Übernahme erwirtschaftete das Unternehmen ein Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr von über 13 Millionen US-Dollar, der Nettogewinn betrug 15,2 Millionen US-Dollar. Im vorhergehende Quartal war noch ein Verlust von 2,3 Millionen US-Dollar angefallen. Und auch für das laufende und wahrscheinlich letzte Quartal von Macromedia werden Umsatzsteigerungen vorausgesagt. Ein Schelm, der dabei Böses und an mögliche Gewinnmitnahmen denkt.

Kreativbranche sieht Nachteile

Einzig die Kreativbranche scheint die Tatsachen der Übernahme zu erkennen. Das durch den Zusammenschluss von Macromedia und Adobe entstehende Quasi-Monopol hätte nämlich zur Folge, dass alle wichtigen und für die Branche relevanten Anwendungen aus einer Hand kämen. Nur XPress und CorelDraw stünden dem dann noch entgegen. Deshalb erwarten auch einer neuesten Umfrage der Zeitschrift "Page" zufolge 63 Prozent der Befragten eine Verschlechterung der Marktangebots der Kreativ-Software und nur 33 Prozent sehen in der Fusion auch die Chance, bessere Tools und einen besseren Workflow zu erhalten. Wahrscheinlicher aber ist, dass der überwiegende Teil der bislang von beiden Herstellern entwickelten Programme dem jeweiligen Konkurrenzprodukt weichen muss. Das sehen zumindest 27 Prozent so kommen.

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