Analogie digital

07.11.2019
Wie analog darf das Bedienkonzept einer Digitalkamera sein? Wieviel Optik verträgt ein Digital Native? Die nagelneue Fuji X-Pro 3 stellt neue Fragen an die Fotografie. Und nicht nur sie.

Angesichts geringer werdender technischer Unterschiede wird das Bedienkonzept einer Kamera scheinbar immer wichtiger. Am ausgestreckten Arm ist schon so manches Foto verhungert.

Einer der größten Unterschiede zwischen einem Smartphone und einem „richtigen“ Fotoapparat ist der Blick auf das Display im Gegensatz zum Blick durch den Sucher. Wenn man ihn denn nutzt.

Um diese Anwendung zu unterstützen, hilft sanfter Zwang. Der japanische Hersteller Fuji hat bei der neuen X-Pro 3 das Display versteckt.

Im Normalfall leuchten hinten nur die eingestellten Kamera-Funktionen oder – noch pfiffiger – die Filmsimulation, so wie früher die eingesteckten Filmverpackungsschnipsel als Erinnerung an den eingelegten Film.

Doch den Anwender vom Display wegzuführen haben schon ganz andere versucht – nicht immer mit Erfolg.

Quelle: Fuji

Der optische Sucher

Die analoge Fotografie boomt nicht nur in der Nische, sie hat auch einen Imagevorteil. Als der deutsche Fotograf Florian W. Müller nach der Wahl Trumps sein Hotel in New York mitten in den täglichen Demos hatte, machte das spontane Fotografieren mit der großen Nikon Spiegelreflex keinen Spaß. Da wichen die Demonstranten nur zurück.

Erst als er die kleine Olympus Pen F herausholte, die ganz auf Retro gestylt ist, war er mitten drin im Geschehen und alle ließen sich gerne fotografieren: „Is this analogue?“

Wird die Kamera noch kleiner, verzichten die Hersteller auch gerne mal – ob mit oder ohne Retro – ganz auf den Sucher. Oft auch schlicht aus Kostengründen. Die Klientel im Einsteigersegment ist es ja eh nicht anders gewohnt. Doch zumindest bei Festbrennweiten hat man ja noch die Alternative, einen optischen Aufstecksucher zu verwenden.

Ricoh bietet den etwa zur Kultkamera GR III gleich selbst mit an. Und wenn er drauf steckt, kann man gar nicht von ihm lassen, obwohl er so gar keine Zusatzinformationen über Autofokusfelder und Belichtungszeiten liefert. Aber man ist eben mittendrin und nicht mehr auf Armabstand.

Quelle: Kesberger

Kameras ganz ohne Display

Allerdings hat ein rückwärtiges Kameradisplay ja meistens zwei Funktionen: Man kann es zum Fotografieren benutzen und danach zur Bildbetrachtung. Entsprechend sind die Folgen, wenn man es kappt. Zwei Anbieter haben dies in der Vergangenheit schon mit radikalen Konzepten versucht. Mehr oder weniger erfolglos.

Leica hat diesen Ansatz 2016 mit der M-D umgesetzt. Da fehlte das Display komplett und war wie bei den analogen Ms durch eine ISO-Einstellrad ersetzt. Analoger war digital nie, auch wenn mehr als 36 Bilder auf die Speicherkarte passten.

Die Bilder kann man sich dann erst zuhause am Rechner angucken. Da sollte man vorher schon wissen was man tut. Offensichtlich fehlte selbst der anspruchsvollen Leica-Kundschaft dieses Selbstvertrauen. Im aktuellen Programm finden sich zwar zahlreich M-Versionen, aber alle mit Bildschirm.

Noch radikaler war das Startup Relonch aus dem Silicon Valley. Dort mietete man nur die Kamera und bekam am nächsten Tag nach dem Hochladen seine bearbeiteten Bilder zurück. Vorher konnte man sie nicht angucken.

Trotz eigener Stores blieben auch hier die Kunden aus und Relonch konzentriert sich nun auf den attraktivsten Teil des Konzepts, eine App, die die Bildaufbereitung in Richtung Hollywood-Licht von Handy-Fotos verspricht und vor der normativen Kraft des Smartphone-Faktischen kapituliert. Kamera-as-a-Service (und ohne Display) ist vorbei.

Quelle: Fuji

Der Fuji Kompromiss

Das hat man bei Fuji verstanden. Ganz ohne Display will der Kunde nicht fotografieren. Dann könnte er ja gleich analog arbeiten. Was immer mehr tun, nur eben nicht mit neuen Kameras. Es gibt ja – fast – keine mehr.

Also hat Fuji bei der Fuji X-Pro 3 das Display versteckt, auf dass man es nur herausholt, wenn man es wirklich braucht. Schließlich bietet der einzigartige Hybridsucher auch ein attraktives Alternativangebot.

Entweder ist er rein digital, wie bei den meisten anderen Spiegellosen. Oder man nutzt den optischen Sucher, der statt der extrem aufwändigen und anfälligen Messsucher-Technologie à la Leica zum Scharfstellen auf ein kleines digitales, vergrößerndes Zusatzfenster zurückgreift.

Da das sonstige Bedienkonzept mit Zeitenrad, Blendenring und Belichtungskorrekturrad eh schon sehr klassisch analog angehaucht ist, ist das kleine Film-Simulations-Display auf der Rückseite ein schöner Gag, der selbst abgeschaltet noch zeigt, was an der Kamera eingestellt ist.

Allerdings ist es vom Stativ je nach benutztem Kopf manchmal gar nicht so einfach, das nur nach unten wegklappbare, eigentliche Display auch wirklich einzusehen. Es darf halt nichts im Weg sein.

Das geht bei den seitlich angeschlagenen Screens einiger anderer Kameras etwa von Olympus, Panasonic und Canon leichter. Und dort lässt sich ja auch jederzeit einfach eine displaylose Rückseite nutzen, wenn man es zum Schutz wegklappt. Wer will sich schon von seinen eigenen Bildern beim Fotografieren ablenken lassen.

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