Fotografie: Crop ohne Crop

25.04.2019
Kompaktkameras sind tot. Vom Smartphone gemeuchelt. Eigentlich. Doch es gibt sehr lebendige Ausnahmen wie die Leica D-Lux 7 mit ihrem cleveren Formatwählrad.

Wer heute noch seine Kunden überzeugen will, dass eine kleine handliche Kamera mit fest eingebautem Objektiv eine gute Idee ist, der muss mehr bieten als das Smartphone in der anderen Jackentasche.

Dann braucht es ein besseres Objektiv, einen größeren Sensor, einen hochwertigen Sucher und ein paar Ideen, die andere noch nicht gehabt haben. Wir haben die Leica D-Lux 7 ausprobiert.

Die Kompatibilitätsfrage

Um es vorweg zu schreiben: Ja, man kann das Paket auch günstiger haben. Die technisch weitestgehend baugleiche Panasonic LX 100 II gibt es nicht nur unter 1.000 Euro, sondern damit auch derzeit rund drei Hunderter günstiger als die Leica. Das ist dann auf jeden Fall vernünftiger für die Reisekasse.

Aber was ist schon in der Fotografie immer vernünftig. Wenn man die kleine Kamera als täglichen Begleiter für die nächsten Jahre auserkoren hat, dann kann man schon schwach werden, selbst wenn man es nicht darauf anlegt, das Umfeld mit dem roten Leica-Punkt zu beeindrucken.

Denn das silber-schwarze Finish der Leica wirkt doch deutlich edler und der fehlende Handgriff macht das Gehäuse wesentlich eleganter. Aber das sieht man den Fotos später vielleicht trotzdem nicht an...

Quelle: Leica

Das Objektiv

Bei einer Vollformatkamera wäre ein Objektiv mit diesen Daten sicherlich dankbar für einen Handgriff. Lichtstärke 1,7 bis 2,8 bei einer Kleinbildäquivalentbrennweite von 24 bis 75 mm müssen anderswo erst mal geschleppt werden.

Doch da hier ein Micro-Four-Thirds-Sensor werkelt und das Objektiv in der Parkstellung auch deutlich eingefahren werden kann, verteilen sich die 400 g auf wenig Volumen. Dafür muss man sich im Telebereich beschränken.

Für eine Safari ist das definitiv nicht der richtige Begleiter, aber für ein Portrait bei Offenblende hat die Kombination durchaus ein gewisses Freistellpotential. Mehr als manches Kit-Zoom einer Spiegelreflex.

Quelle: Kesberger

Der Sensor

Eigentlich wird hier ein – für eine Kompaktkamera ungewöhnlich großer – MFT-Sensor verbaut. Uneigentlich wird er nie komplett genutzt. Das hängt mit einer Besonderheit dieser Kamera zusammen.

Auch andere Modelle erlauben es, das Format und damit das Seitenverhältnis zu verstellen. Nur wird dann das Bild eigentlich nur beschnitten. Entsprechend sinkt die Auflösung.

Bei der Leica D-Lux 7 ist das anders. Egal ob 4:3, 3:2 oder gar 16:9 – immer liefert die Auflösung 17 Megapixel, weil jedesmal einer anderer Ausschnitt vom Sensor genutzt wird. Für DIN A2-Fotoausdrucke reicht das.

Theoretisch stehen auf dem Sensor 21 Millionen Pixel zur Verfügung, aber um die auch bei 4:3 zu nutzen, hätte dann auch das Objektiv etwas größer ausfallen müssen. Um diese Besonderheit zu unterstreichen, verfügt die Kamera unter dem Blendenring über ein markantes Formatwählrad. 1:1 geht dann auch, doch da sinkt dann wirklich die Auflösung. Zaubern kann die D-Lux dann doch nicht.

Quelle: Leica

In der Praxis

Auf jeden Fall führt das Wählrad in der Praxis dazu, dass man sich wieder intensiver mit dem Format der Fotografie auseinandersetzt. Ist das eher ein Landschaftsmotiv mit panoramaartigen Horizont oder doch vielleicht ein Portrait im klassischen Quadrat?

Das tut der Fotografie gut. Der Rest der Bedienung auch, vor allem wenn man noch zu Analogzeiten fotografieren gelernt hat und nicht erst mit dem iPhone.

Quelle: Kesberger

Zeitenrad, Blendenring, Belichtungskorrektur, Joystick für das Autofokusfeld. Das sitzt alles. Nur schade, dass die Brennweite per etwas träger Wippe verstellt wird. Und wer vom Handy kommt, freut sich dann über Touchscreen und 4K-Video.

Nur wenn die Smartphone-Fraktion erst gar nicht durch den elektronischen Sucher guckt, entgeht ihr schon etwas. Vom fotografischen Standpunkt aus gesehen. Allerdings ist der Sucher in Sachen Auflösung und Bildaufbau auch nicht mehr so ganz up-to-date. Aber er durfte halt auch nicht größer werden...

Doch auch mit diesem kleinen Nachteil: Eigentlich schade, dass das Kompaktkameragenre vom Aussterben bedroht ist. An dieser Reisekamera kann es nicht liegen.

 

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