Fonts mit Füßchen

08.05.2013
Serifen sind ein wichtiges Merkmal bei der Schriftklassifikation. Aber sind sie auch noch modern?

Serifen, auch Füßchen genannt, sind Linien, die einen Buchstabenstrich abschließen. Es müssen aber nicht immer Füßchen sein, auch zierende Abschlüsse wie Tröpfchen und Flämmchen im Hebräischen, Würfelfüßchen bei Frakturschriften oder Ringe im Thailändischen werden so bezeichnet. Was aber hat es mit Serifen eigentlich auf sich und wie verhält es sich heute mit ihnen zu Zeiten, in denen sich die Lesegewohnheiten stark verändert haben?

Am Anfang war der Meißel

 Quelle: Lupo / Pixelio.de


Serifen haben einen rein technischen Ursprung: Sie entstanden, als Schrift in Stein gemeißelt wurde. Meist wurde die Schrift vorgezeichnet und die Serifen wurden aufgrund der Pinseltechnik ebenfalls vorgegeben. Denn beim An- und Absetzen des Pinsels entstand jeweils ein kleiner Strich, die spätere Serife. Waren die Serifen anfangs nur ein unvermeidliches Nebenprodukt, wurden sie später bewusst zum Zierobjekt ausgebaut. In zahlreichen Schriftarten werden seitdem Serifen als Gestaltungselement genutzt.

Mit oder ohne?

Ob eine Schrift Serifen aufweist oder nicht, ist ein wichtiges Merkmal für ihre Klassifikation. In der Französischen und der Venezianischen Renaissance-Antiqua wurden die Serifen kräftig ausgeführt, waren jedoch zum Buchstabenstrich hin deutlich gerundet. In der Barock-Antiqua wirkten die Serifen feiner, in der Klassizistischen Antiqua erschienen sie nur noch als angedeutete Striche. Die serifenbetonte Linear-Antiqua, die ihre Blütezeit im 19. Jahrhundert hatte, setzte auf stark ausgeprägte Serifen, bei denen es kaum einen Kontrast in der Strichstärke gab. Gleichzeitig kamen als Gegenpol die serifenlosen Schriften auf.

Eine Frage der Lesbarkeit

 Quelle: Julien Christ / Pixelio.de


Serifenschriften wie die Times New Roman gelten als besonders angenehm lesbar vor allem in großen Textblöcken wie in Büchern. Die Serifen sollen hier den Blick des Lesers führen, die unterschiedlichen Schriftstärken gleichzeitig einer Ermüdung entgegenwirken. Immer kommt es jedoch auch auf die Lesesituation an: Bei schlechter Beleuchtung lassen sich serifenlose Schriften zum Beispiel besser entziffern. Ähnlich sieht es im Internet, auf Tablet-Computern und Smartphones aus: Hier gelten serifenlose Schriften als die erste Wahl, weil sie in kleinen Schriftgrößen einfacher gelesen werden können.

Modern vs. altmodisch?

Serifenlose Schriften gelten mittlerweile als moderner und werden daher bevorzugt verwendet. In Umfragen schneiden Serifenschriften wie die Times New Roman hinsichtlich der Beliebtheit eher schlecht ab. Es ist aber letztlich der Verwendungszweck, der entscheidet: In seriösen Tageszeitungen werden Serifenschriften quasi erwartet, während auf den entsprechenden Webportalen die serifenlosen Schriften vorherrschen. Die Frage mit oder ohne lässt sich daher nicht pauschal beantworten. Denn neben der Art der Information und der Menge des Texts gibt heutzutage vor allem das verwendete Medium den Ausschlag.

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