Wie Kameras sich selbst säubern

11.09.2014 09:00:00
Automatische Sensorreinigung und weitere Lösungen der Kamera-Hersteller.

Früher war alles besser. In der Fotografie gilt das nur sehr bedingt. Digital ist vieles einfacher geworden. Aber nicht alles. Staub ist zwar ein uralter Feind der Fotografie, doch in der Kamera war er das analog nur selten. Als der Sensor noch ein Film war, kam mit jedem Auslösen ein neuer Sensor. Staub, der etwa beim Objektivwechsel ins Kamerainnere gekommen war, wurde folglich gleich weiter transportiert. Digital hat man das nicht so einfach. Zwar kam schon 2003 das erste Stauabschüttelsystem auf den Markt, aber noch heute haben nicht alle Hersteller eine effektive Strategie zur Lösung dieses Problems gefunden.

Die Anfänge

Quelle: Olympus

In den Anfangstagen der Digitalfotografie gingen manche Hersteller dem Problem aus dem Weg, in dem sie nur Kameras fest eingebautem Ojektiv anboten. Olympus behauptet beispielsweise erst mit der Lösung dieses Problems in der Lage gewesen zu sein, wieder Wechseloptiken anzubieten. Zumindest spricht die Effektivität des Systems dafür. Zwar sind die Kameras des japanischen Herstellers im Pressecorps nur sehr gering vertreten. Dafür ist das dann auch oft der einzige Kollege, der auf der LKW-Pritsche im Wüsteneinsatz gemütlich die Linse wechselt, während die Canon- und Nikon-Kollegen nur entsetzt zuschauen.

Automatische Sensorreinigung

Bei der automatischen Sensorreinigung (DRS Dust Removal System) arbeitet Olympus mit dem sogenannten Supersonic Wave Filter (SSWF) auf Ultraschallbasis. Dieser sitzt vor dem Tiefpassfilter. Sowohl zwischen SSWF und Tiefpassfilter als auch zwischen Tiefpassfilter und Sensor sorgen Gummidichtungen dafür, dass hier kein Schmutz eindringen kann. Bei dem SSWF handelt es sich um einen Glasfilter mit einem piezoelektrischen Element, der mit Ultraschallvibrationen mit 35 kHz dafür sorgt, dass Staubpartikel beim Ein- und Ausschalten der Kamera abgeschüttelt werden und von einem unten sitzenden Klebestreifen aufgefangen werden.

Das Reinigen der Anderen

Quelle: Canon

Das Olympus-System arbeitet extrem effektiv. Beim Autor seit fünf Jahren ohne jede manuelle Sensorreinigung. Natürlich bemühten sich auch andere Hersteller um ähnliche Techniken, die aber bis heute den Technologievorsprung der Konkurrenz noch nicht aufgeholt haben. Panasonic nutzt als Lizenznehmer das Olympus-System und seit Sony der größte Olympus-Aktionär ist, muss man sich um deren Reinigungskraft auch keine Sorgen mehr machen. Bei den alternativen Systemen wird häufig der Tiefpassfilter selbst bewegt oder staubabweisend beschichtet. Die aufgekommene Mode, aus Schärfegründen den Tiefpassfilter gleich ganz wegzulassen, macht hier neue Lösungen erforderlich.

Selbst ist der Fotograf oder die Fotografin

Eine sehr einfache, aber bis zu einem gewissen Grad durchaus auch effektive Variante hat Sigma mit einem Schutzglas im Bajonett eingeführt. Der Staub verschwindet dadurch nicht, liegt aber ausreichend entfernt von der Schärfezone. Sinnvoll sind bei sensiblen Kameras natürlich auch Staubvermeidungsstrategien. Mittlerweile gibt es sogar transparente Wechselsäcke, wie man sie früher als völlig lichtundurchlässige zum Filmwechsel nutzte, um staubfrei die Optiken zu tauschen. Wenn sich Schmutzpartikel jedoch so hartnäckig erweisen, dass die eingebauten Reinigungskräfte scheitern, muss der Fotograf entweder die Kamera zum Service geben oder selbst Hand anlegen. Was man dabei zu beachten hat, finden Sie hier.

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