Was sind Egyptienne-Schriften?

14.02.2008 09:00:00
Was sich nach Pyramiden und Pharaonen anhört, ist eine Schriftart, die aus der Antiqua abgeleitet wurde. Im Englischen sind Egyptienne Schriften auch als „Slab Serif“ bekannt.

Anders als es der Name vermuten lässt, stammen Egyptienne-Schriften nicht aus dem Land der Pyramiden und Pharaonen. Sie wurden vielmehr in England entwickelt. Der Name fasst serifenbetonte Linear-Antiquas zusammen. Auf- und Abstriche zeigen sich in einer gleichmäßigen Strichstärke. Damit bilden Egyptienne-Schriften einen Gegenpart zur klassizistischen Antiqua.

In England entstanden

Der Ursprung der Egyptienne-Schriften liegt in England. Dort wurden sie Anfang des 19. Jahrhunderts konzipiert, um den gestiegenen Bedarf an auffälligen Werbeschriften zu bedienen. Vincent Figgins veröffentlichte 1815 die erste Egyptienne-Schrift. Seinen Kreationen gab er Namen wie „Ramses“ oder „Giza“. Der Ursprung der Bezeichnung „Egyptienne“ (französisch: „Die Ägypterin“) verweist nicht etwa auf die ägyptischen Schriftzeichen, sondern auf eine Modetendenz der Zeit, die in Paris nach Napoleons Ägyptenfeldzug aufkam und sich rasch in Europa und Amerika ausbreitete. Manche Quellen verweisen auch auf ein von Engländern gekapertes Schiff, das den so genannten Rosette-Stein nach London brachte. Dieser Stein wurde von Napoleons Soldaten in Ägypten entdeckt.

Merkmale

Egyptienne-Schriften zeichnen sich durch gleichmäßige Strichstärken bei Auf- und Abstrichen aus. Damit bilden sie einen Gegenpart zu übertriebenen Details. Rundungen verhindern, dass die Schriften schwerfällig wirken. Die ersten Egytienne-Schriften wurden aus der klassizistischen Antiqua abgeleitet, später von serifenlosen Schriften. Sie wurden im 19. und 20. Jahrhundert vor allem als Zeitungs- und Schreibmaschinenschriften eingesetzt, da sie der Mode der Zeit entsprachen und aufgrund ihrer Stabilität besonders geeignet für die oft minderwertige Qualität von Zeitungs- und Briefpapier waren. Technisch vorteilhaft waren die linear und tektonisch aufgebauten Schrifttypen auch für mechanische Schreibmaschinen.  Besonders lesefreundlich sind diese Schriften jedoch nicht.

Schriftklassifikation

Die deutsche Schriftklassifikation „Matrix Beinert“ nennt folgende Merkmale der Egyptienne-Schriften: gerade Dachansätze, bei der H-Linie endende Minuskeloberlängen, eckige Serifenübergänge, gerade Serifenseitenkante, auf der Grundlinie stehende Serifenkante. Alle Senkrechten, Rundungen und Serifen haben in der Regel optisch die gleichen Strichstärken. Wirkt in der Gesamtanmutung sehr konstruiert. Eine Abart der Egyptienne ist die Italienne, bei der die Serifen stark vergrößert sind.

Beispiele

Folgende fallen unter die Klassifikation „Egyptienne“: Beton, Boton, Calvert, Cairo, City, Corporate E, Egizio, Glypha, Joanna, Karnak, Lubalin Graph, Lucida Serif, Memphis, Officina Serif ITC, Pharaon, PMN Caecilia, Rockwell, Scarab, Serifa, The Serif. Im Englischen werden die Schriften auch als „Slab Serif“ oder „Square Serif“ bezeichnet. In Frankreich heißen sie „Mécanes“.

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