Vorhang auf, die zweite

11.07.2013 09:00:00
Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang sorgt für eine natürliche Darstellung der Bewegung.

Als Canon Mitte der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts Canon die T90 vorstellte, wurde nicht nur das Collani-Design eingeführt, das bis heute im Digitalzeitalter alle Modelle (nicht nur) des Marktführers prägt, sondern es gab auch eine neue Blitztechnik. Mit der TTL-Blitzautomatik realisierten die Japaner nur was andere längst boten, doch das Blitzen auf den zweiten Verschlussvorhang war ein stark beworbenes Ausstattungsfeature, mit dem damals selbst Profis kaum etwas anfangen konnten. Der Vorhang auf und alle Fragen offen. Bringen wir Blitzlicht in die Vorhangfrage.

Im Prinzip offen

Quelle: LASERLINE

Schlitzverschlusskameras und damit alle heutigen Spiegelreflex und Systemkameras im Kleinbildbereich und mit kleineren Digitalformaten haben üblicherweise eine kürzeste Zeit, bei der sie noch mit Blitz arbeiten können. Diese Synchronzeit setzt voraus, dass der Verschluss während des Blitzens ganz offen ist. Das lässt sich nur durch eine besonders lange Blitzdauer umgehen, die jedoch die nutzbare Leistung des Geräts deutlich reduziert und daher nur beim dezenten Aufhellblitzen im Tageslicht genutzt wird.

Vom Anfang und vom Ende

Der Verschluss muss also für unseren klassischen Blitzzwecke mit sehr kurzer Leuchtdauer des Blitzes daher kommt schließlich auch der Name das Motiv völlig zugänglich machen. Doch das ist er nicht nur einmal, sondern oft mehrfach. Und hier wird es spannend. Üblicherweise wird der Flash während des ersten Verschlussvorhangs ausgelöst. Für normale Aufnahmen ist das völlig unerheblich. Aber bei bewegten Objekten und etwas längeren Verschlusszeiten kann sich die Vorhangfrage deutlich auswirken.

Fahrtzeit und Blitzzeit

Quelle: LASERLINE

Wenn ein Auto oder ein Fahrrad zu Beginn der Beleuchtungszeit angeblitzt wird und gemeinerweise auch weiterfährt, während der Blitz schon aus, der Verschluss aber noch offen ist, dann ist im Ergebnis ein scharfes Auto zu sehen, und eine Scheinwerferleuchtspur, die ihrer Zeit voraus ist. Blitzt man dagegen auf den zweiten Vorhang kurz vor Ende der Verschlusszeit, dann kommt die Leuchtspur aus der Vergangenheit, zeigt woher das Gefährt kommt und wirkt mithin deutlich natürlicher. Das setzt allerdings voraus, dass die Kamera genau einschätzen kann, wieviel Blitzleistung da gleich noch kommen wird, ehe es zu spät ist. Daher wird diese Option meist nur bei aufwändigen Blitz- und Kamerasystemen angeboten.

Nicht immer, aber immer öfter

Während die meisten Bewegungen gerade mit selbstleuchtenden Motiven bei der Synchronisation auf den zweiten Vorhang lebensechter aussehen, gibt es durchaus Gründe, warum diese Option nicht generell voreingestellt wird, wenn es technisch möglich ist. Denn das Warten auf den zweiten Vorhang bedeutet bei Bewegungen, dass der Fotograf nicht immer weiß, wo sich sein Motiv bei der Blitzsalve befindet. Da der hochgeklappte Spiegel den Sucher verdunkelt, kann er auch nicht mehr reagieren. Am besten, Sie suchen erst die entsprechende Stelle in der Bedienungsanleitung Ihres Blitzgerätes und probieren die Funktion dann einmal aus.

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