Vom Christkind oder Weihnachtsmann?

21.12.2005 09:00:00
Wo kommt das weihnachtliche Geschenk für die Kleinsten her - vom Weihnachtsmann oder Christkind? Hier eine Antwort.

Kaum jemand kann sich Weihnachten ohne Bescherung vorstellen. Doch die wenigsten wissen, wo dieser Brauch herstammt. Kommen die Gaben unter dem Weihnachtsbaum vom Christkind oder dem Weihnachtsmann? Eigentlich stammt der Brauch des Schenkens aus der Zeit des Wundertäters St. Nikolaus (ca. 280-351 n.Chr.). An Stelle des Nikolauses setzte Martin Luther 1535 den "Heiligen Christ", das Christkind. Und der Weihnachtsmann entstand im 18. Jahrhundert und erhielt erst in den 1920er Jahren und durch eine Werbeaktion von Coca Cola im Jahr 1932 sein rot-weißes Gewand.

Brauch des Schenkens

An Weihnachten beschenkt man seine Liebsten. Ein Brauch, der so alt ist, dass nur die wenigsten wissen, wo er ursprünglich herstammt. Denn nicht die Geburt Christi, die Christen am Heiligen Abend in Deutschland feiern, ist der Grund für das Schenken, sondern der Heilige Nikolaus. Noch bis Mitte des 16. Jahrhunderts nämlich bekamen die Kinder nicht am Heiligen Abend ihre Geschenke, sondern am Nikolaustag. Denn dieser war es, der Kinder durch seine Gaben rettete. Und so entwickelte sich um seinen Todestag, den 6. Dezember, ein wahrere Kult und tief in den Kulturen verwurzelte Bräuche, die bis in die heutige Zeit und in Form des Christkindes und Weihnachtsmannes weiterbestehen.

Der Nikolaus

Wie viele Heilige der katholischen Kirche lebte auch Nikolaus tatsächlich. Er wurde um 280 n.Chr. geboren und starb am 6. Dezember, wahrscheinlich im Jahr 351 in Myra, dem heutigen Kocademre bei Kale. Um 300 trat er ins Kloster ein und wurde dort auch zum Priester geweiht. Als um 310 die Christenverfolgung einsetzte wurde er gefangen genommen und gefoltert. Doch bereits zu dieser Zeit erzählte man sich vom "Metropolit von Myra" wundersame Geschichten. So soll er einer verarmten Familie durch gezielte Geschenke, die er heimlich durch den Kamin oder das Fenster warf, geholfen haben und die Töchter der Familie vor der Prostitution bewahrt haben. Er erschien dem Kaiser im Traum und befreite so drei zum Tode Verurteilte, rettete in Not geratene Pilger und erweckte getötete Kinder wieder zum Leben. Lange nach seinem Tod noch kamen immer neue Geschichten über den Wundertäter auf, doch bis heute gilt er als Helfer in der Not. Und ebenfalls bis heute werden am Abend vor dem Nikolaus den Kindern kleine Geschenke in die Stiefel gesteckt.

Kult um Nikolaus

Etwa 200 Jahre nach dem Tod des Nikolaus von Myra entstand in Griechenland und den slawischen Ländern der Kult um den Heiligen Nikolaus. Er wurde zu einer der Hauptfiguren des byzantinischen Glaubens in Russland und wurde ab dem 6. Jahrhundert vor allem in der griechischen Kirche verehrt, was die römische Kirche im 8. Jahrhundert übernahm. Im 10. Jahrhundert brachte die griechische Ehefrau von Kaiser Otto II, Kaiserin Thephanu, den Heiligen Nikolaus auch nach Deutschland. Hier hatte man bereits das "Bischofsspiel" in den Klosterschulen, bei dem Kinder einen Tag lang der Bischof sein durften. Bald schon war es nicht mehr der Bischof, den die Kinder darstellten, sondern der Heilige St. Nikolaus, der Helfer in der Not, der je nach Region auch Sinterklaas, Samichlaus, Nicholas, Zinterklos oder Sünnerklaas genannt wurde und bis heute als "Santa Clause" in den Kindergeschichten überlebte. Er brachte seiner eigenen Legende folgend den braven Kindern am Vorabend seines Sterbetages Naschwaren und anderes Gutes. Zusammen mit seinem Gehilfen Knecht Ruprecht aber strafte er die Bösen unter den Kindern mit der Rute.

Das Christkind

Erst ab dem Jahr 1535 verlegten die Deutschen den Brauch des Schenkens auf den Heiligen Abend. Der Reformator Martin Luther wollte den Kult um den katholischen Heiligen nicht länger fortführen und ließ seine Kinder nicht vom Nikolaus beschenken, sondern vom "Heiligen Christ". Dieser kam natürlich nicht am Nikolaustag, sondern am Heiligen Abend, dem Tag seiner Geburt. Der Heilige Christ ist bis heute unser "Christkind", das Kind Gottes, das uns Liebe und Freude auf Erden bringt. Das anfangs nur im reformatorischen Deutschland beheimatete Kind aus der Krippe breitete sich denn auch schnell in den katholischen Teilen des Landes aus. Und schon bald entstand aus dem Heiligen Christ der uns heute bekannte Rauschgoldengel, die Nachbildung des Verkündigungsengels als Christkind mit dem Engelshaar, das uns die Geschenke bringt. Seit Martin Luther ist deshalb der Tag der Bescherung in Deutschland nicht mehr der Nikolaustag, an dem brave Kinder immer noch kleinere Geschenke erhalten, sondern der Heilige Abend, an dem unter dem Weihnachtsbaum oder an dessen Zweigen die Gaben hängen.

Der Weihnachtsmann und Santa Clause

Dennoch entwickelte sich auch der Glaube an das Christkind weiter. Vor allem in unserem Nachbarland Holland konnte es sich nie wirklich etablieren. Hier brachte weiterhin der "Sinterklaas" die Geschenke, wenn auch am Heiligen Abend. Mit der Zeit etablierte sich deshalb auch der Weihnachtsmann zunehmend in - vor allem den evangelischen Teilen - Deutschland. Das Wort selbst wurde erstmals im 18. Jahrhundert erwähnt, als 1835 Heinrich Hoffmann von Fallersleben das Lied "Morgen kommt der Weihnachtsmann" dichtete. Doch zu dieser Zeit wurde der Weihnachtsmann noch wie der Heilige St. Nikolaus im Gewand eines Bischofs dargestellt, das erst in den 1920er Jahren die Farben rot-weiß erhielt. Sein heute überall bekanntes rotes Kostüm mit weißem Pelzbesatz erhielt der heutige Weihnachtsmann schließlich 1932, als Coca Cola eine große Weihnachtswerbeaktion in den Firmenfarben aus der Taufe hob. Der Weihnachtsmann mit dem Gesicht eines Lastwagenfahrers von Coca Cola erhielt kurzerhand eine rote Robe mit weißem Fellbesatz - und behielt sie bis heute. Doch neben dem inzwischen weltweit einheitlich aussehenden Weihnachtsmann bringt in Deutschland noch immer - vor allem in den katholischen Regionen - das Christkind seine Gaben zu den braven Kindern.

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