Vintage – wenn Fotos reifen

29.06.2017 09:00:00
Fotos zu sammeln verschönert nicht nur die Wände, sondern kann auch das Bankkonto mehren. Auch wenn man sich mit den Begrifflichkeiten auskennt. Was ist eigentlich ein Vintage Print?

Wenn die großen Kunstfälscher gerade anderweitig beschäftigt sind, ist das mit Gemälden viel einfacher. Meistens malt der Künstler ein Bild nur einmal und selbst Variationen lassen sich leicht erkennen. Zur Fotografie gehört ihrem Wesen nach dagegen die Vervielfältigung, die den Interessen des Kunstmarkts diametral entgegen steht. Da hilft nur die Verknappung durch den Künstler oder die Suche nach ganz besonderen Abzügen, besonders nach Vintage-Prints.

Versuch einer Definition

Quizfrage: Wenn ich nach vier Jahren von einem Negativ, das bereits klassisch in der Dunkelkammer vergrößert wurde, einen Scan und Inkjetdruck erstelle, ist das dann noch ein Vintage-Print?
Quelle: fotopioniere.com
Der Begriff Vintage kommt ursprünglich von der Weinlese. Den einen tollen Jahrgang kann man ja auch nur in diesem einen Jahr ernten. Nächstes Jahr ist es schon wieder ein anderer. Auf die Fotografie übertragen beschreibt es einen Abzug, der vom Fotografen selbst oder in Zusammenarbeit mit ihm im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der Aufnahme erstellt wurde. Anfangs war man da relativ streng und beschränkte diesen Zeitraum auf ein Jahr – mittlerweile wird auf dem Kunstmarkt ein zeitlicher Abstand von Klick und Print von bis zu fünf Jahren als Vintage akzeptiert. Aber eine exakte, allgemeingültige Definition gibt es dafür schlicht nicht. Und die Sache ist noch viel komplizierter.

DGPh-Tagung

Das hat auch die Deutsche Gesellschaft für Photographie dazu verleitet, gerade in Berlin eine ganze Tagung zum Thema abzuhalten: „Vintage. Ein Begriff macht Photographie-Geschichte.“ Ursprünglich diente der Vintage-Print ja dazu, bei ständig auf Bestellung (nach-)produzierenden Fotografen die alten von den neuen Abzügen zu unterscheiden. Dem liegt auch die Idee zu Grunde, dass sich in ihm die Intention der Aufnahme eher findet, als wenn sich der Fotograf zehn Jahre später wieder in die Dunkelkammer quält. Dann sind vielleicht die Materialien längst andere oder der Stil, wie der Künstler im Labor arbeitet, hat sich geändert: die Kontraste sind härter, die Prints dunkler, oft sogar technisch besser, aber eben nicht mehr so, wie der Fotograf oder die Fotografin sich das beim Blick durch den Sucher ursprünglich vorgestellt hat.

Der Markt heute

Eine spannende Tagung braucht auch Mittel gegen Unterzuckerung.
Quelle: fotopioniere.com
Dumm nur, dass die Vintage-Definition längst mit den Gepflogenheiten des Kunstmarkts bei aktueller Fotografie kollidiert. Der Künstler legt gern bei der Vernissage eine Auflage fest, um mit dieser künstlichen Verknappung den Preis in die Höhe zu treiben. Da jedoch nur in Ausnahmefällen die komplette Auflage schnell verkauft wird, und die Kosten gerade bei gerahmten Großformaten sehr hoch sind, existieren Nummer drei, vier, fünf und sechs der Auflage erst einmal nur virtuell. Wenn es dann zehn Jahre dauert, bis Nummer sechs einen Käufer findet, ist es dann noch ein Vintage-Print? Der vorherigen Definition nach eigentlich nicht. Erst recht, wenn es das verwendete Fotopapier vielleicht gar nicht mehr gibt. Andererseits wäre bei unveränderten Materialien der letzte Print der Serie optisch beim Kauf identisch und sogar zehn Jahre länger haltbar.

Modern Print und Reprint

Als Abgrenzung zum Vintage haben sich der Modern Print und Reprint bewährt. Aber Unterschiede zwischen den Begriffen, die sich daran fest machen, ob der Fotograf noch daran beteiligt war oder ob gar das Originalnegativ benutzt wurde, werden erstens in Galerien und Museen nicht immer sauber getrennt und sind zweitens in der Digitalfotografie meist obsolet. Wenn die Begriffe schon nicht helfen, was hilft dann? Vor allem Transparenz und Beschriftung - wann wurde das Foto aufgenommen, wann wurde der Abzug erstellt, wann wurden evtl. frühere Abzüge der Aufnahme erstellt und wie wurden die Bilder produziert? Solche Details freuen dann später auch den Fotorestaurator.

 

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