Typo-Elemente richtig bezeichnen

21.07.2016 09:00:00
Die Typographie hat eine eigene Fachsprache, nicht immer sind alle Begriffe geläufig. Wir erklären die wichtigsten.

Die menschliche Anatomie und die Anatomie der Schrift teilen die gleichen Begriffe: Buchstaben können Nasen, Ohren und Arme haben, einen Scheitel, Schenkel und sogar Beine. Wer sich mit diesen Fachwörtern gut auskennt, gibt sich als echter Typographie-Experte zu erkennen und hat es im grafischen Designalltag deutlich leichter.

Die Längen

Einige Fachbegriffe stammen noch aus der Zeit des Bleisatzes.
Quelle: Alexandra H. / Pixelio.de
Buchstaben fügen sich im Layout und im Schriftsatz in ein Liniensystem ein, das aus Ober-, Mittel- und Unterlänge besteht. Zusätzlich wird die Versalhöhe unterschieden. Die Oberlänge umfasst die Bereiche, die die Mittellinie überschreiten.

Die Mittellinie selbst, auch „x-Höhe“ genannt, meint die reguläre Höhe von Kleinbuchstaben ohne Ober- oder Unterlänge. Die Unterlänge wiederum umfasst Bereiche von Kleinbuchstaben, die die Mittellänge nach unten verlassen. Diese Grenze nennt man auch Grundlinie.

Spricht man von der Versalhöhe, meint man den Bereich von Mittellänge und Oberlänge, ohne die Unterlänge.

Die Buchstaben

Der Grundstrich eines Buchstabens wird auch als „Stamm“ bezeichnet. An ihn schließen sich beispielsweise Querstriche oder Haarstriche an.

Diagonale Linien nennt man Auf- oder Abstrich, je nach ihrer Funktion. Gibt es bei Auf- oder Abstrich einen Wendepunkt, ist dafür auch die Bezeichnung „Scheitelpunkt“ geläufig. Runde Linien oder Halbkreise, beispielsweise beim „b“, heißen „Bauch“, schmalere Stellen wie beim „B“ dagegen „Taille“.

Die Bezüge zur menschlichen Anatomie spiegeln sich auch bei Buchstaben wie dem „m“ oder „n“ wieder, deren Bögen man „Schulter“ nennt. Das „K“ und „R“ haben dagegen „Beine“. Die nichtdruckenden Innenflächen von Buchstaben werden Punzen genannt.

Die Serifen

Schriftzug mit Serifen. Die gegenüberliegenden Striche bei „K“ und „M“ nennt man „Schenkel“.
Quelle: I-vista / Pixelio.de
Serifen heißen die Linien, die einen Ausläufer quer zum Buchstabenstrich bilden. Je nach Schriftart können sie ausgeprägter oder schwächer erscheinen.

Tritt zwischen dem Buchstabenstrich und der Serife eine abgerundete Ecke auf, bezeichnet man das als „Serifenrundung“ oder „Kehlung". Dieser Begriff kommt von der früheren Herstellung der Buchstaben im Bleisatz, bei der ein Schneidewerkzeug verwendet wurde.

Alternative Begriffe für Serifen sind „Füßchen“ oder „Schraffen“. Sie können das Auge beim Lesen führen und werden daher vor allem bei großen Textmengen verwendet.

Weitere Elemente

Buchstaben können auch Tropfen oder Kugelenden umfassen, so nennt man Verdickungen in Form eines Punkts, beispielsweise beim „r“. Ausgeprägte Formen wie beim „g“ werden „Ohr“ genannt.

Des Weiteren gibt es eine „Nase“, zum Beispiel in Form des Dachansatzes beim „u“ oder den „Arm“, eine horizontale Linie bei Großbuchstaben wie dem „T“.

Der Abstrich am „Q“ wird als „Cauda“ geführt, dem lateinischen Wort für „Schwanz“. Zwei gegenüberliegende Striche, wie sie das „M“ hat, heißen „Schenkel“.

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