Tipps für saubere Typografie und schönen Satz mit InDesign

24.09.2015 09:00:00
Tipps zu InDesign helfen jedem Grafiker weiter. Die Expertin Marianne Deiters gibt wertvolle Praxis-Tipps zum Grafikprogramm, die das Berufsleben erleichtern.

Einige Probleme und ein unharmonisches Schriftbild ergeben sich bereits aus den InDesign-Voreinstellungen für den Textsatz. Viele Anwender schauen sich die Voreinstellungen dazu nie an, was aufgrund der Komplexität und fehlender Erklärungen sogar verständlich ist. Fehler im Bereich der Mikrotypografie geschehen daher oft nicht unbedingt durch Unkenntnis, sondern auch durch zu gut versteckte Einstellungen. Marianne Deiters, Expertin für die Grafiksoftware InDesign, gibt hier Tipps für saubere Typografie und schönen Satz.

Probleme mit dem Zeilenabstand

InDesign behandelt den Zeilenabstand als ein Zeichenattribut. Wenn eine abweichende Schriftgröße für ein Zeichen oder Wort verwendet wird, ändert sich entsprechend der Zeilenabstand. Das lässt sich ausstellen.
Quelle: Marianne Deiters

Ein häufiges Problem mancher Anwender ist, dass der Zeilenabstand innerhalb eines Absatzes ungewollt variiert und deshalb ein unschönes Schriftbild entsteht. Grundsätzlich behandelt InDesign den Zeilenabstand als ein Zeichenattribut. Wenn eine abweichende Schriftgröße für ein Zeichen oder Wort verwendet wird, ändert sich entsprechend der Zeilenabstand.

Dieses Verhalten lässt sich folgendermaßen ausstellen: Wählen Sie die InDesign-Voreinstellungen aus dem Menü InDesign (Mac) oder Bearbeiten (Win) > Voreinstellungen. Dort unter Eingabe ist standardmäßig das Häkchen bei Zeilenabstand auf ganze Absätze anwenden nicht gesetzt, obwohl die meisten Anwender gerne so arbeiten würden. Bei solchen Problemen sollten Sie hier die Funktion besser anstellen.

Bestehende Texte werden dadurch allerdings nicht verändert. Die Funktion ist auch unabhängig von Zeichenformaten. Wenn der Zeilenabstand durch ein Zeichenformat definiert wird, gilt der Zeilenabstand nur für den Text, auf den das Format angewendet wurde, nicht für den gesamten Absatz.

In diesem Fenster könnte für einige Anwender auch die nicht markierte Funktion Textbearbeitung durch Ziehen und Ablegen für den Layout-Bereich interessant sein. Nach Aktivierung kann der Anwender ein einzelnes Wort oder auch mehrere markierte Wörter einfach an eine andere Stelle im Text ziehen.

Unschöne automatische Tiefstellung von Zeichen

Die automatische Hoch- und Tiefstellung für Zeichen ist in den Voreinstellungen festgelegt. Der Anwender hat aber die Möglichkeit, selbst einzugreifen.
Quelle: Marianne Deiters

Die automatische Hoch- und Tiefstellung für Zeichen ist in den Voreinstellungen für den Satz unter Erweiterte Eingabe festgelegt, und von der Grundeinstellung her typografisch nicht sonderlich hübsch programmiert. Hier hat der Anwender aber die Möglichkeit, selbst einzugreifen. Je nach Schriftart sollte man die Werte variieren, in keinem Fall ergibt aber der Wert von 33,3 % für die Tiefstellung ein schönes Ergebnis. Ich empfehle einen Wert um 20 % für die Tiefstellung. Die 33,3 % für die Hochstellung sind gar nicht so daneben gegriffen. Auch die Größe der hoch- und tiefgestellten Zeichen lässt sich variieren. Geben Sie probehalber, je nach Schrift, einen Wert bis 66 % ein.

Das Grundlinienraster und Tabellen

Das aktivierte Grundlinienraster in InDesign kann schlaflose Nächte bereiten. Aber es lässt sich einfach an die persönlichen Erfordernisse anpassen.
Quelle: Marianne Deiters

Auch das ist schon vorgekommen: Totale Übernächtigung, weil es beim Tabellensatz laufend zu einem Übersatz kommt. Der einfache Grund war das aktivierte Grundlinienraster. Der Text in der Tabelle versucht natürlich auch auf die nächste Grundlinie zu springen. Was tun, wenn das Grundlinenraster aber benötigt wird?

Da das Grundlinienraster über die Absatzattribute an- und ausgestellt wird, ist eine Möglichkeit, eigene Absatzformate in der Tabelle zu verwenden. Noch eleganter aber ist es die Textrahmenoptionen aus dem Menü Objekt zu verwenden. Dort unter dem Reiter Grundlinienoptionen kann dem Tabellenrahmen oder anderen Textrahmen ein eigenes Grundlinienraster zugewiesen werden. Hier sollte vorzugsweise eine Teilmenge des dokumentbezogenen Grundlinienrasters eingestellt werden. Die globale oder dokumentbezogene Einstellung für die Größe des Grundlinienrasters befindet sich in den Voreinstellungen unter Raster.

Einstellung von Kerning und Laufweite

Kerning und Laufweite bei Schriften lassen sich im Grafikprogramm InDesign vom Grafiker leicht selbst anpassen.
Quelle: Marianne Deiters

Die beiden Begriffe werden oft durcheinander geworfen. Mit Kerning ist der spezielle Abstand zwischen bestimmten Zeichenpaaren gemeint. Würde der Abstand zwischen Buchstabenkombinationen wie Te, WA, To, nicht angepasst werden, würde das Schriftbild ziemlich löcherig aussehen und schwer lesbar sein. Die Laufweite bezeichnet die Abstände zwischen den Buchstaben eines Textes allgemein. InDesign bietet komfortable Möglichkeiten der Einstellung und Änderung der Werte.

Kerning: Hochwertige Schriften beinhalten reichhaltige Informationen zum Kerning, die Adobe InDesign automatisch mit der Einstellung metrisch verwendet. Viele Schriften beinhalten aber keine oder nur geringe Informationen. Für diesen Fall bietet InDesign die einzigartige Möglichkeit des Optischen Kernings. Es lässt sich im Zeichen-Bedienfeld oder in der Steuerung im Zeichenbereich einstellen und bewirkt wahre Wunder bei Schriften ohne Kerning-Tabellen oder beim Mischen von Schriftarten.

Manuell lassen sich Kerning-Werte in Einheiten von 1/1000 Geviert eintragen. Manuelle Eingriffe werden am Besten per Tastatur erledigt. Dazu wird der Cursor zwischen zwei Zeichen gesetzt. Mit jeweils gedrückt gehaltener Alt-Taste plus der „Pfeil-nach-links-Taste“ wird der Abstand verringert, mit der „Pfeil-nach-rechts-Taste“ erhöht. Um welchen Wert? Dieser wird in den Voreinstellungen von InDesign im Bereich Einheiten und Einteilungen bestimmt. Die Voreinstellung von 20 passt ganz gut. Ich empfehle hier übrigens für eine feinere Abstimmung, die Einheiten für die Pfeiltasten auf 0,1 mm und die Einheiten für die Schriftgröße auf 1 pt zu stellen.

Besondere Zeichen und Funktionen finden

Die Glyphenpalette und der Flattersatzausgleich sind wichtige Funktionen in InDesign, die das Berufsleben wirklich einfacher machen. Man muss nur wissen, wie diese bedient werden.
Quelle: Marianne Deiters

Es gibt viele Setzer, die gezwungenermaßen ohne Ausbildung in InDesign arbeiten müssen. Deshalb gibt es einige wichtige Einstellungen, die ihnen lange unbekannt bleiben, obwohl sie extrem nützlich oder notwendig sein könnten. Die weiche Zeilenschaltung gehört dazu. Weich bedeutet, dass der Text in eine neue Zeile geschubst wird, aber kein neuer Ansatz dadurch erzeugt wird. Wichtig für die Abstände, wenn diese richtig über die Absatzattribute definiert wurden und bei Aufzählungen. Halten Sie die Shift-Taste gedrückt, wenn Sie einen Return (Enter) eingeben, dann wird die Schaltung weich und gut.

Doch bei Aufzählungen gibt es noch ein kleines Problem: Die neue Zeile wird nicht richtig eingezogen, sie springt nicht an den Tabulator, der für die Aufzählung definiert wurde. Deshalb benötigen Sie ein Sonderzeichen, Sie setzen zuerst den Cursor an die richtige Stelle in der vorhergehenden Zeile. Das Sonderzeichen samt dem Kürzel, welches Sie sich merken sollten, finden Sie im Menü Schrift > Sonderzeichen einfügen > Andere > Einzug hier. Sofort springt die Zeile an die richtige Stelle.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie in den Menüs für Sonderzeichen, Umbruch und Leerraum einfügen viele wichtige und lang gesuchte Befehle finden werden. Ein Befehl sei noch denen ans Herz gelegt, die harte Trennstriche, also einfach das Minuszeichen plus Return benutzen. Es gibt im Untermenü Trenn- und Gedankenstriche der Sonderzeichen auch den bedingten Trennstrich. (cmd/strg + shift + minus). Trennungen werden von InDesign nach Berücksichtigung der weiteren Einstellungen zur Trennung dann genau an der Stelle des Wortes vorgenommen, wo der bedingte Trennstrich eingefügt wurde.

Das Bedienfeld Glyphen als Quelle für spezielle Zeichen und traumhaften Satz

Die Glyphenpalette ist eine Liste der Sonderzeichen, die zu wissen enorme Vorteile bringt.
Quelle: Marianne Deiters

Im Menü Schrift findet sich ein mächtiges Bedienfeld: die Glyphen! Wird es aufgerufen, wenn ein Textrahmen markiert ist, wird die Schrifteinstellung des Rahmens verwendet. Unten am Bedienfeld wird über die Pulldown-Menüs Schriftart und Schriftschnitt ausgewählt. Je nach Schriftart gibt es sehr unterschiedliche Möglichkeiten und Inhalte. Eine Postscript-Schrift kann maximal 256 Zeichen beinhalten, während eine Opentype-Schrift 256x256, also 65.536 Zeichen, beinhalten kann. Mit der richtigen Verwendung von Opentype Schriften lässt sich zum Beispiel durch den Einsatz von eigenen Zeichen für Ligaturen, Brüche, hoch- und tiefgestellte Zeichen und Zeichenvarianten wie Mediävalziffern oder Ziffern für Tabellen ein traumhafter Satz gestalten.

Oben links im Bedienfeld Glyphen unter Einblenden findet man durch die Sortierungsmöglichkeiten meist schnell die benötigten Zeichen. Hat man ein Zeichen ausgewählt, lassen sich auch Alternativen dazu einblenden. Ein Doppelklick auf ein Zeichen übernimmt dieses sofort an Cursorposition in den gerade aktiven Textrahmen.

Absolut genial ist die Möglichkeit, sich eigene Glyphensätze zu erstellen. Dazu können Sie sich aus unterschiedlichen Schriftarten oft benötigte Zeichen kopieren:

1. Wählen Sie dazu aus dem Bedienfeld-Menü oben rechts den Befehl Neuer Glyphensatz und benennen Sie diesen sinnvoll.

2. Wählen Sie eine Glyphe aus einer beliebigen Schrift aus.

3. Aus dem Bedienfeld-Menü wählen Sie nun Dem Glyhensatz hinzufügen, dort können Sie jetzt Ihren eigenen Satz auswählen.

4. Wiederholen Sie Schritt 2 und 3, um mit der Zeit eine schnell erreichbare Quelle von Glyphen zu erzeugen.

Eigene Glyphensätze werden dann oben links im Menü Einblenden eingeklinkt und sind bei Bedarf aufrufbar. Ich wünsche Ihnen noch viel Freude beim Formatieren von Text mit InDesign, meiner Meinung nach gibt es keine bessere Software in dieser Disziplin.

 

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