Scheimpflug just do it

23.08.2012 09:00:00
Von vorne bis hinten alles scharf – das klappt mit Tilt und Swing auch bei offener Blende.

Wenn der Hersteller sich überhaupt dazu bequemt, sie ins eigene Sortiment aufzunehmen, dann sind sie ob der geringen Stückzahlen sündhaft teuer, die Tilt- und Shiftobjektive. Damit lässt sich die Schärfeebene verstellen. Doch warum sollte man das überhaupt machen und wie geht das?

Die Ausgangslage - Blende und Ebene

Quelle: Kesberger

Auch im Zeitalter der vollautomatischen Digitalkameras hat sich herumgesprochen, dass bei offener Blende (= kleine Blendenzahl) die Schärfentiefe gering ist und erst mit dem Abblenden ansteigt. Wobei wir hier einmal Kompaktkameras mit kleinen Sensoren und lichtschwachen Objektiven außer Acht lassen. Da ist eh alles gleich (un-)scharf. Zurück im Bereich mit etwas mehr Anspruch müssen wir feststellen, dass die Schärfe dort wo wir scharfgestellt haben in einer Ebene liegt und zwar parallel zum Objektiv und zum Sensor (oder Film). Aber eben nur wenn Linse und Sensor auch wirklich parallel zueinander stehen. Für das Mannschaftsfoto vom Fußballverein ist das praktisch, weil alle auf einer Linie parallel zur Kamera stehen, aber wenn ich einen langen Bootssteeg fotografiere, muss ich mich für ein scharfes Brett entscheiden.

Das Prinzip - Scheimpflug weiß mehr

Quelle: Kesberger

Wenn da nicht Theodor Scheimpflug vor über 100 Jahren in die Fotogeschichte eingegriffen hätte. Dank eines Erbes von der Last des Geldverdienens befreit, widmete er sich ganz seiner Lebensaufgabe, der Erstellung von Plänen auf Basis von Luftbildern. Da er dazu reichlich schräge Ballon- und Drachen-Ansichten verwendete, hatte auch er mit unserem "Bootssteeg-Problem" zu kämpfen. Seine Lösung ist noch heute auf die digitale Aufnahmetechnik übertragbar. Für die Fotografie sind drei Ebenen relevant: Die Objektebene (was wir fotografieren), die Objektivebene (womit wir fotografieren) und Bildebene (worauf wir fotografieren). Wenn diese drei sich einem Punkt schneiden, ist die gesamte Objektebene scharf, wo auch immer sie sich befindet. Das liest sich etwas kompliziert, lässt sich aber mit Hilfe der folgenden Abbildung leicht verstehen.

Der Markt im Kleinbildbereich - mehr als TSE

Quelle: Kesberger

Bei herkömmlichen Kameras lässt sich weder das Objektiv verschwenken noch der Sensor oder Film. Mit Hilfe von Tiltobjektiven klappt zumindest ersteres. Im Kleinbildsektor bieten von den Kameraherstellern nur Canon und Nikon Tilt- und Shiftobjektive. Bei den Fremdherstellern liefern Schneider-Kreuznach und Hartblei (mit Zeiss-Linsen) entsprechende Objektive, die ob ihrer großen Bildkreise ihre Herkunft aus dem Mittelformatbereich größenmäßig nicht verleugnen können. Mit Hilfe des Novoflex-BALPRO T/S (siehe auch Abbildung) lässt sich sogar die Bildebene verstellen. Dazu kommen dann noch die spielerischen Lensbaby-Adapter für Nikon-Objektive auf Sony E und MFT und das aufwändige Zörkendörfer Multi-Focus-System.

Größer ist schöner ist schärfer - das Mittelformat

Quelle: Kesberger

Verlässt man den Kleinbildbereich, bieten sich für Formate bis 6x9 cm Shift-Kameras wie die Arca Swiss Rm3Di an, die die Schwenkmöglichkeit objektivunabhängig bereits eingebaut haben oder wie bei Alpa einen Tilt- und Swingadapter für eine ganze Reihe von Objektiven bieten. Völlige Einstellfreiheit herrscht natürlich bei klassischen Großformat-Balgenkameras auf optischer Bank, bei denen sich die Front- und Rückstandarte sehr weitreichend verstellen lässt. Allerdings darf man dabei nicht die Bildkreise der Objektive aus den Augen lassen, sonst ist die Ebene zwar scharf, liegt aber im Dunkeln. Das hätte dann auch Theodor Scheimpflug nicht gewollt.

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