Schärfer andersrum

09.11.2017 09:00:00
Wenn man den Dingen ganz nah auf die Pelle rücken will, dann lohnt es sich manchmal, das Objektiv einfach rumzudrehen. Ein alter Hut und neues Hoch auf die Retrostellung.

Manchmal ist nah dran einfach nicht nah genug. Selbst Makro-Objektive schaffen meistens „nur“ 1:1. Das kleinste Teil, das wir fotografieren können, ist damit so groß wie unser Sensor mit dem wir es aufzeichnen.

Lupenobjektive für vergrößernde Abbildungen muss man heutzutage mit der Lupe suchen. Und beide kosten sowieso erst mal Geld. Aber es gibt es einen alten Trick für mehr Qualität im Nahbereich.

Drehen wir nicht den Spieß, sondern die Linse einfach um. Greifen wir zum Umkehrring. Mit 20 Euro sind wir dabei. Und selbst für die hilflos ins Nirwana zeigenden elektronischen Anschlusskontakte gibt es eine Lösung aus dem Allgäu.

Der Umkehrring im Prinzip

Ein Umkehrring ermöglicht es, das Objektiv quasi falschherum an die Kamera anzuschließen.
Quelle: Novoflex
Das tolle am Umkehrring ist, dass bei Maßstäben über 1:1 sogar die Abbildungsleistung des Objektivs steigt, obwohl es gar nicht für den Nahbereich korrigiert wurde. Aber warum ist das so?

Etwas vereinfacht dargestellt ist das Objektiv dafür da, normalerweise etwas aus dem Unendlichen mit weitem Abstand im (kleinen) Abstand Bajonett-Sensor/Film hochwertig abzubilden.

Im Nahbereich wird dagegen der Abstand zum Objekt irgendwann kleiner als der zum Sensor. Dreht man Objektiv um, stimmen die ursprünglichen Relationen plötzlich wieder und die Abbildungsfehler verlieren an Einfluss.

Die passenden Objektive

Normalerweise sitzt das Bajonett danach vorne im Freien, Novoflex nutzt noch einen zweiten Ring zur Ansteuerung der elektrischen Kontakte.
Quelle: Novoflex
Prinzipiell funktioniert das bei Teleobjektiven nur sehr eingeschränkt. Die klassische Domäne des Umkehrring ist das einfache Normalobjektiv.

Günstig und nicht zu schwer, um die Belastung auf das Filtergewinde – denn daran wird die Optik ja festgemacht – nicht zu sehr anwachsen zu lassen. Leicht Weitwinkel machen dann besonders Spaß, wenn stark vergrößernde Aufnahmen gebraucht werden.

Nur Superweitwinkelobjektive sind auf Grund ihrer großen Frontlinsen praktisch meist außen vor. Erstaunlich gut funktioniert das oft sogar mit den einfachen Kitzooms. Für irgendwas müssen sie ja gut sein.

Der Umkehrring klassisch

Mit einem Balgengerät lassen sich auch kräftige Vergrößerungen erzielen. Zur Erhaltung der Blendensteuerung lässt der Retroring sogar richtigherum nutzen.
Quelle: Novoflex
Der Vorteil beim Anschluss über das Filtergewinde ist, dass das Bajonett des angesetzten Objektivs völlig wurscht ist. Es hängt ja eh im Freien. Man kann also auch an seine Nikon ein 1,7/50 mm von Pentax anschließen.

Spannender als das Bajonett sind da die Systeme für das Schließen der Blendenlamellen, denn zu den Steuerungen durch die Kamera hat die Linse ja keinen Kontakt mehr. Gerade ältere Objektive bieten oft die Chance, die Arbeitsblende manuell zu schließen.

Wenn man mit LiveView arbeitet, lässt sich die geringere Helligkeit elektronisch problemlos korrigieren, doch beim Blick durch den Spiegelreflexsucher wird es dann arg duster und schwierig mit dem Scharfstellen. Das erfolgt sowieso meist durch die Vor-Zurück-Bewegung der Kamera – idealerweise mit einem Einstellschlitten.

Der Umkehrring elektrisch

Selbst Makro-Objektive schaffen nur 1:1, weshalb man manchmal tricksen muss – zum Beispiel mit einem Umkehrring.
Quelle: Novoflex
Systeme, deren Blende ausschließlich elektronisch angesteuert werden, sind da erst mal im Nachteil. Doch zumindest bei Canon lässt sich das Verfahren austricksen. Kamera einschalten, Blende einstellen, Abblendtaste drücken und dann das Objektiv abnehmen und am Retroring ansetzen – die Blende von eben hat es sich trotzdem gemerkt.

Doch das geht auch eleganter: Novoflex bietet für Canon EOS und nun auch für das Sony Nex/Alpha-System einen Umkehrring an, der einen zweiten Teil zur Steuerung der elektrischen Kontakte besitzt. Damit bleibt sogar der Autofokus erhalten, was zumindest via Kontraststeuerung und LiveView technisch erfolgreich ist.

Das kostet allerdings dann auch um die 300 Euro. Eigentlich war der Charme des Umkehrrings ja, dass man für 20 Euro schon in den extremen Nahbereich eindringen konnte. Aber wir haben ja die Wahl.

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