Rendering Intents

18.01.2007 09:00:00
Wenn Farbräume umgerechnet werden müssen - beim sogenannten "Gamut Mapping" - nutzt man je nach Vorlage bestimmte Verfahren, die "Rendering Intents" ...

Rot ist rot und grün ist grün - nicht aber, wenn man digitale RGB-Bilder in einer CMYK-Broschüre drucken lassen möchte. Dann kann leuchtend Rot zu gammeligem Rotbraun werden und schillerndes Grün verkommt zu mattem Blassgrün. Schuld daran kann unter anderem das verwendete Verfahren zur Umrechnung des RGB-Farbraums in den Farbraum der Offsetdruckmaschine sein. Die dabei heutzutage genutzten Verfahren nennt man "Rendering Intents", das Umrechnen der Farbräume selbst hingegen "Gamut Mapping".

Unterschiede und Anpassung von Farbräumen

Jede farbige Darstellung, sei es am Monitor oder auf einem Druck, besitzt einen gewissen Farbraum (englisch: "Gamut"). Damit ist der tatsächlich darstellbare und damit sichtbare Farbumfang gemeint. Doch die unterschiedlichen technischen Geräte nutzen dabei jeweils einen anderen Farbraum, der zum Teil deutliche Unterschiede aufweist (siehe auch Farbräume verstehen). Deshalb ergeben sich in der Praxis die hinlänglich bekannten Probleme, dass ein Farbausdruck sich von der Darstellung auf dem Monitor ebenso unterscheidet, wie vom ursprünglich abgelichteten Motiv. Um diese Unterschiede gering zu halten, werden in den Anwendungsprogrammen die Farbräume von Quell- und Zielmedium einander angepasst. Farben, die nicht auf dem Zielmedium ausgegeben werden können, müssen dabei so modifiziert werden, dass sie den Farbmöglichkeiten des Zielmediums, beispielsweise des Druckers, entsprechen. Diese Umwandlung nicht reproduzierbarer Farben nennt man "Gamut Mapping".

Die richtige Methode: Rendering Intents

Doch zur Veränderung der Farben kann man verschiedene Wege gehen. Die wichtigste Frage dabei ist, ob nur die auf dem Drucker oder Monitor nicht wiedergebbaren Farben umgewandelt werden sollen oder alle Farben verändert werden. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es hingegen nicht, denn je nachdem, welche Bildart verwendet wird und von welchem Ausgabegerät man ausgeht, ist auch die Methode zur Umwandlung eine andere. Diese Methoden nennt man "Rendering Intents". Sie begegnen einem spätestens dann, wenn man in Photoshop den Proof einrichten möchte und bei "Renderingpriorität" nicht weiß, welche Einstellung man wählen soll. Aber auch bei den Farbeinstellungen des Monitors (siehe "Arbeitsfarbräume am Monitor) wird der Nutzer nach der Priorität bei den Konvertierungsoptionen gefragt. Zur Wahl stehen dann vier Möglichkeiten: Perzeptiv, Sättigung, Relativ farbmetrisch und Absolut farbmetrisch. Diese Umrechnungsmethoden der einzelnen Farben eines Bildes von einem Farbraum in einen anderen ("Rendering Intents") wurden zur Standardisierung der Umwandlung vom ICC (International Color Consortium) festgelegt.

Perzeptiv (=wahrnehmungsorientiert, fotografisch, perceptual)

Legt man in den Farbeinstellungen von Photoshop (zu finden im Menü "Bearbeiten") die Renderingpriorität auf "perzeptiv", wird die Beziehung der Farbwerte des Ausgangs-Farbraums beibehalten. Mit anderen Worten, der Farbraum wird gesamt so lange komprimiert, bis alle Farbwerte des Quellmediums (z. B. des digitalen Bildes) in den Farbraum des Zielmediums (z. B. des Druckers) passen. Die Komprimierung erfolgt dabei nicht-linear, um zu große Abweichungen vor allem bei wenig gesättigten Farben zu vermeiden. Denn der Mensch nimmt Unterschiede zwischen diesen oder neutralen Farbtönen stärker wahr als bei gesättigten Farben gleichen Farbtons. Die gesättigten Bereiche werden deshalb stärker komprimiert. Hierdurch erlangt man ein sehr ausgewogenes Bild. Nachteil ist jedoch die starke Reduzierung der Farbwerte des Bilds, so dass dieses blass wirken kann. Dennoch ist die perzeptive Methode am geeignetsten zur Umwandlung von Bildern für die Druckmaschine, also zur Umrechnung von RGB in CMYK.

Sättigung (=sättigungserhaltend, Präsentation, saturation)

Ebenfalls zur Erhaltung der Sättigung dient die Methode "Sättigung", auch "Saturation Rendering Intent" genannt. Auch hier werden alle Farben verändert, jedoch lediglich zu Gunsten der Sättigung, so dass Helligkeit und Huewinkel stark verändert werden können. Das Ergebnis sind leuchtende, brillante Farben - allerdings gehen dabei oft die Farbtöne verloren. Geeignet ist diese Methode deshalb vor allem für Präsentationsgrafiken (Torten- oder Balkendiagramme usw.), die "strahlen" sollen und bei denen es auf die tatsächliche Farbgenauigkeit nicht unbedingt ankommt.

Farbmetrische Verfahren

Neben den beiden genannten Rendering Intents, die jeweils alle Farben eines Farbraums so verändern, dass sie in den anderen Farbraum hineinpassen, können die Farbwerte eines Farbraums auch "farbmetrisch" umgewandelt werden. Hierbei werden alle Farbwerte, die auch beim Zielmedium (z. B. Proof-Drucker) vorhanden sind, beibehalten und die nicht darauf reproduzierbaren Farben so "abgeschnitten", dass sie auf dem Rand des Zielfarbraums abgebildet werden können. Man nennt dieses Abschneiden auch "Clipping". Zur Belegung des Zielfarbraumrandes wird dabei der kürzeste Umrechnungsweg genutzt. Auffällig ist bei dieser Umrechnung allerdings der Detailverlust der am Rand liegenden Farbwerte. Auf der anderen Seite aber lassen sich so Proofs von Digitaldruckern (Tintenstrahldrucker mit 6 oder mehr Farben), die einen größeren Farbumfang besitzen als Offsetdruckmaschinen (CMYK-Vierfarbdruck), möglichst dem Endgerät (Offsetmaschine) entsprechend ausgeben. Je nach Ausgabegerät unterscheidet man dabei nochmals zwischen zwei Verfahren: dem relativ farbmetrischen und dem absolut farbmetrischen.

Relativ farbmetrisch (=Relativ colorimetrisch)

Soll ein RGB-Bild für die Darstellung am Monitor oder einen Proof (ohne Papiersimulation) umgewandelt werden, nutzt man das "relativ farbmetrische" Rendering Intent. Ebenso verhält es sich bei der Umwandlung von Grafiken für den Vierfarbdruck. Grund dafür ist, dass bei dieser Umrechnungsmethode die Farbwerte beider Medien auf ihren Weißpunkt bezogen werden, das Papierweiß wird also nicht simuliert. Das wiederum erhöht die Brillanz des Bildes bzw. der Grafik, kann allerdings durch das Clipping (Abschneiden am Rand des Farbraums) zum Ausfransen der sehr hellen Töne führen. deshalb verwendet man das relativ farbmetrische Verfahren vor allem für die Präsentation von Logofarben in einer hohen Brillanz - sei es am Monitor oder auf dem Proof.

Absolut farbmetrisch (=absoult colorimetrisch)

Will man hingegen den Proof eines Tintenstrahldruckers auf eine Vierfarbmaschine abstimmen wird durch die absolut farbmetrische Wiedergabe sichergestellt, dass der Proof nicht brillanter als das spätere Druckergebnis wird. Das absolut farbmetrische Verfahren rechnet dabei mit absoluten Farbwerten und berücksichtigt zudem den Einfluss der Papierfarbe. Dies irritiert den Betrachter zwar öfter, weil die Farben auf den ersten Blick "schmutzig" wirken, auf der anderen Seite aber kann sich so neben dem Auftraggeber auch die Druckerei anhand des Proofs besser ein Bild vom Endergebnis in Bezug auf die Farbwerte machen. Dennoch sollte das absolut farbmetrische Rendering Intent nur zur Aufbereitung der Ausgabe auf einem Proofgerät verwendet werden.

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