Punkt oder Point?

20.09.2005 09:00:00
Ob Didot-Punkt, Pica-Punkt, oder DTP-Punkt - die Verwirrung ist groß, wenn es um das Berechnungsmaß einer Schriftgröße und die Bemessung an sich geht ...

Der typografische Punkt bezeichnet die kleinste Einheit eines Maßsystems, das Größe, Abstand und Zeilenhöhe von Buchstaben festlegt. Doch verwirren mitunter die unterschiedlichen Punktbezeichnungen - denn wer kann schon den Unterschied zwischen einem Fournier-Punkt, einem Didot-Punkt, einem Pica-Punkt oder einem DTP-Punkt benennen? Und warum ist das in der Zeit von Computer-Satz und Co. überhaupt noch wichtig? Die Antwort liegt in den noch immer von Land zu Land abweichend genutzten Maßsystemen und den daraus im Schriftsatz resultierenden Unterschieden.

Der typografische Punkt

Mit der Erfindung des Buchdrucks und dem Vorgehen Gutenbergs, einen Text in all seine Einzelelemente, wie Klein- und Großbuchstaben, Satzzeichen, Ligaturen und Abkürzungen zu zerlegen, erschuf Gutenberg eine geradezu verwirrende Zahl an Möglichkeiten, Schriften unterschiedlich groß darzustellen. Denn mit den in Blei gegossenen Lettern konnte ein Schriftschnitt zwar nun absolut einheitlich dargestellt und die Kegelstärken der Buchstaben mit festen Größen versehen werden, die Größe an sich aber konnte von Werk zu Werk variieren. Mit der Verbreitung der Buchdruckkunst über ganz Europa nahmen deshalb auch die Maßsysteme für Buchstaben zu. Lange Zeit gab es kein Normmaß, nach dem sich die Buchdrucker beim Erstellen ihrer Lettern hätten richten können. Ausgangsgröße war vielmehr die Einheit "Fuß", die sich von Land zu Land und von Fürstentum zu Fürstentum unterschied. Die daraus resultierende Vielfalt an Maßsystemen gab Mitte des 18. Jahrhunderts den Anstoß, den typografischen Punktes als Einheit für die Maßangabe der Buchstabengrößen und -abstände einzuführen. Heute nennt man diese Maßeinheit der Einfachheit halber nur noch Punkt oder Point. Doch Punkt ist nicht gleich Punkt.

Fournier-Punkt-System

Im Jahr 1737 erschuf der Pariser Typograf Pierre Simon Fournier (1712-1768) das Punkt-System aus 12 sogenannten "Cicero" (= 4,512 mm), womit er den damals gern genutzten Cicero-Schriften Rechnung trug. Er unterteilte sein System wiederum, bis er als kleinste Einheit den "typografischen Punkt" mit einer heutigen Größe von 0,34882 mm erhielt. Doch richtete sich der Fournier-Punkt nach keinem bekannten amtlichen Maß. Nicht einmal die von Land zu Land unterschiedlichen Fuß- oder Ellenmaßen eines Königs konnten damit verglichen werden. Aus diesem Grund kam es schon bald zu einer Weiterentwicklung des Fournier-Punkt-Systems.

Didot-Punkt-System

Die Gebrüder François Ambroise und Pierre Françoise Didot glichen 1755 hierzu den Fournierschen typografischen Punkt zunächst an das in Frankreich bereits bestehende Grundmaß eines französischen Fuß (Pied de roi) an und erhielten für einen Didot-Punkt (abgekürzt dd) heutige 0,376065 mm, die im Jahr 1973 der Einfachheit halber auf 0,375 mm gerundet wurden. Der Didot-Punkt war damit etwas größer, als sein Vorgänger von Fournier, doch besitzt er in Kontinentaleuropa als Einheit p für Punkt noch heute seine Gültigkeit.

Pica-Punkt-System

Anders ist dies in Amerika, wo sich ein - aber auch nur ungefähr - nach dem amerikanischen Zoll richtendes Maß verbreitet hatte: Der Pica-Punkt (abgekürzt pp) oder auch Point genannt. Er entspricht nahezu einem 72stel des amerikanisch Zolls und 12 Pica-Points ergaben ein sogenanntes Pica, von dem 6 Pica wiederum nahezu ein Zoll waren. Bis heute ist der Pica-Point 0,3514598 mm groß und wird seit Erfindung und Verbreitung der Linotype-Zeilengussmaschine auch in Europa zunehmend angewandt.

Geglättete Maße: DTP-Punkt

Mit der Einführung von Computern beim Schriftsatz waren die bisherigen Maßeinheiten jedoch nur noch schwer zu gebrauchen. Man benötigte "glattere" Zahlen und rundete die meisten Maße auf drei Stellen. Auch den Pica-Point rundete man, so dass aus den 72,27 Pica-Punkten pro amerikanischem Zoll genau 72 sogenannte DTP- oder auch PostScript-Punkte (abgekürzt pt) wurden. Bis heute wird dieser Point oder auch Dot, der 0,35276 mm entspricht, als Standardmaß im Computereinsatz verwendet, um die Schriftgrößen und -höhen sowie die Zeilenabstände anzugeben.

Messung

Doch auch diese Maße sind nur relative Angaben, da es bislang kein einheitliches Verfahren gibt, die genaue Größe einer Schrift festzulegen. Misst der eine von der p-Linie zur k-Höhe eines Schriftschnitts, nehmen andere nur die Versalhöhe (Grundlinie bis H-Linie, siehe unten) als Anhaltspunkt. Dennoch machen die Unterschiede zwischen einer in DTP-Punkt gemessenen Schrift und einer in Didot-Punkt gemessenen Schrift auf einer DIN A 4 Seite bis zu 5 Textzeilen aus, so dass man sich die unterschiedlichen Maßeinheiten unbedingt verinnerlichen sollte, will man global mit den richtigen Maßen arbeiten.

Umrechnungstabelle:
1 Punkt (Didot-Punkt) = 0,376065 mm = 0,375 mm
1 Point (Pica-Punkt) = 0,3514598 mm
1 Point (DTP-Punkt) = 1/72 Inches = 0,35276 mm
1 Pica = 4,216 mm
1 Zoll (englisch) = 25,399 mm
1 Cicero = 12 Didot-Punkte = 4,512 mm

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