Perspektivisch betrachtet

01.10.2015 09:00:00
Gestalterisch wird ein Foto ganz entscheidend von der Perspektive bestimmt. Betrachten wir den Blickwinkel einmal näher, mit dem die Linse auf die Welt guckt.

Eins ist ein Foto nie: perspektivlos. Und mag er noch so unentschlossen sein: einen Standpunkt hat jeder Fotograf. Und jede Fotografin. Aber was ist der richtige? Das kommt wie immer drauf an. Wer Kinder bei seinen Portraits ernst nimmt, begibt sich am besten zuerst einmal auf Augenhöhe mit ihnen, sonst fotografiert man nicht nur von oben herab, die Bilder sehen dann auch so aus. Der erste Schritt für neue Perspektiven ist es, sich ihr bewusst zu werden.

Normalperspektive

Quelle: Kesberger

Wer als kleiner Mensch oft mit großen Menschen um die Häuser zieht und anschließend die Erinnerungsfotos anguckt, kennt den Effekt. Größe ist relativ, normale Größe sowieso. Wer möchte schon immer von oben betrachtet und auch aufgenommen werden. Die schräg gehaltene Kamera betont die die Kleinwüchsigkeit mehr als die gerade Kamera. So wie hohe Gebäude auf den Fotos umzukippen scheinen, wenn man die Kamera nach oben richtet. Es kommt zu stürzenden Linien. Gemeinhin ist mit der Normalperspektive der Blickwinkel und die Blickhöhe des durchschnittlichen Mitteleuropäers gemeint. Kombiniert man die Normalperspektive auch noch mit der Normalbrennweite, die definitionsgemäß der Normalbrennweite (bei Kleinbild 43 mm, praktisch eher 50 mm) entspricht, dann sieht alles ganz normal aus. Hart an der Grenze zur Langeweile.

Froschperspektive

Quelle: Kesberger

Lassen wir mal tief blicken. Wer ganz unten ist, hat zumindest einen neuen Blickwinkel. Ein alter Fotografenspruch lautet: Siehst Du jemand auf dem Boden liegend fotografieren, dann leg Dich dazu. Wenn man tiefe Standpunkte noch mit Weitwinkelobjektiven kombiniert, wird die Szenerie gleich noch dynamischer. Und wer über eine Kamera mit Klappdisplay verfügt, schont dabei auch seinen Rücken. Aber Augen auf beim Stativkauf: Neben der maximalen Arbeitshöhe können sich auch die Mindesthöhen empfindlich unterscheiden. Erst wenn sich die Mittelsäule entnehmen und austauschen lässt, kann man sein Dreibein auch tiefer legen.

Vogelperspektive

Früher hatten die Fotografen mehr zu schleppen. Schließlich hat Oskar Barnack die Leica auch erfunden, weil sich sein Asthma nicht mit seiner Plattenkamera vertrug. Doch als die Kameras auch dank Barnack klein und leicht wurden, nahm man sie mit in die Höhe und entdeckte den Charme neuer Perspektiven. Das Bauhaus gab der neuen Bildsprache Raum und die Veröffentlichungen von Umbo in der Weimarer Republik wurden genauso legendär wie die von Alexander Rodtschenko in der UdSSR. Die Redaktionen gierten nach neuen Perspektiven. Wer Menschenansichten aus dem 4. Stock mit steil nach unten gerichteter Kamera mit den langen Schatten einer tief stehenden Sonne kombiniert, ist dem klassischen Bauhaus-Look schon sehr nah. Einem tollen Foto auch.

Perspektivkorrektur

Quelle: Kesberger

Man kann die Perspektive nicht nur gestalterisch nutzen, man kann sie sogar korrigieren. Allerdings braucht es dazu besondere Kameras. Bei verstellbaren Fachkameras lässt sich an der Rückstandarte auch die Perspektive korrigieren. Dann wirkt selbst die Normalbrennweite wie ein dynamisches Weitwinkel. Oder man erzeugt durch die seitliche Verschiebung von Objektiv und Sensor den Eindruck, als würde man selbst von der Mitte des Flusses aus die Brücke fotografieren, ohne sich die Füße nass zu machen. Doch dem Kleinbildbereich bleiben solche Schmankerl nicht vollends verwehrt. Mit einem Tilt-Shift-Balgengerät wird beispielsweise aus der Kleinbild- eine Fachkamera. Bei DSLRs leider nur ab dem leichten Telebereich, aber mit einer Spiegellosen funktioniert das auch mit Normalbrennweiten, in Ausnahmefällen sogar im leichten Weitwinkelbereich.

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