OpenType

02.11.2006 09:00:00
Warum Schriftart nicht gleich Schriftart ist und Zeichencodierung nicht gleich Zeichencodierung - das plattformübergreifende Schriftformat OpenType bietet viele Vorteile ...

Sind Sie auch schon einmal daran gescheitert, eine für den Mac gekaufte TrueType-Schrift auf einem Windows-Rechner zu installieren (oder umgekehrt)? In einem solchen Moment wünscht sich wohl jeder Grafiker, plattformübergreifende Schriften zu besitzen. Aber auch wenn man eine in kyrillisch gesetzte Datei öffnet und nur noch Kästchen angezeigt werden, fragt man sich, ob das nicht auch besser zu lösen ist. Die Antwort lautet "OpenType"-Schriften! Mit dem plattformübergreifenden Format haben Sie alle erdenklichen Möglichkeiten inklusive Schriftsatzbesonderheiten wie Ligaturen, Mediävalziffern, Währungssymbole oder Bruchziffern. Und Sie sehen auf dem Bildschirm immer das, was dort wirklich stehen soll!

PDF als Austauschformat

In den vergangenen Jahren setzte sich PDF als Standardformat in der Layout- und Druckbranche durch, um Daten möglichst fehlerfrei zwischen verschiedenen Plattformen auszutauschen. Ein großer Vorteil dieses Formats ist, dass dem Drucker keine Schriften mehr - wie bei offenen Dateien - mitgeliefert werden müssen. Was sich auch am Rande der Legalität bewegt, da jeder erworbene Schriftschnitt geistiges Eigentum des Entwicklers und somit urheberrechtlich geschützt ist.

Plattformübergreifende Schriften

Dennoch benötigt man gerade in größeren Kreativagenturen, die mit heterogenen Netzwerken arbeiten, plattformübergreifende Schriftdateien, um auf allen Rechnern Dateien austauschen zu können. Mit den bisher üblichen PostScript- und TrueType-Schriften war dies nicht möglich. Deshalb entschloss sich Adobe 1997 in Zusammenarbeit mit Microsoft, ein neues Format zu entwickeln. Dabei handelt es sich um die Erweiterung des bestehenden TrueType SFNT-Formats, das Schriftzeichenumrisse sowohl in TrueType als auch im PostScript-Format beinhalten kann. Größter Vorteil des Formats aber ist seine Basis: UniCode.

Basis UniCode

UniCode ist, ähnlich wie ASCII, ein Zeichencodierungssystem. Anders aber als ASCII, bei dessen insgesamt 256 Zeichen nur die ersten 128 Positionen fest definiert sind, besteht UniCode aus maximal 65.536 Zeichen. Jedem davon wird eine Nummer zugewiesen, plattform- und betriebsystemunabhängig. Dadurch wird jedem Zeichen einer beliebigen Sprache innerhalb einer Schriftart ein fester Code zugeordnet und die Schriftart kann jedes Sprachzeichen der Welt beinhalten. Die über 65.000 Zeichen müssen aber nicht alle belegt werden.

OpenType

OpenType nutzt die Vorteile von UniCode und bietet damit ein neues, plattformübergreifendes Format für Schriftartendateien. Eine im OpenType-Format vorliegende Schriftart funktioniert auf Macintosh- ebenso wie auf Windows-, Linux- oder Unix-Rechnern. Durch seine UniCode-Basis kann es dazu die insgesamt 65.535 Glyphen, d.h. grafische Schriftzeichen, des Systems nutzen. Glyphen anderer Schriftzeichen und unterschiedliche Glyphen ein und desselben Buchstabenzeichens wie auch Schriftsatzbesonderheiten wie echte Kapitälchen, Ligaturen, Mediävalziffern, Währungssymbole oder Bruchziffern sind damit ebenfalls möglich. OpenType-Schriftarten können deshalb einen erweiterten Schriftsatz sowie erweiterte Layoutfunktionen umfassen. Sie ermöglichen damit eine bessere Sprachunterstützung und zeigen am Bildschirm genau das an, was sie beinhalten.

Dateiendungen von OpenType: Pro-Schriften

OpenType-Schriftarten erkennt man aber nicht unbedingt an ihrer Endung, denn wie bereits erwähnt kann OpenType sowohl TrueType- als auch PostScript-Informationen und Schriftzeichenumrisse beinhalten. Je nachdem, welche Informationen im Format abgelegt wurden, ändert sich deshalb die Endung der Schriftartdatei. OpenType-Schriftarten mit PostScript-Daten nutzen die Dateierweiterung .otf, während OpenType-Schriftarten auf der Grundlage von TrueType-Schriftarten die Erweiterung .ttf besitzen. Zudem können OpenType-Schriftarten einen erweiterten Schriftsatz und erweiterte Layoutfunktionen umfassen, müssen aber nicht. Die Hersteller und "Schrift-Kaufhäuser" sind deshalb dazu übergegangen, Schriftarten mit besonders vielen Funktionen mit dem Zusatz "Pro" zu kennzeichnen.

Unterstützung unter Mac OS X

Nicht alle Programme unterstützen aber auch die Möglichkeiten der Pro-Schriften. Einzig in Mac OS X ist diese von Haus integriert, wodurch in allen Panther- oder Tiger-Programmen die gesamte Glyphenpalette einer OpenType-Schriftart zur Verfügung steht. Deshalb ist unter Mac OS X auch in jedem beliebigen systeminternen Editor der Einsatz von OpenType möglich.

Adobe-Unterstützung und Windows

Anders sieht dies bei Drittherstellern von Programmen bzw. Windows-Rechnern aus. Erst wenn eine Anwendung nämlich ebenfalls OpenType und UniCode unterstützt, können die diversen Zeichen und Layouterweiterungen einer OpenType-Schriftart dort auch genutzt werden. Da aber Adobe den Standard mit entwickelte, war InDesign das erste Programm, dass die Unterstützung von OpenType beinhaltete. Hier kann, wie auch in Illustrator, eine Glyphenpalette aufgerufen werden, mit der die Belegung der Schriftart angezeigt wird. Zudem lassen sich in InDesign über die erweiterte Zeichenpalette diverse Layoutfunktionen aktivieren, durch die alternative Glyphen in einer OpenType Pro-Schrift automatisch ersetzt werden. Zusätzlich können alle alternativen Glyphen in OpenType-Schriftarten über die Palette "Zeichen einsetzen" manuell ausgewählt werden.

Word, QuarkXPress und Macromedia Freehand

Word 2004 kann hingegen zwar den UniCode-Zeichensatz interpretieren, ist bislang aber nicht in der Lage, die damit verbundenen Funktionen umzusetzen. Ganz schwach zeigen sich zudem die beiden Anwendungen QuarkXPress 6.5 und Macromedia Freehand MX. Sie erkennen weder die Funktionalitäten einer OpenType-Schrift, noch nutzen sie diese. Die Unterstützung der Schriftart wird dann exakt nach 256 Zeichen beendet. Pech hat deshalb, wer eine OpenType-Schriftart nutzt, deren lateinischer Zeichensatz erst ab Codezeichen 257 beginnt. Quark besserte hier mit QuarkXPress 7 nach. Die neueste Programmversion unterstützt nun umfassend OpenType-Schriftarten und besitzt wie InDesign eine Glyphenpalette. Deshalb ist ein Upgrade von PostScript- auf OpenType-Schriftarten, wie es von vielen Herstellern derzeit angeboten wird, auch für QuarkXPress 7-Nutzer anzuraten. Denn nur so lassen sich alle in einer Schriftart beinhalteten Layout-Funktionalitäten und plattformübergreifende Mehrsprachigkeit voll nutzen.

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