Normlicht goes Farbstich

06.06.2012 09:00:00
Damit die Messtechnik sieht, was das Auge sieht, braucht es Normlicht – zumindest theoretisch.

Neue Röhren braucht das Land. Mit der neuen ISO Norm 3664: 2009 wurden bei den Kriterien zur Abmusterung in der grafischen Industrie neue Normlichtbedingungen definiert. Grundsätzlich bedeutet die damit verbundene Erhöhung des UV-Anteils das erst einmal, dass das Normlicht einen Schritt auf die Realitäten der Sonne zugeht und die optischen Aufheller in Papieren nicht länger ignoriert, praktisch ist diese geänderte Norm jedoch gerade für Papiere mit hohem Aufhelleranteil höchst problematisch.

Weißer, immer weißer

Quelle: Kay Herschelmann

Wenn im Club die Schwarzlichtlampen angehen, machen optische Aufheller aus den Waschmitteln einfach nur Spaß. Aber im Papier machen sie manchmal nur Kopfzerbrechen. Natürlich entscheidet im Kapitalismus erst einmal der Markt. Und da die Kunden scheinbar strahlende Weißen nicht erst seit dem gleichnamigen Riesen nicht nur im Waschmittel, sondern auch im Papier offensichtlich bevorzugen, ist die Mehrzahl der heutigen Papiere mit optischen Aufhellern ("OBA") versehen. Die haben jedoch den Nachteil einer relativ geringen Haltbarkeit. Weshalb sie für zertifizierte Prüfpapiere kaum benutzt werden. Das führt dann dazu, dass oft Papiere mit hohem OBA-Anteil mit Proofs mit geringem oder ohne OBA-Anteil unter Normlichtbedingungen abgeglichen werden müssen.

Proof und Druck

Quelle: Waldmann

Das war in der Vergangenheit schon nicht unproblematisch, kann aber mit Einführung der neuen

Norm ISO 3664:2009 mitunter dramatische Folgen haben. Darin ist nämlich ein höherer UV-Anteil der verwendeten Lichtröhren festgelegt. Der wiederum sorgt dann für mitunter große Unterschiede zwischen Proof und Andruck. Der Proof wirkt dann viel zu gelb. Würde man auf diesen vom Kunden abgezeichneten Proof den Druck abgleichen, würde dieser beim Kunden zu Reklamationen beim fertigen Druckprodukt führen. Umgekehrt wirken die Andrucke in der Lichtkabine nach einer Übersicht des Bundesverbands Druck und Medien oft zu rötlich, violett. Die Unterschiede vom Monitor zum mit Normlicht beleuchteten Auflagendruck sind sogar noch größer, wenn man die Helligkeit an die des Monitors anpasst. Völlig im Lichtchaos endet die Beurteilung, wenn entweder in der Druckerei oder in der Kette Kunde-Grafik-Produktion unterschiedliche Lichtröhren nach neuer und alter Norm eingesetzt werden.

Licht-Produktions-Streuung

Quelle: Waldmann

Das liegt auch daran, dass die alte ISO-Norm aus dem Jahr 2000 zwar einen sehr weiten Toleranzbereich (0 bis 240 %) für den UV-Anteil zuließ, praktisch aber am Markt eine sehr geringe Streuung und ein weitgehend einheitlicher UV-Anteil von 20 % vorherrschte, während der geringere Toleranzbereich der neuen Norm (70 bis 130 %) derzeit voll ausgeschöpft wird. Die Beseitigung dieser Licht-Streuung wäre dann auch ein erster Schritt aus der Normlichtkrise. Andere Punkte sind da schon schwieriger zu lösen. UV-Filter vor den Röhren oder der Einsatz der alten Systeme machen zwar die bisherigen Erfahrungswerte weiter nutzbar, doch ebendiese Aufheller-Ignoranz geht ja auch an den Papierrealitäten vorbei. Proofpapiere mit höherem Aufhelleranteil scheiden auf Grund der geforderten Haltbarkeit (noch) aus.

Mehr Profil zeigen

Helfen würden sicherlich auch exaktere Angaben der Papierhersteller zu den OBAs. Mit moderner Messtechnik (nach M1-Standard) und ICC-Profilen, die die Aufheller berücksichtigen, ließe sich das Problem lösen. Doch während das für den Inkjet-Digitaldruck mit seinen kleinen Auflagen und der größeren Profil-Affinität durchaus praxisnah erscheint, würde dies im Offsetdruck im Bereich der Abstimmung zwischen Kunde und Druckdienstleister wohl noch eine Farbmanagementrevolution auf Seiten der Auftraggeber erfordern und bis dahin wohl noch weitere Probleme heraufbeschwören. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Im Moment illustriert die ISO 3664:2009 eher was geschieht, wenn man bei der Einführung einer Norm den Praxisbezug vergisst und die Anwender nur unzureichend informiert. Doch wenn die Probleme gelöst werden, steht am Ende eine Norm, die der Papierwirklichkeit weitaus besser gewachsen ist. Und bei allen Papieren ohne oder mit nur wenigen OBAs, wie den meisten Recyclingpapieren oder naturweißen Materialien, kann man sich auch heute schon voll und ganz der gültigen Norm anvertrauen.

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