Nichts ist impossible

19.07.2012 09:00:00
Es gibt noch neue Filme für Polaroid Kameras. Nur steht nicht mehr Polaroid drauf.

Man muss nur verrückt genug sein. Dann lässt sich auch ein schon eingestelltes industrielles Verfahren wiederbeleben. Florian Kaps hat es versucht und schon zwei Jahre, nachdem die Maschinen nur knapp der Abrissbirne entronnen waren, spuckten sie wieder Integralfilme für Polaroid Kameras aus. Es war eben doch nicht unmöglich, das impossible project.

Aller Anfang ist genial

Quelle: Kesberger

Die Geschichte von Polaroid ist die eines großes Erfinders. Der Legende nach fragte die Tochter von Edwin Land nach dem Fotografieren, warum sie das Bild nicht sofort sehen konnte. Es war die Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und weder Tochter noch Vater wollten auf die Erfindung der Digitalfotografie warten. Also machte sich Land ans Werk und brachte 1948 die erste Sofortbildkamera auf den Markt, noch in Schwarzweiß und nach dem Trennblattverfahren. Später folgten Farb- und die Einzelblatt-Imagefilme. Bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts entspann sich eine einzigartige Erfolgsgeschichte.

Schneeball trifft Weltmarke

Quelle: Kesberger

Erst nach dem Tod des Erfinders 1991 und nachdem die Millionen aus einem Patentstreit mit Kodak vielleicht doch in die falschen Projekte geflossen waren, hatte Polaroid nicht mehr die richtigen Antworten auf die Fragen einer digitalen Welt. Letztlich landete man nach einem ersten Konkurs 2001 im Schnellballsystem des berühmt gewordenen Finanzhais Thomas Petters, der seine daraus folgenden 50 Jahre Haft noch längst nicht abgesessen hat. 3,5 Milliarden Dollar zu veruntreuen ist schließlich auch eine Leistung. Doch schon vor dem Finanzcrash hatte Polaroid auf das eigene Ende gesetzt und die Ausgangsmaterialien vorproduziert, um damit für die letzten zehn Jahre Filme herstellen zu können. Danach würde die im Digitalzeitalter ja eh niemand mehr benötigen.

Die Reanimierung

Quelle: Kesberger

Dumm nur, dass die Rohmaterialien schon nach vier Jahren verbraucht waren. Aber das Ende war nun mal beschlossene Sache. Dem weißen Ritter der Sofortbildfotografie, dem Ex-Lomo-Mann Florian Kaps gelang es jedoch, einen Teil des Werks in Enschede zu übernehmen und mit kleiner Mannschaft und André Bosman, der eigentlich als Clean-Up-Manager für die Zerstörung der Maschinen zuständig sein sollte, die Produktion nach zwei Jahren schließlich 2010 wieder aufzunehmen. Und das, obwohl das Sofortbild eigentlich komplett neu erfunden werden musste, da die ursprünglichen Inhaltsstoffe längst nicht mehr zur Verfügung stehen. Seit jeher wurden in Enschede die Einzelblattfilme für SX70- und 600er-Kameras produziert. Doch mittlerweile hat Kaps auch die ein oder andere Maschine für größere Formate wie 8 x 10" (20 x 25 cm) aufgetrieben und arbeitet auch hier an der Reanimierung.

Das Unikat

Die Neukonstruktion des Integralfilms kostet Opfer und hat trotzdem Charme. Je nach Kamerasystem und Filmtyp konnten Sofortbildsysteme in der Vergangenheit der Perfektion durchaus nahe kommen, wenn auch schräge Farben und reduzierte Schärfe schon immer zu den hauseigenen Stilmitteln zählten. Doch so lausig wie heute waren sie vermutlich noch nie (weshalb Impossible auch nach wie vor Geld mit Restbeständen der Originalware verdient). Vielleicht kommt die Zeit für Verbesserungen in der Produktion noch, vielleicht ist auch die Zeit für Fehler längst gekommen. Das glatte, perfekte, digitale Bild gibt es an jeder Ecke. Fehler, die man nicht beeinflussen kann, dagegen nicht. Zu warm, zu kalt, zu feucht - all das wirkt sich auf das Bildergebnis und die Lagerstabilität aus. Früher trieb das dem Qualitätsmanager die Schweißperlen auf die Stirn, heute jauchzt der Hipster vor Retroglück. So haben sich die Prioritäten verschoben. Es lebe das Unikat.

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