Nicht objektiv: die Gläserfrage

01.09.2016 09:00:00
Wenn Fotografen sich um Gläser kümmern, lesen sie meistens Objektivtests. Doch wenn Fotos beeindrucken sollen, sind die richtigen Bilderrahmengläser vielleicht viel wichtiger.

Sicher, man kann Bilder auch am Bildschirm angucken. Aber dann sind sie so schnell wieder weg. Ihre Bilder haben es doch verdient zu bleiben. An der Wand. Und wenn Sie sie nach sechs Wochen immer immer noch sehen wollen, dann muss es auch ein besonderes Bild zu sein. Eins, das es verdient geschützt zu werden. Mit Glas. Dann wirken die Fotos auch gleich viel brillanter. Jetzt müssten wir nur noch wissen, welches Glas wir brauchen.

Wie normal ist normal?

Viele, viele Rahmen und fast genau so viele Gläser. Die Wirkung eines Bildes hängt auch mit dem richtigen Bilderrahmenglas zusammen.
Quelle: fotopioniere.com
Da Glas nun mal auch Geld kostet, wird in den meisten Bilderrahmen die günstigste Variante eingesetzt. Einfaches Floatglas, beidseitig glänzend, zwei bis drei Millimeter dick. Das Bild wirkt darin scharf und brillant. Wenn man Glück hat, merkt kein Mensch den leichten Grünstich und wenn es nicht runterfällt, geht es auch nicht kaputt. Das Bild allerdings schon, wenn es besonders UV-empfindlich ist. Und wer bei einer Grafik den zarten Naturweißton des Papiers herausarbeiten will, der kann auch zu einem Weißglas greifen. Reicht ja, wenn das Grün im Bild ist.

Ätzend, aber entspiegelt

Beidseitig glänzendes Floatglas hat auch den Nachteil, dass man manchmal vom Sofa aus nur den Baum draußen und nicht das Kunstwerk sieht, weil alles so schön spiegelt. Auch schade. Die einfachste Variante, diesen Missstand zu beheben, ist das Glas zu ätzen, also etwas aufzurauen, auf dass die Spiegelung sich in einem leicht diffusen Schleier aufhebt, der das Bild nur noch wenig beeinträchtigt. Allerdings kostet dieser Effekt etwas Brillanz und hängt stark davon ab, wie fein die Ätzung ausgeführt ist. Problematisch ist besonders der Schärfeverlust, der mit mit jedem Millimeter Abstand vom Glas zum Bild ansteigt. Für das Poster in der Küche direkt unter dem Glas ist das noch eine gute Lösung, für den Distanzrahmen mit 10mm-Abstandshalter scheidet dieses Glas dagegen völlig aus.

Bricht nicht, nur UV

Geätzt und nicht geätzt gibt es auch eine andere Glasklasse: die Plexigläser. Die sind bruchsicher, weswegen sie in Schulen und Kindergärten eigentlich selbstverständlich sein sollten und von Museen gerne für zu verschickende Kunstwerke genutzt werden. Außerdem macht sich das geringe Gewicht gerade bei großen Formaten positiv bemerkbar. Dummerweise lässt sich dieser Vorteil bei Distanzrahmen kaum nutzen, da die Acrylgläser temperaturabhängig auch mal so schrumpfen können, dass sie – wenn es schlecht läuft – an den Abstandsleisten vorbeirutschen. Mit Passepartout kann das nicht passieren, aber hier stört gerade bei großen Formaten oft das Durchwölben der Scheibe. Der UV-Schutz hilft vor allem bei klassischen Farbfotos und Polaroid. Nachteilig ist allerdings die Kratzempfindlichkeit vieler Plexigläser, auch wenn es schon relativ resistente Versionen gibt und bei den glänzenden Modellen lassen sich die Kratzer sogar relativ einfach herauspolieren.

Physik hilft: interferenzoptisch entspiegelt

 Deutschland, Land der Ideen. Mit der neuen fettabweisenden Daro-Beschichtung, lassen sich Fingerabdrücke auf Mirogard-Gläsern einfach abwischen.
Quelle: Schott
Klingt so, als ob es keine Gläser ohne Nachteile gäbe. Gibt es aber doch. Zumindest wenn Geld keine Rolle spielt. Dann haben sich für Bilder, die es wert sind, interferenzoptisch entspiegelte Museumsgläser bewährt. Was bei Objektiven funktioniert, klappt halt auch beim Rahmen. Die lassen nur 1 % Restreflexion aufscheinen und das Foto selbst brillant und scharf erscheinen. Auf Wunsch gibt es noch UV-Schutz und Bruchsicherheit durch Doppelscheiben dazu. Dann nähern wir uns aber empfindlich der Unbezahlbarkeit. Ob der HighEnd-Reflexschutz nötig ist, hängt neben den Bedingungen vor Ort auch vom Bild ab. Je dunkler das Foto, desto größer ist die Gefahr, dass der Betrachter ohne Glasbeschichtung nur sich selber sieht. Und Spiegel gibt es der Wohnung ja meistens schon genug.

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