Mut zur Kopie

07.06.2010 09:00:00
Bekannte Designstile dienen als Basis für das Finden neuer Ideen

Traditionelles hat sich bewährt – das gilt auch für das Design. Immer wieder haben Kreative den Blick zurück gewagt und sich an bereits Bestehendem orientiert. „Mut zur Kopie“ bedeutet jedoch nicht, Ideen eins zu eins abzukupfern. Vielmehr kann man sich bei den Kunststilen der Gegenwart und der Vergangenheit Inspirationen abholen.

Kopie oder Fälschung?

Quelle: Tobman Pixelio

Wer in Verbindung mit Kunst und Design an „Kopie“ denkt, hat meist als erstes die Fälschung im Kopf; eine Kopie, die genau dem Original entspricht. Kopieren heißt jedoch auch, Bestehendes aufzugreifen, weiterzuentwickeln und mit eigenen Ideen anzureichern. Jeder Kunst- oder Designstil wurde von seinen Vorläufern beeinflusst. Eines der bekanntesten Beispiele ist die Renaissance: Schon das Wort bedeutet „Wiedergeburt“ und zeigt, dass die Antike wiederbelebt werden sollte. In der Architektur wurden Bauelemente, wie zum Beispiel Säulen oder Pilaster, direkt der griechischen Antike entlehnt.

Quelle: Thomas Scholz Pixelio

Quelle: Thomas Scholz
(Pixelio)

Erfolgreich kopieren

Der Geist der Gotik, die Botschaften des Jugendstils, die Designlandschaften der 70er Jahre – wo soll man sich Anregungen holen? In erster Linie sollte der Stil der Epoche natürlich mit dem Projekt harmonieren. Kühle, klare Botschaften passen nicht zum üppigen Barock, während sich blumige Aussagen nur schwer mit der Nüchternheit des Bauhauses in Einklang bringen lassen. Grundkenntnisse der verschiedenen Stile helfen dabei, im richtigen Zeitalter nach Inspirationen zu suchen. Im Internet finden sich schnell kurze Erklärungen, empfehlenswert ist auch das Buch „Kunst verstehen“ von Maria Carla Prette.

Nachahmung mit Köpfchen

Quelle: ich Pixelio

Kopieren lässt sich nicht mit „Abpinseln“ gleichsetzen. Selten lassen sich gleich mehrere Elemente blindlings übernehmen. Stattdessen sollte man gut überlegen, welche Botschaften, Aussagen oder Objekte man in das eigene Projekt einfließen lassen kann. Geschwungene Linien, florale Ornamente, kaum Symmetrien – das sind die Merkmale des Jugendstils. Spitzbogen, die Betonung des Vertikalen und eine ausgeprägte Ornamentik stehen für die Gotik. Eine der jüngeren „Retro“-Wellen orientiert sich an den 70er Jahren mit Farbwelten in Braun-Orange, abgerundeten Ecken oder nostalgischen und kitschigen Elementen.

Dezent bleiben

Wildes Nachahmen und hemmungsloses Kopieren sind nicht zu empfehlen – schon gar nicht mit Zeitsprüngen quer durch die letzten Jahrhunderte der Kunstgeschichte. So entsteht schnell ein Stückwerk ohne irgendeinen Zusammenhang. Wer clever kopiert, übernimmt stattdessen nur wenige Elemente und holt sich vom späteren Leser oder Nutzer unbemerkt seine Anregungen ab. Nie sollte man das große Ganze aus dem Auge verlieren: Nur was zur Bildsprache und der Kommunikationsstrategie eines Projekts passt, ist es auch wert, dass es kopiert wird.

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